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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

252 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910. 
Buchten liegen, die meist erst im Juli eisfrei wurden, An der Nordküste lag 
das Eis den ganzen Sommer dicht gepackt und entfernte sich erst im August 
von der Küste. Die letzte Umschiffung von Spitzbergen hat im Jahre 1908 statt- 
gefunden, so daß seit 11 Jahren die Inselgruppe nicht mehr umfahren worden ist. 
Ostgrönland. Günstige Verhältnisse. Während des Winters 1908/09 war 
das Meer um Jan Mayen völlig eisfrei. Die Eisgrenze lag im allgemeinen westlicher 
wie in normalen Jahren; mehreren Schiffen, unter anderen auch der »Belgica«, 
gelang es, die ostgrönländische Küste in ziemlich hoher Breite zu erreichen. Bei 
Angmagsalik verschwand das Winter-Eis einen Monat früher wie gewöhnlich; 
die Station wurde Ende Juli durch die »Alabama« und im September durch den 
Dampfer der Grönländischen Handelsgesellschaft besucht; August und September 
war die Küste hier eisfrei. 
Island. Bis auf die Monate Juni und Juli, in denen Treibeis nahe bei Kap 
Nord und bei Bispen gesichtet wurde, waren die Küsten Islands während des 
Berichtsjahres völlig eisfrei, 
Südwest-Grönland, Davis-Straße und Baffin-Bai. Günstige Verhältnisse, 
Namentlich an der Südwestküste Grönlands, wo das Packeis am 10. Februar Kap 
Farewell passierte und im April-Mai Godthaab erreichte; im Juni war an der 
Südwestküste nur noch wenig Eis vorhanden und von Ende Juli ab war hier die 
See eisfrei, während häufig in andern Jahren gerade im Juli die Eisbehinderung 
groß ist. Auch im Norden brach das Winter-Eis früh auf, so z. B. in Upernivik 
am 15. April, so daß hier die Küste 6 Wochen früher eisfrei wurde wie im vorigen 
Jahr. In der zweiten Hälfte des Juli ging die »Roosevelt« mit Peary durch 
den Robeson- und Kennedy-Kanal, im August gelang es ferner Kapitän Bernier 
durch den Lancaster-Sund bis nach Banks-Land zu kommen, so daß im ganzen 
nordamerikanischen Archipel günstige Verhältnisse geherrscht haben müssen. 
Nordatlantischer Ozean. Auf der Amerika-Route und bei Neu-Fundland 
wurde sehr viel Eis getroffen, sowohl Feld- wie Berg-Eis. Die Verhältnisse ge- 
stalteten sich hier von März bis Juli ungünstiger wie seit vielen Jahren, und noch 
im August war die Schiffahrt bei Kap Race sehr behindert. Das südlichste Eis 
wurde am 6. April in 35° 34’ N-Br., 31° 47' W-Lg. getroffen; im Juni wurden 
zwischen Kap Race und St. John 300 Eisberge gezählt und im August waren in 
der Belle-isle-Straße und an der Labrador-Küste noch große Eismengen. 
In der Hudson-Straße bereitete das dichtgepackte Eis den Dampfern im Juli 
noch viele Schwierigkeiten. 
Bering- und Beaufort-See. Im allgemeinen günstige Verhältnisse, Nome 
am Norton-Sund wurde schon am 13. Juni erreicht, früher wie in anderen Jahren, 
auch passierten einige Walfänger Anfang Juni nordwärts die Bering-Straße. In 
der Beaufort-See war im August-September viel eisfreies Wasser längs der Küste. 
Zusammenfassung. Das Jahr 1909 weist vorwiegend günstige Eisverhältnisse 
auf. Nur in der Barents-See und bei Spitzbergen war mehr Eis vorhanden wie 
in normalen Jahren, außerdem ist besonders hervorzuheben der starke Andrang 
und das lange Verweilen der Eismassen bei Neu-Fundland und an der Labrador- 
Küste; in diesem Gebiet muß das Jahr als ein sehr eisreiches bezeichnet werden, 
Die Prognose des Dänischen Meteorologischen Instituts, die für 1909 dahin 
lautete, daß in der Davis-Straße und bei Südwest-Grönland günstige Verhältnisse 
zu erwarten seien, und daß nichts auf außergewöhnlichen Andrang von Eis in 
den anderen Gebieten hindeute, ist also bis auf den Eisandrang auf der Amerika- 
Route eingetroffen. Auf Grund der Lage des Eises im Herbst 1909 lautet die 
Prognose für 1910, daß an der Südost- und Südwestküste Grönlands günstige 
Verhältnisse vorherrschend sein werden, W. Brennecke. 
3. Bemerkung zu der Abhandlung: Lösung von nautischen und taktischen 
Aufgaben durch Zeichnung. Die in den »Annalen der Hydrographie und Maritimen 
Meteorologie« XXXVIIL Jahrgang 1910, Heft 2 enthaltene Studie: »Lösung von 
nautischen und taktischen Aufgaben durch Zeichnung« gibt eine dem Navigateur 
und Seeoffizier willkommene und nützliche Zusammenstellung solcher nautischen 
und taktischen Aufgaben, die durch Zeichnung zu lösen sind.
	        
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