accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

>-£ 
il 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1910. 
Astronomische Ortsbestimmung bei unbekanntem Loggeort. 
Von R. Topp, Offizier des Norddeutschen Lloyd. 
Durch die rapide zunehmende Bedeutung der Luftschiffahrt wird das Ver- 
langen nach einer Ortsbestimmung ohne Kenntnis des Loggeortes immer größer, 
Nachfolgend möchte ich nun eine Zweihöhenmethode erläutern, mit der ich außer- 
ordentlich günstige Resultate erzielt habe, Folgende Punkte waren für mich 
maßgebend: schnelle Lösung, Vermeidung von besonderen Karten und Tafeln, 
enge Anlehnung an jedem Naütiker bekannte Formelschemata; und vor allen 
Dingen habe ich die Rechnung von einer allzu genauen Peilung unabhängig ge- 
macht, die in den meisten Fällen doch nicht erhalten werden kann. 
Erklärung der Methode. 
Statt wie bisher von einem Loggeort auszugehen, benutze man als Aus- 
gangspunkt der Rechnung die Zenitalpunkte von zwei beobachteten Gestirnen, 
die ich A und B nennen will. Nun berechne man, vom Zenitalpunkt des 
Gestirns A ausgehend, mit Hilfe der Höhe h dieses Gestirns und zwei, dem ge- 
peilten rw. Azimut naheliegenden Winkeln (volle Grade genügen) zwei Orte auf 
der Erdoberfläche nach folgenden Formeln: 
sin t, = sina, -cosh -+sec $ 
für Ort II ebenso 
sin t, = sin a, «cos h + see 6, 
Der Winkel t, und t,, an die Länge tgr des Zenitalpunktes angebracht, 
geben die Längen: 
2, = tgr—t, und Aa = tgr—t. 
Die Breiten berechne man mit Hilfe der Größen t, ö, h, a, und a, folgendermaßen :!) 
tang (450 — £ = cotg 4 Ih +8) + cos 4 (a, + t,) sec } (a, — tj) 
tang (45° — %) = egtg 4 (h-+ 5) + cos 4 (az + t) sce 4 (a — t)- 
Sollte obige Formel ungenau werden, so benutze man die halbe Differenz 
der Seiten: 
tang (450 — ©!) = cotg 1. (h — 6) - sin 4 (a, + t,) cosec 4 (a, —-t,) 
tang (150 — %) — cotg 4 (h — 6) - sin 4 (a, - t,) cosec } (a, — t,). 
Herrscht in der Nähe des Äquators Zweifel über den Namen des oberen 
Poles, so führe man mit einem von beiden die Rechnung folgerichtig durch, hat 
man den falschen gewählt, so ist das Breitenkomplement (90 —g) ein stumpfer 
Winkel; um @ zu erhalten, muß man 90° von demselben subtrahieren; der Name 
der Breite ist dann entgegengesetzt dem des benutzten Poles. Zu beachten ist ferner: 
1. Das Azimut zählt stets vom oberen Pol von 0° bis 180° nach Ost 
und West. 
Östliche Azimute und Stundenwinkel haben negatives, westliche positives 
Vorzeichen, 
Hat man nun beide Ort für das Gestirn A berechnet, so ist ihre Ver- 
bindungslinie ein Stück des Höhenkreises, auf dem man sich befinden muß. Nach 
denselben Formeln berechne man für das Gestirn B auch zwei Orte und verbinde 
dieselben. Die Höhenkreise oder ihre Verlängerungen werden sich schneiden, 
der Schnittpunkt S ist dann der Schiffsort. (Siehe Fig, 1.) 
Man sieht also, daß die genaue Kenntnis der rw. Peilung des Gestirns 
nicht erforderlich ist, es wird das gepeilte Azimut vielmehr nur dazu benutzt, 
um zu entscheiden, welcher Schnittpunkt der Höhenkreise der richtige ist, und 
um nicht unnötig viele Punkte der Höhenkreise berechnen zu müssen. 
Sind die für die Rechnung verwandten Azimute sehr ungenau gewesen, so 
liegen die zum Gestirn A gehörigen zwei Orte weit von denen zum Gestirn B 
:) »Lehrbuch der Navigation«, herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt. Zweite umgearbeitete 
Anflage. 23. Bd., S. 286,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.