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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910. 
zu sichern. In freiem Wettbewerb unterstützen die meisten großen Staaten sowie 
einzelne aufgeklärte Menschen diese Wissenschaft, Es sind besonders zwei Persön- 
lichkeiten, denen die Ozeanographie in hohem Grade Dank schuldet. Wilhelm II, 
der Deutsche Kaiser, ist unermüdlich tätig, seinem Lande den hohen Ruhm 
menschlichen Fortschrittes, wie er in wissenschaftlichen Arbeitsräumen erzielt 
wird, zu verschaffen und zu sichern, und er widmet allem, was auf die Meeres- 
forschung sich bezieht, eine ganz spezielle Fürsorge; er geht damit sogar über 
die Grenzen seines Reiches hinaus, hat er doch bei der Grundsteinlegung dieses 
Gebäudes Pate gestanden, läßt er doch für ozeanographische Studien Fahrzeuge 
bauen, um sie bis in die Fernen des Indischen Ozeans zu entsenden, wird ihm 
doch die Errichtung des aerologisch-meteorologischen Observatoriums an den 
Höhen des Pics von Tenerifa verdankt, wo das Wesen des über dem Ozean 
Autenden Luftmeeres studiert werden soll. Der kaiserlichen Unterstützung, Er- 
mutigung und Beachtung sind alle die sicher, welche — ihre Laufbahn möge im 
einzelnen sein, welche sie wolle — durch wissenschaftliche Leistungen hervorragen. 
König Karl von Portugal hat die besten Mußestunden seines Lebens 
der Ozeanographie gewidmet. Er gab damit der Wissenschaft seines Landes ein 
gutes Vorbild, bis ein aus den niedrigsten politischen Instinkten geborenes Ver- 
brechen diesen Monarchen dahinnahm. Unser Zeitalter zeigt eine seltsame 
Mischung von modernem Geist und alter Barbarei; wir sehen immer wieder, daß 
der Fortschritt mancher Seiten der menschlichen Natur durch wild über- 
schäumende Leidenschaften verzögert wird, gleichsam wie durch ein hemmendes 
Kielwasser, Nur sehr langsam weicht der Atavismus, die Verkörperung des oft 
unheilvollen Einflusses früherer Generationen, der Evolution, jener natürlichen 
fortschrittlichen Entwickelung der Dinge, welche uns eine bessere Zukunft herauf- 
führen wird; jetzt freilich ist diese Zukunft noch von einem schier undurch- 
dringlichen Schleier umgeben. 
Wenn man von der Wissenschaft spricht, so muß man Deutschland und 
die skandinavischen Länder beglückwünschen; denn dort sind die Nation und die 
Regierung darüber klar, daß die Pflege der Wissenschaft das Geheimnis zivili- 
satorischen Fortschrittes in sich birgt; dort sind zahlreiche Bürger die Träger 
intellektueller Entwickelung, dort beherrscht die wissenschaftliche Durchdringung 
aller Aufgaben die Ideen, 
Bei einer Gelegenheit wie der vorliegenden wendet sich der Gedanke un- 
willkürlich zur Geschichte der Meeresforschung zurück, zunächst zu den großen 
englischen Gelehrten, die das Vorurteil der Unbewohnbarkeit der Meerestiefen 
zuerst zunichte machten und in berühmten Expeditionen die Forschungsreisen 
zur See begannen: ich nenne Carpenter und Wyville Thompson, John 
Murray und Buchanan, Diese Erinnerung verknüpft sich mit derjenigen an 
Milne Edwards, der mein Lehrer in der Wissenschaft gewesen ist, und an 
Magnaghi, dessen Arbeit der Meeresforschung in Italien die Bahn eröffnete. 
Dazu kommen die ozeanographischen Leistungen, die Männern wie Charcot, 
Thoulet, Gerlache, Vineciguerra, Agassiz, Steindachner, Nordenskjöld, 
Forel und den bekannten deutschen Ozeanographen in glänzender Reihe ver- 
dankt werden. Meine Gedanken schweifen auch nach Spanien, wo ich ehemals 
in die Geheimnisse der Navigation eingeführt wurde und mir das Weltmeer dabei 
so vertraut wurde, daß es mich seitdem nicht mehr aus seinem Banne gelassen 
hat. Und ich vergesse nicht, daß die Russen durch Bellingshausen, Kotzebue, 
Lenz, vielleicht als die ersten, noch heute wertvolle Meeresuntersuchungen an- 
gestellt haben; es waren Vorgänger von Makaroff, der der Elite der Wissen- 
schaft durch eine jener kriegerischen Krisen geraubt wurde, die noch immer die 
gewalttätigsten Instinkte der Menschheit aufwühlen, 
Hier nun, meine Herren, hat, wie Sie sehen, das monegassische Land ein 
stolzes, unverletzliches Gebäude errichtet, das einem neuen, die hochstehenden 
Geister leitenden Gedanken gewidmet ist. Ich selbst habe alle meine Kräfte der Aus- 
breitung der wissenschaftlichen Wahrheit geweiht; denn allein die Wahrheit gibt 
ein sicheres Fundament ab für wirkliche Bildung.
	        
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