220 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910.
schiffen oder Schulschiffen zu denken, weil deren Reisen zu unregelmäßig sind.
Der Gedanke, je einen Frachtdampfer, der auf den in Aussicht genommenen
ozeanographischen Schnittlinien in regelmäßiger Fahrt beschäftigt ist, mit den
nicht sehr kostspieligen technischen Apparaten auszurüsten und die Reederei für
den Zeitverlust zu entschädigen, der durch ein 5 bis 10 maliges Stoppen unter-
wegs für je einige Stunden erwächst, stand im Vordergrund der Erörterung, da
— falls dieser Weg gangbar — die Kosten relativ sehr niedrig gehalten werden
könnten; doch wurde mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß bei einer Ver-
zögerung der Reise nicht allein die Reederei, sondern auch die Ladungsempfänger
mitzusprechen hätten, und es sollen daher zunächst in den verschiedenen Ländern
von den dazu sich bereit erklärenden Herren der Kommission Schritte getan
werden, um bis zum Zusammentritt des Geographenkongresses in Rom festzustellen,
ob auf das Entgegenkommen von je einer Frachtdampferlinie gerechnet werden
kann oder nicht. Um der Schwierigkeit der etwas verspäteten Ablieferung der
Ladung zu entgehen, wäre vielleicht in erster Linie an Getreidedampfer, Petroleum-
tankdampfer usw, zu denken, deren Ladung in eine Hand bzw, auf Rechnung der
Reederei selbst geht.
Die Ergebnisse dieser Umfragen und einiger anderer Rückfragen sowie die
obengenannten wissenschaftlichen Festsetzungen sollen der Versammlung in Rom
1911 zur Beschlußfassung unterbreitet werden; dort sollen dann auch ganz be-
stimmte Anträge zur Förderung des Planes formuliert und den Regierungen
unterbreitet werden.
Der Fürst von Monaco schloß die Verhandlungen mit der Erklärung,
daß er sein Bestes tun wolle, die Angelegenheit der atlantischen Forschung im
Hinblick auf den vorgelegten Plan zu fördern, und daß er auch bereit sei, zur
etwaigen Einübung der Fachgenossen, Spezialisten usw. seine Yacht zur Ver-
fügung zu stellen.
III. Die Kommission für die Welttiefenkarte
trat am 1, April nachmittags 3 Uhr unter dem Vorsitz des Fürsten von Monaco
zusammen; es waren folgende Mitglieder anwesend: Prof. G. Cora-Rom; Prof,
O0. Krümmel-Kiel; Prof. de Margerie-Paris; Dr. Hugh Robert Mill-London;
Prof. 0. Pettersson-Bornö; Prof, Schott-Hamburg; Prof. Supan-Breslau; Prof.
Thoulet-Nancy. Sir John Murray und Frithjof Nansen hatten sich entschuldigt.
An der Beratung nahm noch Linienschiffsleutnant M. Bour&e teil, der, zugleich
Adjutant des Fürsten, mit der Redaktion der Karte betraut ist, sowie der Zeichner
Tollemer.
Es handelte sich darum, gegenüber mannigfachen Ausstellungen, die die
erste Ausgabe der Karte seitens verschiedener Fachgenossen erfahren hatte, nun-
mehr bei einer zweiten Ausgabe alle berechtigten Wünsche nach Möglichkeit zur
Erfüllung zu bringen. Der Fürst gab zunächst seiner Genugtuung über die ein-
gehenden Kritiken, denen die Karte unterworfen worden sei, Ausdruck, da er
hieraus das große Interesse an der Karte erkenne und in der Kritik eine wesent-
liche Quelle des Fortschrittes erblicke; es wurden dann nach einem von Bour&e
aufgestellten Verhandlungsprogramm die Einzelpunkte erörtert, unter denen
folgende von allgemeinerer Wichtigkeit sein dürften.
1. Die Landflächen sollen Isohypsen erhalten, und zwar solche von den-
selben Intervallen, wie sie bei den Isobathen für die Meeresflächen eingeführt
sind; braune Landtönung soll das Bild anschaulich machen. Hierdurch wird eine
außerordentliche Vermehrung der Arbeitsleistung, aber auch des Inhalts bedingt;
die Karte wird also in der zweiten Auflage die Oberflächenformen der ganzen
Erdoberfläche einheitlich abbilden. Verhehlte man sich auch nicht die großen
Schwierigkeiten und Bedenken, die in der Forderung nach Isohypsen bei so
großem Maßstab liegen — besonders Supan wies eindringlich darauf hin —, so
fand doch im Hinblick auf die ständig wachsende Erkenntnis von Zusammen-
hängen zwischen Festland und Meeresboden, die Wichtigkeit des übermeerischen
Reliefs für gewisse Fragen der Meteorologie und Ozeanographie, der Wunsch
nach Einfügung der Höhenlinien die Majorität. — Auch die wichtigsten Städte,