Schott-Schu: Die Wärmeverteilung in den Tiefen des Stillen Ozeans. 21
W-—O-Richtung (über rund 135 Längengrade gegenüber 90 Längengraden im
Norden, auf 40° Breite).
Die Frage nach der inneren Ursache des markanten thermischen Gegen-
satzes zwischen der nördlichen und südlichen Pazifischen Tiefsee, das heißt :die
Frage nach den mechanischen, den Gegensatz herbeiführenden Vorgängen ist
heutzutage noch nicht recht zu beantworten; eine Möglichkeit der Erklärung,
die Brennecke mündlich dem Verfasser aussprach, bieten vielleicht die For-
schungen S. M. S, »Planet«. Wie nämlich eine Karte der Verteilung des Salz-
gehaltes des’ Oberflächenwassers zeigt1), ist das Wasser des südpazifischen Passat-
gürtels erheblich salzreicher (bis 36.9 %,) als das des nordpazifischen (nur bis
35.9 %o): hierin liegt ein erster Fingerzeig. Denn es hat Brennecke?) zuerst
auf das unverkennbare Salzgehaltsmaximum hingewiesen, das man im tropischen
westlichen Stillen Ozean bei Serienmessungen stets in rund 200 m Tiefe anfindet;
die Werte von mehr als 35.0 %, umfassen im Gebiete des Bismarck-Archipels
die Schichten von etwa 100 m bis 250 und 300 m Tiefe, und Brennecke hat in
überzeugender Weise unter Heranziehung der älteren Beobachtungen des »Chal-
lenger« festgestellt, daß dies Salzgehaltsmaximum der Tiefe mit dem: Fort-
schreiten nach Osten im absoluten Betrage zunimmt, so daß Werte von 36.0 %,9
und darüber schon unter 165° O-Lg., in der Gegend der Neuen Hebriden, auf-
treten. Man wird daher anzunehmen haben, daß durch langsames Absinken des
subtropischen Oberflächenwassers im Osten?) und in der Mitte des Ozeans®) die
Warmwasseransammlungen in der Tiefsee des Westens hervorgerufen werden;
ein Unterstrom aus relativ starksalzigem Wasser steigt, nach Westen gerichtet,
allmählich abwärts. Da nun das salzigere Wasser, ceteris paribus, tiefer absinken
kann und muß als das weniger salzige, bringt es das salzigere südpazifische
Oberflächenwasser zu einer intensiveren Warmwasseransammlung in
der Tiefsee als das schwachsalzige nordpazifische Wasser. Auch hier
wieder hätten wir also weit und tief reichende Einflüsse, die von der Oberfläche
ausgehen und letzten Endes klimatischen: Ursprunges sind. Denn das in
Konvektion stattfindende Absinken der Wasserteilchen der Oberfläche ist im
Bereiche der subtropischen Salzgehaltsmaxima um deswillen so energisch, weil
diese Gebiete in ziemlicher Annäherung zugleich auch die Gegenden größter
Jahresschwankung der Oberflächentemperatur sind.*)
Als ein besonders deutliches Beispiel für den angenommenen salzreichen
Tiefenstrom von 100 bis 300 m möge die nachstehende, neuerdings von S.M. S.
»Planet« in 9° 30’ S-Br. und 156° 10’. O-Lg. am 3. Juli 1908 gewonnene Reihe
dienen 5):
Tiefe in m ] 0 | 50 100 | 150 ! 200 | 250 ! 800 | 400 ' 800 | 1000 | 1500
Temperatur °C. J 28.1| 27.51 2681 28.0! 2031 1691| 141
Salzgehalt %/o9 | 34.67 | 34.72
9.7
: 50] 39! 26
2476| 34.49 | 34.51 | 34.6]
35.23 | 35.59 | 35.70 | 35.44 | 35.17
Einen guten Einblick sowohl in die Unterschiede des Wärmeinhaltes des
pazifischen Wassers zwischen den Anstau- und Auftriebgebieten als auch zwischen
nördlicher und südlicher Breite gewährt ferner die Berechnung der unter der
Fläche von 1 qm vorhandenen und in kg-Kalorien ausgedrückten
Wärmemengen für einzelne Wassersäulen. Si
Wir folgen dabei dem Vorgange von Meinardus®) und setzen den Wärme-
inhalt einer Säule von 0° Temperatur — Null: dann hat eine Wassersäule von
Vgl. z. B. Schott in Peterm. Geogr. Mitteil. 1902, Taf, 19. nn
»Planet«-Werk, Ozeanographie, Text S. 88 und 89. Berlin 1909.
Da liegt das Gebiet des höchsten Salzgehaltes der Oberfläche!
Vgl. hierzu Schott in Peterm. Geogr. Mitteil. 1985, S. 153 u. Taf. 10.
ı Annalen der Hydrographie 1909, 8. 491; auch 1908, S, 479.
‘) Vgl. Meinardus, die ozeanologischen Ergebnisse der »Valdivia«-Expedition, in der. Zeit-
schrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1902. 8. 788.