92392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910.
der schon zahlreiche Schiffe mit großem Verlust von Menschenleben infolge
starker östlicher Stromversetzung bei unsichtigem Wetter zugrunde gegangen
sind. Das Kap Finisterre sollte vom Norden ebenfalls nicht in weniger als 30
bis 40 Sm Abstand angesteuert werden.)
Auch weiter südlich, an der spanischen und portugiesischen Westküste, ist,
besonders bei oder nach westlichen Winden, auf östliche Stromversetzung zu
achten, die in Verbindung mit dem an dieser Küste häufigen Nebel schon manche
Strandung verursacht hat. Man beachte, daß Nebel die Nähe des Landes anzeigt,
Südküste von Spänien, Die Küste zwischen der Sentinas- und Sabinal-Huk
(Strandungsstelle des auf S. 229 erwähnten Dampfers »Saxonia«) ist niedrig mit
geringer Wassertiefe und nachts schlecht auszumachen, Sie ist bei unsichtigem
Wetter, wenn das Sabinal-Feuer nicht zu sehen ist, sehr gefährlich. In den
Jahren 1891 bis 1908 sollen dort 15 Dampfer aufgelaufen sein. Man wird daher
guttun, die Nähe dieser Küste zu meiden und das Loten nicht zu vergessen.
Die Sorelles-Klippen (etwa in 37° 24’ N-Br. 8° 37’ O-Lg. vor der tunesischen
Küste), die sich durch keinerlei äußere Anzeichen bemerkbar machen, sind wegen
der starken unberechenbaren Stromversetzungen in ihrer Umgebung gefährlich
und das umsomehr, als man wegen der weit entfernten und von den Klippen
aus selten deutlich genug erkennbaren Landmarken kein Mittel zur Kontrolle hat.
In fünf Monaten des Jahres 1907 sind dort vier Dampfer gestrandet. Man steuere
diese Klippen daher mit der größten Vorsicht an, um in sicherem Abstande
von ihnen abzubleiben.
Das Kap Guardafui und die Insel Sokotra sind während des Südwestmonsuns
(Mai bis September) wegen der zuweilen überraschend starken Stromversetzungen
in nördlicher bis östlicher Richtung in Verbindung mit dem häufigen sehr diesigen
und unsichtigen Wetter außerordentlich gefährlich. Verschiedene große deutsche
und andere Dampfer sind infolgedessen dort schon gestrandet, Welch hohen
Betrag die Stromversetzung in dieser Gegend erreichen kann, zeigt das Beispiel
des Dampfers »Dorothea Rickmers«, der im Mai 1899 auf der Ausreise bei
frischer östlicher bis südöstlicher Brise den Weg südlich von Sokotra nahm; er
wurde in einem Etmal 74 Sm nordwärts versetzt.
Das deutsche Segelhandbuch für das Rote Meer und den Golf von Aden
warnt auf S. 57 mit folgenden Worten vor der Strandungsgefahr beim Kap
Guardafui: »Wegen der häufigen Strandungen großer Schiffe an der Küste südlich
vom Kap Guardafui (Ras Assir) ist bei der Ansteuerung und Umsteuerung dieses
Kaps vom Süden oder Südosten kommend im Südwestmonsun die größte Vor-
sicht erforderlich; das Wetter ist zu dieser Zeit stürmisch mit hoher See und
starkem an der Küste nordwärts setzendem Strome, und das Land ist meist in
Dunst gehüllt. Die Ähnlichkeit der Umrisse von Ras Schenarif (Djard Hafun)
und Kap Guardafui kann zu verhängnisvollen Verwechselungen führen. Die einzige
und größte Sicherheit bei unsichtigem Wetter, wenn man das Land nicht aus-
machen kann, besonders nachts, ist das Lot.«
Auf S. 54 sagt dasselbe Segelhandbuch über das Passieren von Sokotra:
»Es ist stets gefährlich, im Südwestmonsun nahe an der Insel Sokotra oder
luvwärts daran vorbeizulaufen; das Land ist oft in Dunst gehüllt, so daß es
nicht weit sichtbar ist oder zu Irrtümern in der Abstandsschätzung Veranlassung
gibt, und die große Wassertiefe in der Umgebung macht das Lot als Warnung
vor zu großer Annäherung nutzlos.«
Die Warnung vor starker nordöstlicher Stromversetzung gilt auch für die
Südostküste von Arabien und zwar für die Schiffe in der Fahrt nach dem
Persischen Golf, Dort strandete unter anderen der Dampfer »Teutonia« (Nr. 134).
Port Elisabeth. Algoa Bay ist wohl eine der gefährlichsten Reeden für
Segler, die dort schutzlos den schweren südöstlichen Stürmen ausgesetzt sind.
Die zahlreichen zum Teil hoch auf dem Strande liegenden Wracke und Wrack-
trümmer machen sie schon äußerlich als gefährlich kenntlich. Am 1. September
daR ‘) Vgl. auch: »Über Schiffbrüche in der Umgegend von Kap Finisterre« in »Ann. d. Hrdr, usw.«
1898 S. 437