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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1910.
Was die Wetterlage im einzelnen betrifft, so lag das deutsche Küstengebiet
vom 1. bis 3. April im Bereich hohen Luftdrucks bei nordöstlichen und südöstlichen
Winden, so daß an diesen Tagen heiteres, trockenes Wetter herrschte mit Tempera-
turen etwas unterhalb der Normalen; erst am 3. mittags stiegen sie nach Um-
gehen der Winde nach Südost höher an. Das Hochdruckgebiet verlagerte sich
alsdann nach Südrußland, während eine Depression von Südwesteuropa her nach-
rückte und am 4. Regenwetter brachte, das bis zum 9. anhielt. Die Depression
bedeckte das Küstengebiet bis zum 8. und zog dann nach Rußland ab. Schnell
schritt jedoch eine neue Depression vom Nordmeer heran, die bereits am 9. er-
neutes Regenwetter brachte, aber schnell ostwärts abzog, so daß am 10. nur noch
der äußerste Osten Regen erhielt, Der Westen war an diesem Tage schon in
den Bereich eines Hochdruckrückens gekommen und hatte heiteres Wetter er-
halten. Letzterer verbreitete sich an den folgenden Tagen über das ganze Küsten-
gebiet, da der Kern des Hochdruckgebiets langsam durch den Kontinent zog und
das Wetter bis zum 12. beherrschte.
Am 13. hatte es sich nach Rußland verlagert; ein Tiefdruckgebiet rückte
ihm nach und brachte dem deutschen Küstengebiet wieder Regenwetter mit
stärkerer Erwärmung der Luft, die zunächst bis zum 16. bestehen blieb, Die
Erwärmung führte am 13. vielfach Gewitter, am 14. und 15. die höchsten
Temperaturen herbei, Das Tiefdruckgebiet zerfiel in mehrere flache Teil-
depressionen, die den größten Teil von Europa bis zum 17. bedeckten, An
letzterem Tage stellten sich an der mittleren Ostseeküste verbreitete Gewitter ein.
Am 18. April näherte sich eine neue Depression von den Britischen Inseln,
die erneutes Regenwetter brachte und mit auffrischendem Winde am 19. die
vom 20. bis 25, reichende Periode stürmischer Winde einleitete. Sie schritt mit
ihrem Minimum über Mittelskandinavien hin schnell ostwärts und hatte am 20.
fast an der ganzen deutschen Küste stürmische nordwestliche Winde im Gefolge.
Während der Luftdruck über der Biskaya-See fortgesetzt ziemlich hoch blieb,
schritten eine Reihe von Depressionen im Norden ostwärts vorüber und erzeugten
im deutschen Küstengebiet anhaltend stürmische südwestliche bis nordwestliche
Winde mit teilweise ergiebigen Regenfällen und bis zum 23. fortschreitender Ab-
kühlung der Luft. Als am 24. bei dem Herannahen .einer neuen, sehr umfang-
reichen und weit südwärts reichenden Depression die Winde nach Südwest zurück-
drehten, erwärmte sich die Luft wieder auf eine nahezu normale Höhe.
Am 26. flaute der Wind stark ab; ein bis nach Südfrankreich vorgeschobener
Ausläufer bewegte sich mit Regenfällen durch den Kontinent und lag am 28.
über Westrußland. Ein Hochdruckkern folgte ihm nach Osten. Da jedoch
schnell neue Depressionen heranzogen, so blieb das Regenwetter bis zum Schluß
des Monats bestehen.
Druck und Verlag von E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofduchbandlung und Hofbuchdruckerei
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