Lütgens, R.: Weitere Untersuchungen über die Verdunstung auf dem Meere. 269
Aus der Tabelle folgt zunächst die Bestätigung der auf der Ausreise
gewonnenen Resultate durch die in allen wesentlichen Punkten vorhandene Über-
einstimmung. Auch die absoluten Zahlen decken sich fast. Zum Beispiel im Kap
Horngebiet 1.8 und 2.0 mm, im nördlichen Atlantischen Ozean jedesmal 5.5 mm.
Wo Abweichungen vorliegen, erklären sie sich zwanglos und sind in der Haupt-
sache vorausgesagt. Am wichtigsten ist die Verdunstung von 8.1 mm im Nord-
ost-Passat gegenüber 5.1 bei der Ausreise. Damals im Oktober 1908 waren
langwierige Passat-Störungen mit Mallungen und Windstille vorhanden und es war
in dem vorläufigen Bericht die Erwartung, daß weitere Untersuchungen eine
Korrektur auf mindestens 7 mm bringen würden, zum Ausdruck gebracht. 8mm
ist natürlich, da die Windstärke 7 häufig herrschte, ein Maximalwert, und das-
selbe gilt vom Südost-Passatgebiet. Überhaupt darf nicht übersehen werden,
daß wohl die ganzen Werte Extremwerte darstellen, da die Beobachtungen immer
unter günstigen Bedingungen zustande kamen, unter ungünstigen aber häufig
mißglückten. So erklärt sich auch der anormale Wert von 8.1 mm für 30 bis
40° südlicher Breite im Stillen Ozean, der sicher zu hoch ist. Bedauerlich ist
für die Beobachtungsreihe das Fehlen des äquatorialen Stillengürtels. Doch
haben die Versuche auf der Ausreise einwandfrei eine starke Abnahme der
Verdunstung im diesem Gebiete gegenüber der Passat-Region ergeben,
3. Die Beobachtungen Dr. de Quervains auf der Fahrt Grönland—Skagen,
Herr Dr. A. de Quervain-Zürich hat auf der Rückfahrt von seiner
Grönlandexpedition im August-September 1909 11 Tage Verdunstungsbeobach-
tungen vorgenommen, deren Auswertung mir übergeben wurde. Es wurde das
auch auf der Pangani benutzte, nur etwas verkürzte Verdunstungsgestell auf dem
„Hans Egede« ganz hinten aufgestellt und Glasschalen von der Form des Normal-
gefäßes, 2150 ccm bei 281.1 qem Verdunstungsoberfläche fassend, gebraucht. Ein
Regenmesser stand daneben. Die Füllung und Entleerung des Gefäßes erfolgte
um 8 Uhr früh, Wasserproben wurden in größeren Flaschen mit Patentverschluß
mitgenommen und später von mir titrimetrisch auf Salzgehalt untersucht, Wind-
stärke wurde mit Fueßschem Anemometer neben dem Gefäße gemessen, ist also
in Metern in der Sekunde und nicht in Beaufortskala. Für die Verdunstungs-
messungen hat diese Art der Bestimmung den Nachteil, daß man nur Momentan-
werte erhält, während die Schätzung mehr Durchschnittswerte ergibt. Aus-
führungen darüber und über Vergleiche zwischen Metergeschwindigkeit und
seemännischer Schätzung finden sich in dem vorläufigen Bericht.)
Die Beobachtungen Dr. de Quervains sind in der Tabelle 3 auf S, 270
vollständig wiedergegeben,
Am auffallendsten ist zunächst die negative Verdunstung, d. h. die Wasser-
zunahme von %.4 und 1.0 mm an den beiden ersten Tagen, und doch ist die
Erklärung für den ersten Tag einfach. Wenn, noch dazu bei 22 m Wind-
geschwindigkeit, 8 mm Regen fallen, so sind, wie bereits früher %) ausgeführt, Ver-
dunstungsmessungen unbrauchbar, da Wasser aus dem Gefäß spritzt, Am zweiten
Tage sind aber nur unbedeutende Regenmengen ‚gefallen, so daß diese Fehler-
quelle nicht vorhanden ist. Nun hat Ragona,%) der schon 1867 die Seewasser-
verdunstung auf dem Lande untersuchte, angegeben, daß in manchen Fällen
Seewasser sogar Feuchtigkeit aus der Luft zöge, aber Mazelle,*) der gleichfalls
auf dem Lande lange Zeit mit der Wildschen Wage arbeitete, hat keinen Fall
von Zunahme der Meerwassermenge bemerkt, vielleicht, wie Krümmel®) meint,
weil das Klima von Triest nicht feucht genug ist. Bei gesättigter Luft, also bei
Nebel, ist die Möglichkeit nicht zu bestreiten, wenngleich der Fall auf der Pan-
gani nicht eintrat. Leider fehlen von dem in Betracht kommenden Tage Ablesungen
des feuchten Thermometers, doch ist die Bewölkung nur gering und Nebel nicht
‘ »Aunn. d. Hydr. usw.«, 8. 148 u. 152,
a. a. O. 8. 147,
Ref, Hann, Ztschr. Oester. Ges, f. Met. 1868.
Sitzber. Kais. A. d. Wissensch. Wien 1878, Bd. 107.
Handb. d. Oceanoer, I, 2. Aufl, S. 245.
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