310 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1910.
wesen ist, noch hohe See stehen, in der das Schiff stark stampfen wird; dieser
Umstand ist bei Schiffen, für die unter normalen Verhältnissen hinreichende
Wassertiefe vorhanden ist, wohl zu berücksichtigen.
Als weitere Ankerplätze müssen die innerhalb Rose-Eiland und Östlich
von der Insel New Providence auf der Douglas-Reede gelegenen noch erwähnt
werden, die geeignete Unterkunft für Schiffe bieten, die schlechten Wetters
halber die Barre vor der Nassau - Hafeneinfahrt nicht‘ passieren können.
Als erster Ankerplatz kommt hierfür der Östlich vom Ostende der Rose-
Insel auf der sogenanten Shoe Hole-Reede gelegene in Betracht. Hier können
Schiffe auf 7 bis 9 m Wasser ankern. Der Ankergrund ist jedoch nicht gut
haltend, wodurch bei starken Nordwinden Schiffe möglicherweise ins Treiben
geraten können, Bessere Ankerplätze findet man weiter drinnen, etwa 8 Sm
östlich von Nassau, auf 7,3 m Wasser über Sand- und Tongrund, von wo in rw.
281° (mw. WzN)-Peilung Potter Cay beinahe in Linie kommt mit dem Östlich
davon auf der Nordosthuk von New Providence angelegten Fort Montague,
und das Haus auf Rose-Eiland rw. 357° (mw. N1/,W) peilt. Die etwa 11), Sm
breite Einfahrt zu diesen Ankerplätzen befindet sich zwischen Booby-Eiland und
dem Ostende von Rose-Eiland, Mehrere Klippen und Bänke liegen in ihr, wo-
durch nur schmale Durchfahrten zum Einlaufen frei bleiben. Die gebräuchlichste
hiervon ist die Douglas-Passage, die zwischen den in der Mitte der Einfahrt
liegenden Douglas - Klippen und dem Riff vor dem Westende von Booby-Eiland
hindurchführt, Sie ist an ihrer engsten Stelle etwa 1!/, Kblg breit, und im
Fahrwasser an ihrer seichtesten Stelle 7,8 m (41/, Fad.) tief, Die Gezeitenströme
sind in der Durchfahrt sehr stark, so daß es nicht empfehlenswert ist, ohne
Lotsenhilfe einzulaufen. Beim Einsteuern bringe man die beiden Pfahlbaken auf
den Douglas-Klippen in rw. 130° (mw. SO1/,O)-Peilung in Linie und steuere auf
dieser Richtmarke ein. Sie führt in der Mitte zwischen Booby-Eiland-Riff und
der westlich davon liegenden 4.6 m (2!/, Fad.)-Stelle hindurch. Sobald dann das
Ostende von Rose-Eiland rw. 186° (mw. S1/„W) peilt, ändere man unter Berück-
sichtigung der Gezeitenströme den Kurs auf etwa rw. 101° (mw. OzS) und passiere
dicht nördlich von den schwarzen stumpfen Tonnen, die an der Nordkante der
Bank liegen, die die Douglas-Klippen umgibt. Wenn man sich dann querab von
der inneren Tonne befindet, so steuere man mit rw. 146° (mw. SOzS)-Kurs nach
dem Ankerplatze auf der Shoe Hole-Reede. Auf die richtige Lage der Tonnen
darf man sich jedoch nicht verlassen. Will man weiter nach dem Ankerplatz
auf der Douglas-Reede, so bringe man die niedrigere Douglas-Bake in rw. 315°
(mw. NW)-Peilung achteraus eben westlich frei von der höheren Bake und steuere
mit entgegengesetztem Kurse zwischen Turtle Head und The Hook hindurch;
nachher folge man der in der Karte eingezeichneten Kurslinie.
Für Segelschiffe, die zum Einlaufen den Flutstrom abwarten sollten, wird
der Wind selten so raum sein, daß sie mit dessen Hilfe allein auf einem Bug
die Durchfahrt durchlaufen können; immerhin mag es ihnen gelingen, wenn sie
mit gehöriger Aufmerksamkeit die starken Gezeitenströme ausnutzen. Sollten sie
gezwungen sein zu wenden, so tun sie dies am besten westlich von den Douglas-
Klippen, die hier unter Wasser steil abfallen.
Schiffe mit weniger als 4.3 m Tiefgang können auch die South-Passage
benutzen, die südlich von den Douglas-Klippen nach dem Ankerplatze der Shoe
Hole-Reede führt. In der Mitte dieser Durchfahrt liegt aber zwischen Tiefen
von 7.3 m eine kleine gefährliche Klippe 2.4 m unter Wasser, die man infolge
starker kabbeliger See nicht erkennen kann. Beabsichtigt man zum Einlaufen
diese Durchfahrt zu benutzen, so ist es am besten, wenn man vorher ein Boot
an diese Stelle legt, da man infolge der starken Gezeitenströme wohl kaum sich
des Schiffsortes ganz sicher ist, wenn nicht eine frische günstige Brise weht.
Gezeiten, Die Hafenzeit für den Hafen von Nassau ist 7b 30min; die Hoch-
wasserhöhe bei Springtide beträgt 1.2 m, bei Nipptide 0.9 m.
Der Flutstrom setzt nach Osten, der Ebbstrom nach Westen mit etwa
1 Sm Geschwindigkeit; manchmal ist diese auch größer.