Kleinere Mitteilungen.
953
Die in der Einleitung geäußerte Annahme des Verfassers, daß das zeich-
nerische Verfahren ein besonderes Instrument an Bord unnötig mache, veranlaßt
mich zu folgenden Bemerkungen:
1. Die unter 1—86 aufgeführten Aufgaben werden, soweit sie. in das Gebiet
der praktischen Navigation fallen, wohl stets zeichnerisch in der Seekarte aus-
geführt. Die Peilscheibe wird hierzu kaum jemand heranziehen, ;
2, Beim theoretischen Durcharbeiten taktischer Aufgaben, wie sie die Studie
unter II, 1—7 anführt, ist ebenfalls die Zeichnung auf dem Papier die gegebene,
3. Die Aufgaben II, 8—9, könnte man als strategische bezeichnen. Sie
werden immer durch Konstruktion gelöst, wenn man nicht die Berechnung vorzieht,
4, Vorbedingung für die Ausführbarkeit solcher Aufgaben durch Zeichnung
ist ein geeigneter Platz und die Muße, eine immerhin mehrere Minuten erfordernde
Arbeit zu Ende zu führen. Hier liegt also die Grenze für die Möglichkeit der
zeichnerischen Methode.
5. Dem Seeoffizier auf der Brücke stehen diese Vorbedingungen nicht zur
Verfügung. Er muß bei jedem Wetter, bei jeder Beleuchtung, und ohne den
Kommandostand zu verlassen, imstande sein, Passierabstandsbestimmungen vor-
zunehmen und einfachere taktische Aufgaben beim Evolutionieren und Fahren
von Gefechtsbildern zu lösen, zu deren exakter Ausführung den meisten Offizieren
außer dem Kompaß noch ein Hilfsmittel zur Verfügung stehen muß. Nur-wenige
vermögen durch angeborenes oder anerzogenes Augenmaß sich von einem solchen
Hilfsmittel freizumachen.
6. Eine Konstruktion von derartigen Aufgaben auf dem Papier durch
Zeichnung verbietet sich für den Offizier auf der Brücke von selbst, denn ohne
die Übersicht über Schiff, Vorder- oder Nebenmann zu verlieren, muß er die
Lösung der angedeuteten Aufgaben in wenigen Sekunden vor Augen haben.
7. Dieser Forderung wird die Peilscheibe gerecht. Sie wird daher an Bord
ein unentbehrliches Hilfsmittel bleiben, trotz aller in der Marine geförderten
Bestrebungen und überall freudig begrüßten Versuche, den Arbeitsapparat so
einfach: wie möglich zu gestalten. Kapitänleutnant Werth.
4, Apparat zur graphischen Darstellung der Standlinien.. Einer Idee
des Herrn Oberhafenmeisters Zemlin in Hamburg folgte ich, als ich meinen
Apparat herstellte. Ich erfülle damit also nur eine Dankespflicht, wenn ich von
vornherein betone, daß mir von ihm die Anregung dazu wurde,
Die Konstruktion der Standlinien (Höhenproblem) ist ebenso, wie die
Rechnung, ‚eine Umständliche, so daß es eine Zeitersparnis bedeutet, wenn man
nach Berechnung der Höhenunterschiede Breite und Länge sofort nach einigen
leichten Handgriffen abzulesen imstande ist.
Das Aussehen des Apparates ist folgendes:
Eine quadratische Papptafel von 30 cm Seitenlänge mit weißem Papier
bezogen trägt auf ihrer Oberseite einen Kreis, dessen Zentrum mit dem Mittel-
punkt des Quadrates zusammenfällt. Radius 14 cm. Der Kreis wird in 360° zu
je 90°. eingeteilt. Die 4 Radien 0°—90°—0°—90° werden ausgezogen. Auf ihnen
wird in Abständen von je 1 cm eine Strecke eingeteilt, die bis nahe an den Rand
der Papptafel geht. Errichtet man nun in den Teilpunkten Senkrechte, so ent-
steht ein Gradnetz, dessen einzelne Breitenunterschiede und Abweichungen je 1 cm
betragen. Setzen wir für 1 cm 1 Sm.
Im Zentrum des Kreises ist eine Pinne und um diese sind zwei Messing-
zeiger drehbar. Diese Zeiger, die 15 cm lang sind, haben eine Einteilung von
je 1cm Abstand, und zwar vom Zentrum des Kreises anfangend. Auf den
Zeigern sind Schieber angebracht und durch diese je ein kleines Lineal von
Messing, welches auch verschiebbar ist, geschoben, so daß die Lineale in der
Richtung der Zeiger, wie in der Richtung senkrecht zum Zeiger verschoben
werden können. Die Schiebevorrichtung muß aber so eingerichtet sein, daß
Lineal und dazu gehöriger Zeiger immer senkrecht zueinander stehen. Selbst-
verständlich müssen die Zeiger überall gleiche Breite aufweisen, dasselbe gilt
von den Linealen. Zum leichteren Handhaben ‚des Apparates werden die vier