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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1910. 
Im Japanischen Meere sind die vorerwähnten kontinentalen Einflüsse 
hauptsächlich auf die westliche Hälfte, die sibirische Küste, beschränkt. Der 
durch die Korea-Straße bei den Tsushima-Inseln hereinkommende Strom ist in 
100 m Tiefe noch ganz gut bis etwa 40° N-Br. erkennbar, vielleicht sogar noch 
in 200 m. Im ganzen genommen ist aber doch auch die Tiefsee des Japanischen 
Meeres ganz erheblich kälter als die Pazifische Tiefsee gleicher Breite, sofern 
wir die kalten Gewässer des Oya siwo unter der Ostküste Yezos und die bei den 
Kurilen ausscheiden. Die folgende kleine Tabelle soll dies für 40° Breite veran- 
schaulichen: 
Meter Tiefe 
0 
J00 200 
400 
500 
SO 
‚Japanisches Meer ! 139 4° 20 07° 0.6° 
Pazilischer Ozean, etwa 180° Lg. | 16° 11.59 109 5.80 59 1 38 
Das Gelbe Meer fällt wegen zu geringer Tiefe hier, wo wir nur die Gebiete 
mit wirklichem Tiefseecharakter betrachten, aus. Aber der auf der Ostseite des 
Stillen Ozeans ihm gegenüberliegende 
Golf von Californien ist noch zu erwähnen; er ist, so nahe der Ver- 
gleich liegt, doch mit dem Roten Meer in thermischer Hinsicht nicht in eine 
Reihe zu setzen. Hauptursache dafür ist seine bis auf mehr als 2000 m hinab- 
reichende freie Verbindung mit dem offenen Meer; sie verhindert eine der im 
Roten Meere vorhandenen ähnliche Anreicherung der Wärme. Zwar an der 
Oberfläche kommen im Sommer sehr hohe Temperaturen vor, wie Thorade ge- 
zeigt!); doch schon im Jahresdurchschnitt stehen die Oberflächentemperaturen 
hinter denen des Roten Meeres zurück — ist er ja längst nicht in demselben 
Grade wie das Rote Meer von Landmassen umschlossen —, und ähnlich dann in 
den Tiefen, wie die Zusammenstellung für 25° N-Br. zeigen möge, 
Meter Tiefe 
f 
100 1 200 
400 600 * 800 
1000 * 1500 
Golf von Californien 24,39  14.7° | 12.19 9.3° 6,5° 
Rotes Meer | 258°, 24° |] 230 }; 22,89 | 216° 215° 215° 21,5° 
Eine homotherme Schicht ist also im Californischen Golf, soweit die Be- 
obachtungen reichen, überhaupt nicht vorhanden. Dagegen hat die deutsche 
Meeresforschung neuerdings eine solche Schicht festgestellt in zwei kleinen, rein 
tropischen Becken an der Westseite des Ozeans, nämlich erstens in dem von den 
Inseln des Bismarck-Archipels einerseits und der Ostküste Neu-Guineas ander- 
seits umschlossenen 
»Gazelle-Becken« und zweitens in dem südlich von Neu-Pommern, west- 
lich von den Salomon-Inseln, nördlich von den Louisiaden gelegenen »Salo- 
monen-Kessel«. Das erstgenannte Becken soll seinen neuen Namen von der 
Tätigkeit S. M. Korvette »Gazelle« herleiten, die schon im Jahre 1875 oze- 
anographische Beobachtungen in dieser Gegend ausgeführt hat?); die neuesten 
Messungen, die über seine eigentliche Gestalt und Wärmeverteilung Aufklärung 
gebracht haben, stammen ausschließlich von S. M. S. »Planet«3). Das Gazelle- 
Becken lehnt sich eng an die Westküsten von Neu-Hannover und Neu-Mecklen- 
burg an, bleibt dagegen mit den 2000 m überschreitenden Tiefen weit ab von 
der Neu-Guinea-Küste, da von den Admiralitäts-Inseln aus nach den French- 
Inseln und Neu-Pommern zahlreiche Riffe und andere Erhebungen sich erstrecken; 
die größte Tiefe ist bisher mit 2700 m gelotet. Da die Bodentemperatur 2.9? 
A 
5.69 4.7° 3.20 
ı) Vgl. Fußnote 2 oben 8. 6, 
?) Der Name ist auch geographisch berechtigt infolge der Nüähe der Gazelle-Halbinsel, 
3) Annalen der Hydrographie, 1908, S. 479 und 1909, Taf, 7.
	        
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