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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

234 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910. 
die Angaben der Küstenhandbücher über anzusteuernde Küsten schon vorher 
an der Hand der Karte gründlich durchzugehen, in der Nähe des Landes keine 
Vorsicht außer acht zu lassen und kein Hilfsmittel der Navigierung zu ver- 
nachlässigen. Dann werden auch die gefährlichsten Küstenpunkte ihre Gefahr 
verlieren. Unter allen Umständen sollte .der Kapitän seine Navigierung so ein- 
richten, daß sie die Sicherheit des ilım anvertrauten Schiffes gewährleistet und 
daß ihm bei einem Unfalle vom Seeamt kein Vorwurf gemacht werden kann, 
Dann wird der größte Teil der Strandungen, der ja in der Tat vermeidbar ist, 
unterbleiben. 
Lösung nautischer Aufgaben. 
Von Oberlehrer A, Mühleisen. 
Im Februarheft dieser Zeitschrift gab Herr Geheimrat Rottok eine Zu- 
sammenstellung von »Lösungen nautischer Aufgaben durch Zeichnung«. Im 
Anschluß hieran möchte ich die Lösung einer Aufgabe mitteilen, die, soweit ich 
habe in Erfahrung bringen können, in seemännischen Kreisen unbekannt ist. 
Es handelt sich dabei um die Bestimmung der Richtung des wahren Weges 
eines Schiffes oder um den Kurs über den Grund. Die Mitteilung der Lösung 
dürfte sich insofern rechtfertigen, als sich bei Seeamtsverhandlungen über Stran- 
dungen schon oft ergeben hat, daß man gerne geneigt ist, die Ursache der 
Strandung in unbekannten Stromversetzungen zu erblicken. Wendet man die 
hier mitgeteilte Methode früh genug an, so wird man auch zeitig gewahr werden, 
ob man vom gesteuerten Kurse aus nach dem Lande zu oder vom Lande weg 
versetzt wird. 
Vorausgesetzt wird, daß der gesteuerte Kurs und die Fahrt des Schiffes 
sowie die Richtung und die Geschwindigkeit des Stromes konstant bleiben. 
Die ersten beiden Bedingungen werden bei Dampfern fast immer erfüllt sein. 
Die Aufgabe läßt sich dann folgendermaßen formulieren: »Den Kurs über den 
Grund zu finden aus dreimaliger Peilung desselben Punktes und den beiden 
dazwischen verflossenen Zeiten.« Unter Kurs ist hierbei nur eine Richtung zu 
verstehen, nicht etwa die direkt in die Karte abzusetzende Linie. 
Unter den vorhin angegebenen Voraussetzungen sind die verflossenen 
Zwischenzeiten proportional den Distanzen durch das Wasser und den Ver- 
setzungen durch den Strom. Die Lösung sei an folgendem Beispiele gezeigt: 
Ein Punkt P wird ONO gepeilt, nach 25 Minuten in N01/,O0, und nach weiteren 
12 Minuten in NNO, Welches ist der Kurs über den Grund? 
Angenommen, das Schiff be- 
finde sich bei der ersten Peilung 
in A und der gesteuerte Kurs sei Ost. 
Nach 25 Minuten hätte es sich ohne 
Stromversetzung in B befunden, in- 
{olge des Stromes befindet es sich 
nun aber in C. Das Schiff steuert 
denselben Ostkurs weiter und be- 
{ände sich ohne Strom nach weiteren 
12 Minuten in D, wird aber durch 
den Strom nach E versetzt. Die 
Ahnlichkeit der Dreiecke ABC und CDE ist leicht ersichtlich, ebenso, daß die 
Linie ACE eine gerade ist und den Kurs über den Grund angibt. (Fig. 1.) 
Es verhält sich also AC:CE = AB: CD oder wie die zum Zurücklegen 
dieser Distanzen durch das Wasser gebrauchten Zwischenzeiten, d.h. wie 25 : 12. 
Es handelt sich also schließlich darum, zwischen die drei Peilungslinien eine 
Linie so zu legen, daß sie im Verhältnis 25 : 12 geteilt wird. - Sollte es bequemer 
erscheinen, die durchlaufenen Distanzen zugrunde zu legen, statt der dazu ge- 
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