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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Georgetown (Insel Grand Cayman). 
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Allgemeines. Nordwestlich von Jamaica, zwischen 19° 15’ und 19° 46'N-Br. 
und 79° 44’ und 81° 26’ W-Lg., liegen auf der Route der Schiffe, die von dieser 
Insel nach Kap San Antonio an der Südwestecke von Cuba. hinüberstehen, die 
Inseln Grand Cayman, Little Cayman und Cayman Brac. Grand Cayman 
ist die westlichste und zugleich größte der Inseln. Diese in 0O—W- Richtung 
beinahe 20 Sm lange, an dem Ostende 3%3/, Sm, an dem Westende 8 Sm breite 
Insel ist fast überall dicht bewaldet, niedrig und unregelmäßig geformt und aus 
etwa 4.6 m Augeshöhe nur ungefähr auf 12 Sm Entfernung zu sehen. Ihr süd- 
östliches Ende wird durch einen runden, steilen und breiten Küstenabhang ge- 
bildet, auf dem Bäume stehen, die bis zu etwa 15 m Höhe über dem Meere 
emporragen. Das südwestliche Ende ist niedrig und sandig. 21/, Kblg südlich 
von ihm ragt Sand Key 0.6 bis 0.9 m hoch aus dem Wasser; ein Riff, auf 
dessen größeren Hälfte es gewöhnlich brandet, erstreckt sich von ihm aus un- 
gefähr !/„ Sm weit nach See. Das Nordwestende der Insel ähnelt dem Südost- 
ende, während das Nordostende etwas niedriger ist. Die ganze Insel mit Aus- 
nahme ihrer Westseite wird von einem steil unter Wasser abfallenden Riffe be- 
säumt, das sich von der Küste !/, bis 1 Sm weit erstreckt und an dem Ostende 
der Insel auf 1 Sm Entfernung eine massive Schranke bildet, auf der die See 
immer heftig brandet. An der Südseite der Insel hat das Riff verschiedene 
kleine Öffnungen, durch die die kleinen einheimischen Küstenfahrzeuge einlaufen 
und innerhalb des Riffes Schutz suchen können. An der Nordseite der Insel 
führt in der Nähe von ihrem Nordwestende eine größere Durchfahrt nach dem 
ausgedehnten, aber flachen North-Sund, 
Die wichtigsten Städte und Dörfer von Grand Cayman sind Georgetown, 
Bodden Town, West Bay und Prospeect, die alle an der Seeküste liegen. Die 
Bevölkerung, Nachkommen von in den Jahren 1734 bis 1741 eingewanderten 
Personen, wurde im Jahre 1908 auf etwa 5000 Köpfe geschätzt; sie besteht meist 
aus Weißen und Farbigen von schlankem Körperbau und gesunder Gesichtsfarbe, 
Landmarken. Die nördlich von Georgetown gelegene Low-Huk ist ein 
sandiger Landvorsprung von nicht besonders auffälliger Erscheinung; in ihrer 
Nähe stehen an der Küste zwei Häuser... Der in der Karte bei Georgetown ein- 
gezeichnete auffällige Baumwollbaum steht an der linken Seite eines weißen 
Hauses mit rotem Dache; der Flaggenmast, auf dem das Leuchtfeuer gezeigt 
wird, dicht an der rechten Seite des Postamtes. Dieses ist ein zweistöckiges 
weißgemaltes Haus mit schwarzem Dach und das südöstlichere der beiden auf- 
fälligen Gebäude, Bei Nacht bilden die Leuchtfeuer von Georgetown und Gun 
Bluff gute Landmarken, Letzteres soll jedoch nach Mitteilung eines britischen 
Schiffsführers in verschiedenen Peilungen nicht sichtbar sein, Von Osten her 
ansteuernd bekam man das Feuer auf 15 Sm Abstand in Sicht. Auf 6 Sm Ab- 
stand, in der Peilung rw. 225° (mw. SW1/,S) verschwand es, wurde in der Peilung 
rw. 213° (mw. SSW5/,W) wieder sichtbar und verschwand wieder in der Peilung 
rw. 194° (mw. SzW) auf 61/, Sm Abstand. 
An- und Einsteuerung. Beim Umfahren des Südwestendes von Grand 
Cayman ist namentlich nachts große Vorsicht geboten, da das Lot nicht recht- 
zeitig vor dem davorliegenden Riffe warnt; auch findet man tiefes Wasser bis 
dicht zu der 4.6 m unter Wasser liegenden Hastings-Klippe. Man halte deshalb 
von der Südwest-Huk wenigstens 1 Sm Abstand und laufe nicht eher näher an 
die Küste heran, als bis die Huk östlich von Nord peilt. Beim Ansteuern des 
Ankerplatzes vor Georgetown ist zu berücksichtigen, daß auch hier die Wasser- 
tiefen nicht allmählich abnehmen, sondern tiefes Wasser bis zu etwa 2 Kblg 
Abstand von der Küste ist, wo die Tiefe dann sehr schnell abnimmt. Segelschiffe 
sollten deshalb mit kleinen Segeln einlaufen. 
Auslaufen. Wenn Segelschiffe den Ankerplatz mit dem gewöhnlich 
herrschenden Passatwind verlassen wollen, so ‘tun sie gut, den Anker erst ganz 
aufzuhieven, ehe sie Segel setzen, um ein Treiben zu verhindern, ehe der Anker 
aus dem Grunde ist. Der Ankergrund ist nämlich nicht gut haltend, und es 
kann leicht vorkommen, wenn der Anker mitgeschleift wird, daß er hinter einer 
Klippe hakt, bricht und verloren geht. 
Ann. d. Hydr. usw... 1910, Heft V.
	        
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