218 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910.
Kongreß ernannten Kommission zur Erforschung des Atlantischen Ozeans’), am
1. April nachmittags 3 Uhr endlich die Mitglieder der schon vom VII Inter-
nationalen Geographenkongreß in Berlin 1899 eingesetzten Kommission zur Her-
stellung einer Welttiefenkarte. Während die zwei erstgenannten Vereinigungen
überhaupt zum ersten Male zusammentraten, war die Beratung der letztgenannten
in Monaco die zweite Versammlung zu diesem Zwecke.
I. Die Mittelmeerkommission.
An der Sitzung nahmen, außer dem Fürsten, folgende Herren teil:
M. W. E. Archer vom Board of Agriculture and Fisheries in London, der
Präsident der internationalen Vereinigung zur Erforschung der nordwesteuropä-
ischen Meere; Prof, Berget- Paris, als Sekretär; J. Y. Buchanan aus Cam-
bridge, s. Zt. Chemiker der »Challenger«-Expedition; Kapt. z. S. Giavotto,
Direktor des Hydrographischen Institutes in Genua; Prof. Grassi-Rom; Prof.
OÖ. Krümmel- Kiel; Prof, A. Nathansohn-Leipzig; Kapt. z. S. Navarette-
Madrid; Prof, Regnard-Paris; Dr. Richard-Monaco; Prof, Vinciguerra-
Rom; Baron F, v. Wrangel-St. Petersburg.
Die Sitzung wurde vom Fürsten mit der Erklärung eröffnet, daß er ent-
schlossen sei, sich an den geplanten Arbeiten zu beteiligen, das ozeanographische
Museum zu Monaco zu deren Mittelpunkt zu machen und die Yacht »Princesse
Alice« in den Zeiten, in denen sie nicht durch die alljährlichen Expeditionen des
Fürsten in Anspruch genommen sei, zur Verfügung zu stellen, Da ferner Prof.
Vinciguerra und Senator Prof. Grassi mitteilten, daß die italienische Regie-
rung gleichfalls zur tatkräftigsten Unterstützung des Unternehmens bereit, sei,
wurde eine genügende Basis zum Beginn der Arbeiten der Kommission als vor-
handen erachtet. Diese konstituierte sich aus den s. Zt. auf dem internationalen
Geographenkongreß in Genf ernannten Mitgliedern und einer Anzahl von Ozeano-
graphen, die, durch Mitglieder eingeführt und vom Fürsten zur Teilnahme an
der Mitarbeit aufgefordert, gemäß den auf dem Genfer Kongresse getroffenen
Bestimmungen kooptiert wurden. Dazu sollen noch etwaige von den beteiligten
Regierungen zu bestimmende Delegierte treten.
Der Kommission lagen zwei Gruppen von Anträgen vor: zunächst das
von Prof. Vinciguerra angeregte Projekt zur Erforschung des offenen Mittel-
meeres, für das Prof, Krümmel auf Grund der Erfahrungen der in den nordi-
schen Meeren arbeitenden Kommission ein vorläufiges Programm aufgestellt hatte.
Ferner ein Antrag von Prof. Nathansohn - Leipzig, der auf die Organisation
einer hydrographischen und planktologischen Untersuchung der Mittelmeerküste
durch die dort befindlichen biologischen Stationen nach dem Muster der seit
mehr als zwei Jahren vom ozeanographischen Museum in Monaco ausgeführten
Arbeiten abzielte. Dem schloß sich sogleich ein weiterer Antrag von Prof.
Joubin- Paris an, der eine in ähnlicher Weise organisierte gemeinsame Unter-
suchung des Meeresbodens und der Fauna anstrebte. Es wurde beschlossen,
diese Projekte und das von Dr. Richard für die fernere Tätigkeit des Museums
in Aussicht gestellte Programm zu einem Arbeitsplan zu verschmelzen und einer
sofort einzuberufenden Konferenz der Direktoren der Mittelmeerstationen zu
unterbreiten.
Die Kommission trat dann in die Beratung des Projektes Vinciguerra-
Krümmel ein, das in einer dem Organisations- und Arbeitsplan der nordischen
Kommission sehr ähnlichen Fassung angenommen wurde. Demgemäß sollen regel-
mäßige »Terminfahrten« mit Einzelexpeditionen, die zur Lösung bestimmter Auf-
gaben bestimmt sind, abwechseln. Doch soll den bisherigen Erfahrungen insofern
Rechnung getragen werden, als die Hydrographie der obersten Wasserschichten
und das Plankton nicht nur auf den Terminfahrten untersucht, sondern auch
fortdauernd bei Gelegenheit der speziellen biologischen Expeditionen studiert
werden soll, um die nötige Kontinuität der Beobachtungen herzustellen. Auch
wurde die Notwendigkeit betont, im ersten Jahre der Arbeiten durch eine be-
‘ Vgl. hierzu »Ann. d. Hryvdr. usw.«. 1908, S. 406 bis 410.