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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Herrmann, J.: Ort und Ursache der Strandungen deutscher Seeschiffe. 233 
1902 wurden dort durch schweren südöstlichen Sturm nicht weniger als 22 große 
und 12 kleinere Schiffe, darunter 6 deutsche (Nr. 140 bis 145), auf den Strand 
getrieben, wobei zahlreiche Seeleute ertranken, Dorthin bestimmte Schiffe müssen 
sich mit besonders starkem Ankergeschirr und Trossen versehen und bei längerem 
Aufenthalt Bramrahen und -stängen an Deck nehmen. Schiffe, die ins Treiben 
geraten und nicht ‚auskreuzen können, sollten sich nördlich von der Stadt auf 
Strand setzen und die Vorsegel auch nach dem Grundstoß stehen lassen, um 
möglichst hoch aufzutreiben und fest sitzen zu bleiben. Ehe Hilfe vom Lande 
kommt, sollte das Schiff nicht verlassen werden. Die Mannschaft muß .nötigen- 
falls durch Einschließen in die Kajüte oder auf sonstige Weise durch Gewalt 
am vorzeitigen Verlassen des Schiffes gehindert werden, Nur auf diese Weise 
ist es bei einer Strandung möglich, die Besatzung zu retten. ; 
Im Anschluß an die Warnungen vor den oben’ genannten gefährlichen 
Stellen, die sich hauptsächlich aus Strandungen deutscher Schiffe ergeben haben, 
mögen noch einige Hinweise auf ähnliche Stellen Platz finden, die von Lloyds 
im Lloyds Calendar unter dem Titel »Special Warnings to Mariners« alljährlich 
veröffentlicht werden. 
Südküste von Afrika. Wegen der unbekannten Klippen und Wracke, die 
an dieser Küste in der Nähe des Landes vorhanden sein können, sollten auch 
starke Dampfer mindestens 3 bis 4 Sm Abstand halten, Segler sollten vom Kap 
Agulhas 7 bis 8 Sm entfernt bleiben. Bei starkem Gegenstrom ist die Ver- 
suchung, dicht unter Land entlang zu laufen, groß, aber westlich von Algoa Bay 
ist dabei nichts zu. gewinnen, während die Strandungsgefahr im Falle von 
Maschinenschaden oder Besteckversetzung sehr groß ist. 
Gleichzeitig wird auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die Schiffsbooten 
auf der Chinde-Barre droht. Im Laufe von 18 Monaten versuchten drei Schiffe, 
Bootsverbihdung über die Barre herzustellen; alle drei Boote kenterten, und die 
Besatzung ertrank, . 
Port Phillip. Bei dem Versuch, nachts ohne Lotsen oder gegen den Ebb- 
strom einzulaufen, sind verschiedene Schiffe in der Einfahrt von Port Phillip 
gestrandet und verloren gegangen, Der Ebbstrom läuft dort zum Teil quer 
über die Einfahrt und erreicht häufig 7 Sm Geschwindigkeit. Dadurch entsteht 
hohe durcheinander laufende See, die bei südlichen und westlichen Stürmen oft 
über die ganze Einfahrtsbreite brandet. Auch bei guter Brise außerhalb der 
Einfahrt. können Segler nicht immer den Ebbstrom überwinden, da der Wind in 
der Einfahrt häufig abflaut und die Schiffe dann in der Stromkabbelung un- 
manövrierbar werden. Selbst bei starkem Winde laufen die Schiffe in der 
Stromkabbelung oft aus dem Ruder. 
Südostküste von Neufundland. Dort sind in den letzten Jahren verschiedene 
Schiffe wrack geworden, Die Strömungen an der Ostkante der Neufundlandbank 
und von da westwärts bis zur Küste sind sehr veränderlich. Wenn auch der 
Strom im allgemeinen über die Große Bank südwestwärts setzt, ist doch auch 
nordöstlicher Strom nicht selten. Bei der Annäherung an diese Küste in dickem 
Wetter muß daher mit der größten Vorsicht navigiert und das Loten nicht ver- 
nachlässigt werden, da es unmöglich ist, mit Sicherheit zu sagen, in welcher 
Richtung die Stromversetzung stattgefunden hat. 
Falkland-Inseln. Bei und nach lange anhaltenden südöstlichen Stürmen, 
wo schwere See gegen die Süd- und Südostküste der Inseln läuft, kann man 
starke nordwestliche Versetzung erwarten, durch die verschiedene Schiffe in der 
Gegend von Bull Point verloren gegangen sind. Vom Kap Horn kommend und 
die Beauch@ne-Insel ansteuernd, sollte man unter solchen Umständen mit 20 bis 
30 Sm nordwestlicher Versetzung im Etmal rechnen. . 
Mit der vorhergehenden Zusammenstellung ist die Reihe der gefährlichen 
Küstenpunkte natürlich bei weitem nicht erschöpft. Für jede längere Reise ließe 
sich aus persönlichen Erfahrungen oder nach den Angaben der Küstenhandbücher 
eine Anzahl solcher Punkte finden; ungefähr alle Ansteuerungspunkte und alle 
auf Schiffswegen liegenden Inseln oder Untiefen könnten unter Umständen dazu 
gerechnet werden. Es kann daher zum Schluß nur darauf hingewiesen werden. 
Ann. ad. Hydr. usw. 1910. Haft V
	        
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