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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Schott-Schu: Die Wärmeverteilung in den. Tiefen des Stillen Ozeans. 19 
bis 2,8° beträgt, so muß eine homotherme Schicht‘ von etwa 1700 oder 1800 m 
Tiefe ab vorhanden sein; — Viel mächtiger ist diese Schicht in dem kleinen, 
aber sehr tiefen . 
Salomonen-Kessel‘), der westlich von Bougainville in dem Neu-Pommern- 
Graben bis auf 8045 m absinkt. Bei einer Bodentemperatur von 2,5° bis 2.4° 
dürfte hier eine Schicht gleicher Temperatur. von rund 2200 m ab beginnen und 
somit nahezu 6000 m Mächtigkeit erreichen! Der Salomonen-Kessel tritt unter 
diesen Umständen in eine Reihe mit den hinterindischen tiefen Becken 
der Celebes-See und Banda-See, Die Erkundung dieses auch tektonisch höchst 
bedeutsamen Meeresteiles westlich von den Salomonen wird ebenfalls: der For- 
schungstätigkeit S. M. S. »Planet« verdankt. - 
$ 7. Die Tiefentemperaturen vor der zentralamerikanischen Küste 
stellen einen kleinen, aber für die Gesamtauffassung gerade der großzügigen 
Wärmeverhältnisse sehr wichtigen Fall dar. Allerdings sind die. Beobachtungen 
hier leider äußerst dünn verteilt, doch dürfte der Kernpunkt der Sache bereits 
gesichert sein. In den Tiefen von mehr als 400 m findet sich nichts Auffälliges; 
aber in den Schichten bis 400 m Tiefe einschließlich ist gerade unter den geo- 
graphischen Breiten, die im westlichen und zentralen Pazifischen Ozean die Kalt- 
wasserrinne, bzw, Kaltwasserzone beherbergen, keine Spur einer Temperatur- 
erniedrigung, vielmehr eine relative Wärmezunahme zu konstatieren. Es scheint 
hier vor den Westküsten Zentralamerikas kein Kaltwasserauftrieb, sondern ein 
Warmwasseranstau im kleinen vorhanden zu sein, und zwar in vollkommener 
Analogie zu den thermischen Zuständen der entsprechenden Gegend des Atlan- 
tischen Ozeans, des Golfes von Guinea,*) ) 
Auf 10° N-Br. dürfen folgende Temperaturen angesetzt werden: 
Stiller Ozean | 
we f 100 
Tiefe { 200 
400 
im Westen und in der Mitte 
EB — 
20° und darunter bis herab zu 15° 
9° bis 11° 
wo 
im Osten 
20° und darüber . 
13° « 
10° # 
X 
Auch im Guinea-Golf beläuft‘ sich der Wärmeüberschuß gegenüber der 
äquatorialen Auftriebzone in den gleichen Tiefen auf etwa 2 bis 3°; in der Bucht 
von Benin ist ein Anstau der Wassermassen des warmen Guineastromes beson- 
ders leicht erklärlich, da der Strom wie in eine Sackgasse hineingelangt, und da 
von Süden, von der Congo-Gegend her, mindestens sehr häufige, wenn nicht vor- 
herrschende Versetzungen nach Norden der Kamerun-Ecke ebenfalls Wasser 
zuführen, An der Westküste der zentralamerikanischen Staaten findet wohl ein 
ähnlicher Anstau statt, Der Gegenstrom trifft die Küste, er kann im Sommer 
nach Süden gar nicht entweichen und wendet sich daher nordwärts um, um dann 
in der. nördlichen Aquatorialströmung westwärts wieder zurückzukehren; im 
Winter findet zwar ein teilweiser Abfluß nach Süden zur südhemisphärischen 
Aquatorialströmung statt, dafür erhält aber der nach Norden abkurvende Ast 
eine erhebliche Verstärkung durch die in dieser Jahreszeit von Nordwesten längs 
der mexikanischen Küste kommende Trift®, und daher sind auch im Winter die 
Bedingungen für lokale Anstauerscheinungen westlich von den Küsten von Nica- 
ragua und Guatemala gegeben. 
Über die Sprungschicht und ihre stellenweise sogar doppelte Ausprä- 
gung auf der westlichen Seite der tropischen Teile des Stillen Ozeans kann hier 
1) Hierzu vgl, die Karte in den Annalen der Hydrographie 1909, Taf. 6. Die für die Tiefe 
4107 m in 8° 52’ S-Br. 155° 37’ O-Lg. eingetragene, auch in der Liste S, 53 der »Annalen« gegebene 
Bodentemperatur von 2.0° ist entschieden zu niedrig. . 
2) Vgl. Schott im »Valdivia«-Werk, Text S, 172/3, Atlas Taf, X bis XIV und besonders 
Yaft, XXX, Profil Nr, V. + 
3) Vgl. zu diesen Strömungen C. Puls in »Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte«, Band 
XVYIIL Nr. 1. Jahrg. 1895. Taf. 1 bis 3.
	        
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