248 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910,
Schiffe liegen an ihrem Ladeplatz, wenn sie an den Festmachetonnen vertäut
sind oder wenn sie in deren Nähe vor Anker liegen. Schiffe kommen nach der
Reihe, wie sie einlaufen, an die Tonnen zum Laden, wenn in der Chartepartie
es nicht anders abgemacht ist.
Hafenunkosten. Für die Übernahme und Stauung der Ladung bezahlte
Kapt. F. Meyer 0.35 $ per Tonne; außerdem 20 c per Stunde an die Leute, die
an den Winden arbeiten. Für die Ladung die nach der Ansteuerungstonne
hinausgebracht wurde, mußte für jede Tonne 0.50 ®$ Schlepplohn bezahlt werden.
Der Ort Port Inglis zählt etwa 150 Einwohner, die fast alle von der Port
Inglis Terminal Co. angestellt sind. Er liegt auf einer Insel, die von den Aus-
läufern des Withlacoochee-Flusses gebildet wird. Die Häuser sind des sumpfigen
Bodens halber auf etwa 1.5 m hohen aus Mauersteinen hergestellten Säulen auf-
gebaut. Ein kleines Hotel, das fast der ganzen weißen Bevölkerung der Insel
als Wohnung dient, ist vorhanden. Man kann in demselben zu mäßigem Preise
Wohnung und Verpflegung erhalten,
Eine Bahnstation befindet sich 7 Sm flußaufwärts. Teiephonverbindung
besteht mit der Stadt Dunnellon, die etwa 13 Sm landeinwärts liegt. Auf dem
Flusse verkehren mehrere Gasolinboote,
Schiffsausrüstung. Bunkerkohlen sind in geringen Mengen zu haben,
Sie werden aus Leichtern an Deck geworfen; das Trimmen muß man selbst be-
sorgen, Der Preis betrug im Jahre 1908 während der Anwesenheit des Dampfers
»Calabria« 8 $ per Tonne. Kapt. F. Meyer schreibt darüber: »Wir nahmen in
Port Inglis 75 t Kohlen. Dieselben waren aber so schlecht, daß geradezu davor
zu warnen ist. Der Dampfdruck konnte auf unserer Reise nach Norfolk zeit-
weise trotz aller Anstrengungen nicht auf 7 Atmosphären gebracht werden, und
wir konnten die Kohlen nur dadurch, daß wir sie mit unseren in Vera Cruz
eingenommenen Kohlen mischten, zum Brennen bringen. Sollte ein Schiff ge-
zwungen sein, in Port Inglis Kohlen zu nehmen, so muß es sich reichlich damit
versehen, um nicht in ernste Verlegenheit zu geraten. Wenn die »Calabria« mit
25 t Restbestand in Norfolk angekommen ist, so ist dies nur dem sehr günstigen
Wetter und den außergewöhnlich günstigen Stromverhältnissen zuzuschreiben.«
Frischer Proviant ist zu haben; er muß aber aus der nächsten Stadt, aus
Dunnellon, herbeigeschafft werden, in Port Inglis selbst wächst nichts. Die
Schlepper bringen ihn dann bei sich bietender Gelegenheit ans Schiff, Kapt.
F, Meyer bezahlte für ein Pfund frisches Fleisch 0.15 $, für 200 Pfund Eis
1.50 $, für 100 Eier 2.50 $. Trinkwasser wird in beliebigen Mengen für 2,50 $
per Tonne an Bord geliefert.
Auskunft für den Schiffsverkehr. Es muß davor gewarnt werden, Getränke
an Arbeiter zu verkaufen. Der Proviantmeister eines spanischen Dampfers wurde
zu 50 $ Strafe verurteilt, weil er drei Flaschen Whisky an den Maschinisten
eines Schleppers verkauft hatte. Der Schlepper mußte einen Tag untätig liegen,
da das Personal sich sinnlos betrunken hatte. In Port Inglis sind alkoholhaltige
Getränke nicht zu bekommen,
Seekarten. Kapt. F. Meyer kaufte von dem Zolleinnehmer eine Spezial-
karte von Port Inglis-Reede.
Georgetown (Insel Grand Cayman).
Nach amerikanischen und englischen Quellen. Brit. Adm-Krt. Nr. 3273, The West Indies; Nr. 462,
Grand and Lesser Caymans, Plan: George Town Anchorage,
Georgetown, die Hauptstadt von Grand Cayman, liegt an der Westseite
dieser Insel, Der Ankerplatz vor der Stadt ist der einzige der Insel, der sich
für größere Schiffe eignet. Die geographische Lage des Leuchtfeuers in der
Nähe des Gerichtshauses ist 19° 17!/,” N-Br. und 81° 23%/,/ W-Lg. Die Mißweisung
für das Jahr 1910 beträgt 2.8° O, die jährliche Änderung ist gering.