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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910.
Was die Wetterlage im einzelnen betrifft, so lag am 1. die westdeutsche
Küste im Bereiche eines Tiefdruckausläufers, der bis zur mittleren Ostseeküste
Trübung und leichte Niederschläge hervorrief, Am 2. drang ein Hochdruck-
gebiet von der Biskaya-See nach dem Kontinent vor und trat mit einem über
Westrußland gelegenen Hochdruckgebiet in Verbindung. Es blieb bis zum 6.
über Zentraleuropa liegen, so daß bis zu diesem Tage auch an der deutschen
Küste bei Winden meist östlicher Herkunft ruhiges, trockenes, sonnenschein-
reiches und tags warmes Wetter herrschte.
. Am 7. trat eine langsam in west—östlicher Richtung fortschreitende
Änderung dieses Frühjahrswetters ein, indem eine Depression vom Ozean ost-
wärts wanderte und das Hochdruckgebiet allmählich nach dem Innern Rußlands
zurückdrängte. So blieb das Wetter im östlichen Teil der Ostseeküste trocken
und sonnig bis zum 11., wogegen im Westen teilweise ziemlich ergiebige Nieder-
schläge fielen und mehrfach Nebel auftrat. Für die Ostseeküste war der 11. der
wärmste Tag des ganzen Monats.
Am 12. und 13. stand die deutsche Küste ganz unter dem Einfluß eines
Tiefdruckgebiets, so daß an diesen Tagen verbreitete Niederschläge fielen. Hierbei
traten im äußersten Osten stellenweise Gewittererscheinungen auf,
Nach dem Abzuge der Depression trat am 14. und 15, wieder trockenes
und namentlich am 15. auch heiteres Wetter ein, da sich über dem Kontinent
wieder hoher Luftdruck einstellte.
In der Nacht zum 16. breitete sich eine im Norden gelegene neue De-
pression weiter südwärts aus, so daß das kontinentale Hochdruckgebiet zurück-
wich, bei Drehung der Winde nach West Trübung und im Westen bis zur mittleren
Ostseeküste Niederschläge eintraten. Am folgenden Tage erschien bei dem Zuge
der Depression nach Ost ein Ausläufer über der Nordsee, der bei seinem Vor-
übergang an der ganzen deutschen Küste regnerische und stürmische Witterung
hervorrief. Dieses unruhige Wetter blieb auch am 18. noch teilweise, namentlich
aber im äußersten Osten bestehen. Ein neues Teilminimum drang an diesem
Tage von der südlichen Nordsee ostwärts über Holland südlich der deutschen
Küste bis zum 19. nach Westrußland vor; es hatte jedoch nur am 18., und zwar
nur an der Nordseeküste, Niederschläge im Gefolge. Die Temperaturen waren
in dieser Zeit im Westen nahezu normal, lagen jedoch im Osten über der Normalen,
Vom 19. ab trat das deutsche Küstengebiet unter den Einfluß eines Hoch-
druckgebiets, das sich zunächst bis Westeuropa ausbreitete und dessen Kern
vom 24. ab bis Ende des Monats nach Mitteleuropa vordrang. Zeitweise wurde
das ruhige und sonnenscheinreiche Wetter unterbrochen durch vorüberziehende
Ausläufer von Depressionen, die im hohen Nordosten auftraten; sie brachten
vorübergehend lebhaftere Luftbewegung und leichte Niederschläge von kürzerer
Dauer, besonders im Osten. Verbreitete Niederschläge stellten sich am 28, bis
30. ein, als sich die Depression von Innerrußland südwärts ausbreitete. Sie rief
in Wechselwirkung mit dem Hochdruckgebiet über Skandinavien am 30, vielfach
steife bis stürmische Nordostwinde an der Ostseeküste hervor.
Druck und Verlag von E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
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