Connemann: Hafenanlage in Swakopmund,
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Wert der Erfahrungen aus dem Jahre 1904,
Die Erfahrungen aus dem Jahre 1904 müssen besonders bewertet werden,
weil dies: darin ein Ausnahmejahr war, daß Dezember 1903 der Swakop
abgekommen ‚und die verhältnismäßig großen Sandmassen ins Meer geworfen
hatte. Dies Ereignis ist weder während der Bauausführung der Mole noch. seit
dem Jahre 1903 wieder eingetreten.!)
Diese durch den Swakop plötzlich ins Meer geworfenen Sandmassen hatten
1904 die Allgemeinlage vor Swakopmund und vor allem die Tiefenverhältnisse
auf dem Gebiet, wo die neuen Molen projektiert sind, völlig verändert, Sie
waren auch der Grund, weshalb die Versandung der Mole in dem Jahre so
rapide vor sich ging.
Da die Sandmassen nach dem Jahre 1904 zum größten Teile wieder ab-
gewandert sind und sich hierdurch, wenn auch in gering veränderter Form, die
gewöhnlichen Tiefenverhältnisse vor der Swakopmündung wieder eingestellt
haben, so ergibt sich, daß man nicht mit den augenblicklich vorliegenden Tiefen-
verhätnissen rechnen darf, sondern vor Augen haben muß, daß diese außer-
gewöhnlichen Verhältnisse jederzeit wieder eintreten können.
Unter diesem Gesichtspunkte betrachte man nun einmal die den beiden
neuen Projekten zugrunde liegenden Hafenkarten (März-Heft der »Marine-Rund-
schau« und November-Heft der vorliegenden Zeitschrift 1909). Beide rechnen
mit den Tiefenlinien aus den Jahren 1899 und 1906/07. Zwischen diesen
Lotungsjahren liegt aber gerade die obenerwähnte allerkritischste Zeit, das Jahr
1904, mit der momentan auftretenden Verflachung der Küste in der Nähe der
Swakopmündung.
Es erhellt hieraus ohne weiteres die große Gefahr, die den vorgeschlagenen
Projekten durch eine Wiederholung des Abkommens des Swakops drohen kann,
Die erneut ins Meer geworfenen Sandmassen können mit einem Schlage die auf
eine bestimmte Wassertiefe und Stromstärke aufgebaute Wirkungsweise der
Molenbauten völlig verändern und zunichte machen. Diese Gefahr ist bei den
beiden erwähnten Projekten ganz besonders groß, weil bei diesen der Wellen-
brecher so äußerst nahe der Swakopmündung projektiert ist, während man
seinerzeit schon von fachmännischer Seite die Ansicht aufstellte, daß selbst die
weiter nördlich befindliche Mole noch zu nahe der Swakopmündung angelegt sei.
Durchführung von Baggerungen,
Fast alle neuen Molenprojekte rechnen mit der eventuellen Notwendigkeit
von Baggerungen, Deshalb sei rückblickend noch einmal ausgeführt, welchen
Wert Baggerungen an der alten Mole hätten haben können.
Es wurde einem dort sofort klar, daß alle Baggerungen vorbeugend sein
mußten und daß man. eine Aufsandung vor der Moleneinfahrt wegen der
Schwierigkeit der Baggerung an dieser Stelle überhaupt nicht erst aufkommen
lassen dürfe.
Nun hat aber der Gang der Versandung, wie ich ihn bereits in meinem
ersten Aufsatze skizziert habe, gezeigt, daß die Aufsandung vor der Molen-
zufahrt erst auftrat, nachdem der südliche Molenwinkel sich voll Sand gefüllt
hatte und weitere Sandteilchen sich dort nicht mehr absetzen konnten. Dies
schien damals so verständlich und erklärlich, daß ich mir die Überlegung
machte, man müsse eigentlich die Versandung am Molenkopf und vor der Molen-
zufahrt hintanhalten können, wenn man den südlichen Molenwinkel immer
wieder von dem sich ansammelnden Sand befreie und den neu ankommenden
Sand zum Festsetzen zwänge. Dieses Freihalten sollte durch eine stationäre
1) Das »Abkommen«, d.h, die Verwandlung des sonst trocknen Flußbettes in einen reißenden
Strom vollzieht sich nach im Innern des Landes gefallenen Regengüssen innerhalb weniger Stunden
oder höchstens Tage. Während des Abkommens reißen die ungeheuren Wassermassen große Sand-
mengen mit sich, die sich natürlich vor der Flußmündung im weiten Kreise ablagern und hier die Tiefen-
verhältnisse völlig verändern. Nach Verlauf des Abkommens bleibt das Flußbett dann oft auf Jahre
hinaus wieder trocken, und der dem Flusse vorgelagerte Sand verteilt sich, wenn er, wie bei Swakop-
mund, den nötigen Impuls durch Brandung und Strom bekommt, wieder weiter an der Küste.