Lütgens, R.: Weitere Untersuchungen über die Verdunstung auf dem Meere, 271
Methode gemachten Messungen Parallelbeobachtungen für den nördlichsten Teil
des Atlantischen Ozeans vorliegen. Auch ist Dr. de Quervain gleichfalls zur
Ansicht gelangt, daß diese Methode der Verdunstungsbestimmung auf dem Meere
brauchbare Resultate liefert, während bisher überhaupt so gut wie nichts über
den Vorgang der Einverleibung des Wassers der Meere in den Kreislauf der
Atmosphäre mit Sicherheit bekannt war.
Einfluß des Neuen Wasserweges nach Rotterdam auf die Gezeitenlinie.
Unter Mitbenutzung holländischer Quellen.
Der durch die Regulierung der Neuen Maas und die Durchstechung der
5 km breiten Dünenkette beim Hoek van Holland in. einer Länge, von ungefähr
33 km hergestellte sogenannte »Neue Wasserweg nach Rotterdam« hat nunmehr
eine durchgehende Tiefe von ungefähr 8.0 m bei N-Wss. oder ungefähr 9.7 m bei
H-Wss., wogegen im Jahre 1879 kurze Zeit nach der Eröffnung für die Schiff-
fahrt nur 5m bei N-Wss. und 6.7 m bei H-Wss, zur Verfügung standen. Im
Laufe von 30 Jahren ist somit eine Vermehrung der Fahrtiefe von 3 m zu ver-
zeichnen, die Regulierungswerken und Baggerungen zuzuschreiben ist, und mit
Sicherheit die Schlußfolgerung zuläßt, daß durch geeignete Mittel die Fahrrinne
noch auf eine größere Tiefe gebracht werden kann, falls die Anforderungen der
großen Schiffahrt dazu Veranlassung geben sollten.
In den beigegebenen Figuren 1 und 2 sind die nach der folgenden Tabelle
ermittelten mittleren Gezeitenlinien der Jahre 1879 und 1909 für eine Anzahl
Punkte von den See-Enden der Dämme an der Mündung bis Vreeswyk hinauf
angegeben, die die Beschleunigung der Flutwelle und die Vermehrung der Flut-
größe nach dem 30 jährigen Zeitraum zeigen und somit ein übersichtliches Bild
von dem Einfluß der Regulierung auf die Gezeitenbewegung zur Anschauung
bringen. Es hat demnach die Beschleunigung der Flutwelle bis Rotterdam
ungefähr 40 Minuten, oberhalb Rotterdam hingegen ganz bedeutend zugenommen,
und zwar in dem Maße, daß zur Zeit die Flutwelle Schoonhoven (ungefähr 30 km
oberhalb Rotterdam) beinahe 1 Stunde früher und Vreeswyk (ungefähr 50 km
oberhalb Rotterdam) sogar beinahe 3 Stunden früher erreicht als vor 30 Jahren.
Mit dem früheren Eintritt der Flutwelle hat das Anwachsen der Flutgröße
gleichen Schritt gehalten, was neben der Vertiefung des unteren Teils des Wasser-
weges der Regulierung der Neuen Maas oberhalb Rotterdam und. des Lek zu-
geschrieben werden muß. Als weitere Folge dieser Regelung ist das Hinauf-
rücken der oberen Flutgrenze zu nennen, die im Jahre 1879 schon bei Vreeswyk
ihre Grenze hatte, dagegen im Jahre 1909 bis Culenborg (62 km oberhalb Rotter-
dam) vorgedrungen war, Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht der N-Wss.-
und H-Wss.-Höhen in Metern -+ Amsterdamer Pegel der Jahre 1879 und 1909:
Beobachtungspunkt
Hoek van Holland (See-Ende
des Norddammes) s .
Maassluis '.‘. . a
Vlaardingen . . . ..
Rotterdam. . . . - „0
Krimpen . + 0. 0.0 .
Schoonhoven .
Vreeswyk .
OCulenborez .
H-W.-Höhe | Nd-Wess.-Höhe
1879 | 1909 1879 | 1909
+ 0.82
+0,77
+0,74
+ 0.83
+0,92
+1,22
+2,29
413921
+0,87 - 0.91 0.86
4080 —0.67 0.64
1. 0.82 . 0,51 9,58
„0.89 0.44 058
0,98 „0.29 ‘8
:9 . 40.65 A417
„191 | 4224 | +1.70
41291 | +3.21 | 286 |
‚Abstand von Rotterdam
Unterhalb | Oberhalb
32 km
18 «
il «
10 km
30 «
50 «
79 &
4
Die lebhaftere Gezeitenbewegung in dem Neuen Wasserweg hat mit der
weiteren Regulierung oberhalb Rotterdam bewirkt, daß die in einer Tide durch-
strömende Wassermenge sich beim Hoek van Holland von 61340000 cbm im