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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Kleinere Mitteilungen. 
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Die in der Einleitung geäußerte Annahme des Verfassers, daß das zeich- 
nerische Verfahren ein besonderes Instrument an Bord unnötig mache, veranlaßt 
mich zu folgenden Bemerkungen: 
1. Die unter 1—86 aufgeführten Aufgaben werden, soweit sie. in das Gebiet 
der praktischen Navigation fallen, wohl stets zeichnerisch in der Seekarte aus- 
geführt. Die Peilscheibe wird hierzu kaum jemand heranziehen, ; 
2, Beim theoretischen Durcharbeiten taktischer Aufgaben, wie sie die Studie 
unter II, 1—7 anführt, ist ebenfalls die Zeichnung auf dem Papier die gegebene, 
3. Die Aufgaben II, 8—9, könnte man als strategische bezeichnen. Sie 
werden immer durch Konstruktion gelöst, wenn man nicht die Berechnung vorzieht, 
4, Vorbedingung für die Ausführbarkeit solcher Aufgaben durch Zeichnung 
ist ein geeigneter Platz und die Muße, eine immerhin mehrere Minuten erfordernde 
Arbeit zu Ende zu führen. Hier liegt also die Grenze für die Möglichkeit der 
zeichnerischen Methode. 
5. Dem Seeoffizier auf der Brücke stehen diese Vorbedingungen nicht zur 
Verfügung. Er muß bei jedem Wetter, bei jeder Beleuchtung, und ohne den 
Kommandostand zu verlassen, imstande sein, Passierabstandsbestimmungen vor- 
zunehmen und einfachere taktische Aufgaben beim Evolutionieren und Fahren 
von Gefechtsbildern zu lösen, zu deren exakter Ausführung den meisten Offizieren 
außer dem Kompaß noch ein Hilfsmittel zur Verfügung stehen muß. Nur-wenige 
vermögen durch angeborenes oder anerzogenes Augenmaß sich von einem solchen 
Hilfsmittel freizumachen. 
6. Eine Konstruktion von derartigen Aufgaben auf dem Papier durch 
Zeichnung verbietet sich für den Offizier auf der Brücke von selbst, denn ohne 
die Übersicht über Schiff, Vorder- oder Nebenmann zu verlieren, muß er die 
Lösung der angedeuteten Aufgaben in wenigen Sekunden vor Augen haben. 
7. Dieser Forderung wird die Peilscheibe gerecht. Sie wird daher an Bord 
ein unentbehrliches Hilfsmittel bleiben, trotz aller in der Marine geförderten 
Bestrebungen und überall freudig begrüßten Versuche, den Arbeitsapparat so 
einfach: wie möglich zu gestalten. Kapitänleutnant Werth. 
4, Apparat zur graphischen Darstellung der Standlinien.. Einer Idee 
des Herrn Oberhafenmeisters Zemlin in Hamburg folgte ich, als ich meinen 
Apparat herstellte. Ich erfülle damit also nur eine Dankespflicht, wenn ich von 
vornherein betone, daß mir von ihm die Anregung dazu wurde, 
Die Konstruktion der Standlinien (Höhenproblem) ist ebenso, wie die 
Rechnung, ‚eine Umständliche, so daß es eine Zeitersparnis bedeutet, wenn man 
nach Berechnung der Höhenunterschiede Breite und Länge sofort nach einigen 
leichten Handgriffen abzulesen imstande ist. 
Das Aussehen des Apparates ist folgendes: 
Eine quadratische Papptafel von 30 cm Seitenlänge mit weißem Papier 
bezogen trägt auf ihrer Oberseite einen Kreis, dessen Zentrum mit dem Mittel- 
punkt des Quadrates zusammenfällt. Radius 14 cm. Der Kreis wird in 360° zu 
je 90°. eingeteilt. Die 4 Radien 0°—90°—0°—90° werden ausgezogen. Auf ihnen 
wird in Abständen von je 1 cm eine Strecke eingeteilt, die bis nahe an den Rand 
der Papptafel geht. Errichtet man nun in den Teilpunkten Senkrechte, so ent- 
steht ein Gradnetz, dessen einzelne Breitenunterschiede und Abweichungen je 1 cm 
betragen. Setzen wir für 1 cm 1 Sm. 
Im Zentrum des Kreises ist eine Pinne und um diese sind zwei Messing- 
zeiger drehbar. Diese Zeiger, die 15 cm lang sind, haben eine Einteilung von 
je 1cm Abstand, und zwar vom Zentrum des Kreises anfangend. Auf den 
Zeigern sind Schieber angebracht und durch diese je ein kleines Lineal von 
Messing, welches auch verschiebbar ist, geschoben, so daß die Lineale in der 
Richtung der Zeiger, wie in der Richtung senkrecht zum Zeiger verschoben 
werden können. Die Schiebevorrichtung muß aber so eingerichtet sein, daß 
Lineal und dazu gehöriger Zeiger immer senkrecht zueinander stehen. Selbst- 
verständlich müssen die Zeiger überall gleiche Breite aufweisen, dasselbe gilt 
von den Linealen. Zum leichteren Handhaben ‚des Apparates werden die vier
	        
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