Müller, A.: Über die Theorie der Entstehung der Tiden in elliptischer. Bahn, 2381
nennen, kein Vektor ist; der neben den Vektoren des revolvierenden Systems
existiert, der also mit der Bewegung erst »entsteht«, sondern das Resultat einer
Zerlegung, deren Gesamtresultat ‚auf das ruhende System angewandt werden muß,
Brauchbar für die Darstellung der fluterzeugenden Beschleunigungen ist
nur die zweite Zerlegung bei der Kreisbahn und die dritte bei der ’elliptischen
Bahn. Man sieht auch ohne weiteres den Fehler, der mit dem Gebrauch der
»negativ genommenen mittleren Anziehungskraft« in der ‚elliptischen Bahn ge-
macht wird; zu dem Vektor der Gesamtgravitationsbeschleunigung gehören ent-
weder der Geschwindigkeitsvektor oder der zentrifugale Vektor, der dem Vektor
der Normalbeschleunigung absolut gleich ist,
Ich hoffe, daß gerade durch die zuletzt gegebene Darstellung viele Be-
denken gegen den Gebrauch der Zentrifugalbeschleunigung zerstreut werden. Es
wird wohl hier, wie. so oft, gehen, daß nämlich der Gegensatz mehr in den
Worten als in der Sache besteht.
Über die elementare Darstellung der fluterzeugenden Kräfte.
Bemerkungen zu meiner gleichnamigen Arbeit.')
Von Dr. H. v. Schaper, Oberlehrer an der Seefahrtschule in Bremen,
I. Erst gleichzeitig mit dem Erscheinen meiner Arbeit im Märzheft der
„Ann. d. Hydr. usw.« wurde mir bekannt, daß inzwischen A, Müller seine An-
sicht über die Hoffsche Theorie geändert hat.”’) In bezug auf sie besteht nun-
mehr zwischen A. Müller und mir volle Übereinstimmung, außer etwa in der
Frage, ob es zweckmäßig ist, bei Betrachtung der Gezeitenkräfte die Achsen-
drehung der Erde zunächst mit zu berücksichtigen.
II. Die Gleichung
VG
RR Rz
‚ (10) auf Seite 113
schließt die Aussage ein,. daß bei der wirklichen Bewerung der Erde um die
Sonne ihr Massenmittelpunkt E (hier zugleich geometrischer Mittelpunkt) sich
gerade so bewegt, als ob in ihm die Gesamtmasse der Erde konzentriert wäre.
Der Satz, von dem diese Aussage eine Anwendung bildet, ist nur an-
genähert richtig, und zwar nur unter der Voraussetzung, daß .die Dimensionen
der angezogenen Masse gegenüber ihrer Entfernung vom Anziehungszentrum klein
sind. Es kann zweifelhaft erscheinen, ob man sich mit dieser Annäherung in
der Gezeitentheorie. begnügen darf, in der doch die Dimensionen des angezogenen
Körpers im übrigen eine wesentliche Rolle spielen; eine nähere Untersuchung
dieser Frage würde jedoch dem elementaren Gebiete nicht mehr angehören, Alle
Zweifel fallen fort, wenn man Gleichung (10). unbenutzt läßt, so daß an Stelle
des Ausdrucks (12) S. 114 für die fluterzeugende Beschleunigung der folgende tritt
= G_M,
Ro!l RR
Gegenüber der Auffassung, zur Erklärung der Gezeitenkräfte sei die
Gravitation allein nicht hinreichend, werde ausdrücklich bemerkt, daß auch das
2
Glied A lediglich eine Gravitationswirkung darstellt.)
1) »Ann, d, Hydr. usw.« 1910, S. 110 bis 116.
%) Beiträge zur Geophysik«, X., S. 265 bis 267. Leipzig 1909.
3) Der hier in Frage kommende Satz lautet: Unter dem Einfluß äußerer Kräfte bewegt sich
der Massenmittelpunkt eines starren Körpers ebenso, als wenn in ihm die Gesamtmasse des Körpers
vereinigt wäre und sämtliche äußeren Kräfte angriffen, Vgl. z. B. W; Voigt, Kompendium
der theoretischen Physik. I., S. 38 und 102. Leipzig 1895.
Ann. d. Hydr., usw. 1910, Heft VI.