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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1910. 
Nachdem die Ankündigungszeichen (kn d, mg?) vom Funkentelegraphen- 
personal aufgenommen sind, erfolgt die Beobachtung der Zeitsignale entweder 
mit Hilfe des Schreibempfängerapparates, wobei das Klopfen des Ankers, der den 
Schreibhebel betätigt, als Signal benutzt wird, oder mit dem Telephonhörer, den 
der Beobachter ans Ohr nimmt. Die letztere Art der Beobachtung ist vorzuziehen, 
weil die Norddeicher Signale infolge ihres schnarrenden Tones dabei leichter von 
atmosphärischen Störungen zu unterscheiden sind, die bei Schreibempfang (d. h. 
der Beobachtung nach dem Klopfen des Ankers) nur an der Nichtinnehaltung 
des Sekundentaktes erkannt werden können. 
Während die Sekundenzahlen der gehörten Signale dem obigen Schema 
entsprechend mitgezählt werden, wird der Blick auf den Sekundenzeiger der 
Beobachtungsuhr gerichtet. 
Durch die taktmäßige Wiederholung der Signale ist es dann leicht festzu- 
stellen, mit welchen Sekundenangaben der Beobachtungsuhr die vollen Zehner- 
sekunden der Norddeicher Signale — das sind die letzten Signalzeichen jeder 
Gruppe — und schließlich das Signal 12% 0min (%% m, Gr. Zt. zusammenfällt, Das 
Ergebnis bei dem letzten Signal wird unter Hinzufügung der Stunde und Minute 
der Zeitangabe der Beobachtungsuhr niedergeschrieben. Die Differenz gegen 
12h Omin (5% jst der Stand der Beobachtungsuhr. 
Aus der oben angegebenen Reihenfolge der einzelnen Gruppen der Zeit- 
signale kann festgestellt werden, ob alle Gruppen gehört worden sind, ebenso ist 
das Hören des Schlußzeichens ein Beweis dafür, daß das letzte Zeitsignal, das 
12% m. Gr. Zt. bezeichnet, richtig wahrgenommen ist. Wenn die ersten Zeichen 
oder Gruppen ausgeblieben oder durch atmosphärische Störungen unkenntlich 
gemacht worden sind, dann gewährt die gruppenweise Anordnung mit ver- 
schiedenen Pausen die Möglichkeit, auch nachträglich noch die richtige Sekunden- 
zählung der wahrgenommenen Signale aufzunehinen. Ebenso geben die früheren 
Gruppen bei einiger Aufmerksamkeit immer noch die Möglichkeit eines Zeit- 
vergleichs, wenn das letzte Signal (12% Qmin (sek) ausbleiben oder verdeckt 
werden sollte. 
Die Signale werden automatisch von einer in Norddeich aufgestellten Gebe- 
vorrichtung, die von dem Kaiserlichen Observatorium in Wilhelmshaven reguliert 
wird, ausgelöst, so daß auf eine zuverlässige Zeitübermittlung gerechnet werden 
kann. Sollten jedoch in Ausnahmefällen Unregelmäßigkeiten oder Verzögerungen 
bei Abgabe der Signale von den Beamten der Station Norddeich bemerkt werden, 
so werden sogleich nach Beendigung der Zeitsignale die Worte »Zeitsignal ungültig « 
nachtelegraphiert. Es empfiehlt sich daher, nach Schluß der Signale noch einige 
Sekunden mit dem Hörer am Ohr oder am Schreibempfängerapparat zu warten. 
Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, die Aufnahme der Signale durch den 
Telephonhörer am Chronometerspind selbst vorzunehmen. Das hat den Vorteil, 
daß der Stand des zur Navigation benutzten Chronometers direkt, ohne Vermittlung 
der Beobachtungsuhr bestimmt werden kann, Das Verfahren wird dadurch ver- 
einfacht und eine Möglichkeit zu Irrtümern ausgeschaltet, außerdem wird die 
Beobachtungsuhr weniger der Gefahr einer Magnetisierung ausgesetzt. Zur Er- 
reichung dieses Zwecks ist eine Telephonleitung von dem Funkentelegraphenraum 
zu dem beim Chronometerspind befindlichen Hörer zu legen, die nach Empfang 
der Abstimmungssignale vom Funkentelegraphenpersonal auf den Emppfänger- 
apparat geschaltet wird, 
Die Zeitsignale sind zwei Wochen lang probeweise von den Schiffen der 
Kaiserlichen Marine regelmäßig beobachtet worden und haben sich dabei als zweck- 
mäßig und leicht zu beobachten erwiesen,
	        
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