294 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910,
die Bedingungen des Lebens, den Gedankeninhalt der Menschheit und die Be-
ziehungen der Nationen fortwährend umformt. Und wenn angesichts der geistigen
Bande, die uns im unfruchtbaren Treiben der Welt umschließen, ein Siegesgefühl
mich überkommt, wenn ich sehe, daß die Beteiligung der Staaten an Veranstal-
tungen für Kunst und Wissenschaft immer ernsthafter wird, so bin ich ganz be-
sonders bewegt, hier die Delegierten des »Institut de France« zu erblicken. Denn
diese Vereinigung, die den französischen Geist am reinsten verkörpert, hat zwanzig
lange Jahre meine Arbeit begleitet und unterstützt. Kurz, überall, wohin ich in
diesem Saale die Augen auf meine Zuhörer richte, finde ich für Geist und Gemüt
freudevolle Erinnerungen,
Danken auch möchte ich den Arbeitern, durch deren Hände Werk dies
Gebäude aufgeführt ist. Während elf Jahren haben sie es nie an Eifer, nie an
Verantwortlichkeitsgefühl fehlen lassen; in dieser Stunde der Festesfreude muß
ihr Verdienst, ihre Energie anerkannt werden.
Meine Herren, ich eröffne das Ozeanographische Museum zu Monaco und
übergebe es all’ denen, die der wissenschaftlichen Wahrheit dienen, Sie sollen
hier Ruhe und Stille, Unabhängigkeit und in edlem Wettstreit Gleichstrebende
finden. Ihre Gedanken werden, wenn sie von der Höhe dieses Gebäudes hinab-
schweifen zur blauen Salzflut, die den Ursprung alles Lebendigen geheimnisvoll
umschließt, von da leicht weiter wandern rund um die Welt und damit alle Wesen
umfassen, die uns die Geologie kennen gelehrt hat. Und dasselbe gilt, wenn Sie
Ihre Gedanken dann zur langen Kette unserer Berge wenden, wo in Höhlen und
in den einzelnen Schichten der Sedimente vergangene Generationen, verschwundene
Arten von Lebewesen aller Art ruhen; auch da vertiefen Sie sich in die fernsten
Zeiten der Geschichte unseres Planeten, Von den Gipfeln aber derselben Berge,
die unsern Nordhorizont überall umsäumen, fliegt der Gedanke leicht hinaus in
die Weiten des Weltalls und verliert sich im unbekannten Geheimnis allen Daseins,
G. Sehott.
Ort und Ursache der Strandungen deutscher Seeschiffe.
Von J. Herrmann, Assistent der Deutschen Secwarte.
Strandungsursachen.
Die Strandungsursachen lassen sich in drei Gruppen teilen:
1. Strandungen durch höhere Gewalt, z. B. durch schweren Sturm, Auf-
setzen leckgesprungener Schiffe, um das Sinken in tiefem Wasser zu ver-
hüten, Maschinen- und Ruderschaden, kurz alle Strandungsfälle, die trotz ge-
wissenhafter Pflichterfüllung der Schiffsführung erfolgt sind.
2. Strandungen infolge mangelhafter Seekarten.
3. Strandungen durch irrtümliche oder mangelhafte Navigierung sowie
durch irgend ein Versehen oder Verschulden des Kapitäns, der Schiffsoffiziere
oder des Lotsen.
Zu der ersten Gruppe sind 81 von den aufgezählten Strandungsfällen zu
rechnen, zu der zweiten 5 und zu der dritten 101. Unbekannt ist die Strandungs-
ursache in zwei Fällen geblieben.
Die Strandungen durch höhere Gewalt dürften im großen und ganzen unter
den gegebenen Verhältnissen als unvermeidlich zu betrachten sein. Die Gefahren
der Schiffahrt bei der Navigierung in der Nähe des Landes werden bis zu einem
gewissen Prozentsatz stets ihre Opfer fordern, trotzdem die Maßnahmen zur
Sicherung des Schiffsverkehrs von Jahr zu Jahr vervollkommnet werden; denn
was dadurch auf der einen Seite gewonnen wird, geht auf der anderen durch
das Wachsen der Schiffszahl, durch die Vermehrung der Reisen infolge der
Steigerung der Fahrtgeschwindigkeit und durch die Ausdehnung des Schiffs-
verkehrs auf die entlegensten Orte wieder verloren. Wir dürfen also kaum
hoffen, "die Zahl dieser Strandungen unter den jetzigen Verhältnissen wesentlich
zu verringern.
(Schluß.)