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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Lütgens, R.: Weitere Untersuchungen über die Verdunstung auf dem Meere. 967 
Weitere Untersuchungen über die Verdunstung auf dem Meere. 
Von Dr. Rudolf Lütgens- Hamburg. 
In dieser Zeitschrift war früher!) Mitteilung über Verdunstungsunter- 
suchungen auf einer Segelschiffreise von Hamburg nach Valparaiso gemacht 
worden. Diese Arbeiten sind inzwischen teils fortgesetzt, teils von anderer Seite 
in demselben Sinne in Angriff genommen worden, und es soll deshalb gleichfalls 
darüber vorläufig berichtet werden, . 
1. Die Messung der Verdunstung auf Dampfern. 
Während die Messung der Verdunstung auf einem Segelschiff wohl viele 
Fehlerquellen, die in der Art des Vorganges selbst liegen, eröffnet, aber doch 
technisch leicht durchführbar ist, gilt es bei Beobachtungen auf einem Dampfer 
äußere Widerstände zu überwinden. Die Untersuchung geschah — wie in dem 
vorläufigen Bericht eingehend dargelegt ist — durch chemische Bestimmung der 
Konzentrationszunahme . des in einem Glasgefäße der Verdunstung ausgesetzten 
Seewassers, und zwar hing das Gefäß in einem besonderen Gestell auf dem 
Achterdeck.?) Es wurde versucht, dieses Verfahren ähnlich auf der Fahrt mit 
dem Postdampfer Rhakotis zwischen den Salpeterhäfen und Valparaiso durch- 
zuführen. Da die Aufstellung eines Gestelles nicht angängig war, wurde das 
Gefäß — eine flache Schale von 298.8 gem Oberfläche, die mit 1000 ccm Wasser 
gefüllt wurde — an einem von der Reeling abstehenden Eisenarm in einem 
Stropp auf der Kommandobrücke aufgehängt. Dieser Ort kam allein in Betracht, 
da auf dem Achterdeck die störenden Schraubenbewegungen noch stärker waren, 
und auch hier ein Gestell aus Platzmangel nicht aufgestellt werden konnte. 
Trotzdem geriet das. Wasser in der Schale durch die Vibrationen des Schiffs- 
rumpfes, welche die starken Maschinen des noch dazu leicht beladenen Doppel- 
schraubendampfers hervorriefen, in Schwingungen, Dasselbe trat auch, wenn 
auch nicht so stark, durch die an den Ladewinden verursachten Erschütterungen 
ein, und ebenso störte das häufige Ankerauf- und -niedergehen in den Häfen 
bei der Fahrt in küstennahen Gebieten. Da so eine ständige Benutzung der sonst 
trocken bleibenden Wandpartien des Gefäßes herbeigeführt wurde, stellt die Ver- 
dunstung nicht die der freien Oberfläche allein vor. Die Zahlen — 5 mm tägliche 
Verdunstung war der Mittelwert — sind zu groß. Als dann ferner auf der Fahrt von 
Antofagasta nach Valparaiso sich Wind, und zwar nur der normale Passat von Stärke 4 
bis 5 Beaufortskala einstellte und das Schiff etwas zu stampfen anfing, verstärkte 
sich die Wellenbewegung des Wassers im Gefäß und es wurden die Wellenkämme 
in der Mitte vom Wind ergriffen und hinausgespritzt, so daß die Untersuchungen 
überhaupt unmöglich waren. Noch schlimmer waren die Erfahrungen auf der 
Fahrt Santos—Lissabon mit dem Postdampfer Rio Negro. Das Schiff mußte fast 
ständig gegen steifen Passat bis Stärke 7 gegenan arbeiten und schlug häufig 
mit der Schraube aus dem Wasser, so daß es in allen Teilen heftig erschüttert 
wurde. Deshalb schlugen alle Versuche, die auch. nur mit Aufhängungsarten 
wie auf der Rhakotis gemacht werden konnten, fehl. Ein einziger Wert — 5 mm 
— wurde einwandfrei auf etwa 4° Süd 33° West erhalten. Wenn es Dr. de Quer- 
vain, wie weiter unten gezeigt wird, gelungen ist, auf einem Dampfer von Grön- 
land nach Skagen Beobachtungen auszuführen, so dürfte es dadurch ermöglicht 
sein, daß das Schiff nur eine schwache Maschine hatte, daß Wind und Seegang 
meist achterlich waren und vor allem, daß nicht federnde Aufhängung im Stropp 
am Wagearm, sondern Benutzung des Gestells angängig war. An und für sich 
haben die Versuche nur das negative Ergebnis gezeitigt, daß Verdunstungsunter- 
suchungen höchstens auf Frachtdampfern, auf denen feste Aufstellung möglich 
ist, mit Erfolg unternommen werden dürfen. Die beste Art der Beobachtung 
ist aber sicher die auf einem Segelschiff. 
4) Vorläufiger Bericht über eine ozeanographische Forschungsreise. »Ann. d. Hydr. usw.« 
1909, S. 145£f. 
3) Siehe vorläuf. Ber., Fie. 2.
	        
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