Köppen, W.: Aufstiege von Pilotballons auf deutschen Handelsschiffen usw. 217
Das wichtigste Ergebnis dieser Aufstiege ist der Nachweis, daß auf dem
Atlantischen Ozean, wo doch die Passatwinde am regelmäßigsten entwickelt sind,
in einer Höhe von etwa 3000 m das Gebiet der veränderlichen Winde nicht etwa
nur die gemäßigten Zonen einnimmt, sondern auch die ganze heiße Zone mit
umfaßt. Die große Stetigkeit, die die Winde dieser Zone ebenso wie deren
Temperatur und Luftdruck von denjenigen der gemäßigten Zonen unterscheidet,
ist bei den Winden in 2 bis 4 km und vielleicht auch höher hinauf nicht mehr
zu finden, und zwar besteht diese Veränderlichkeit der oberen Winde nicht etwa
nur darin, daß die Grenze zwischen einer oberen und unteren Luftströmung, beide
von stetiger, aber verschiedener Richtung, ihre Höhe wechselt, sondern es treten
neben Ost- und Westwinden auch fast rein polare oder äquatoriale Winde und
Windstillen in der Höhe auf. Die raschen Änderungen in den oberen Wind-
richtungen von Tag zu Tag sind auch bereits auf den Reisen der »Otaria«
aufgefallen.
Die Fehlergrenzen, innerhalb deren die Ergebnisse der Aufstiege unsicher
sind, gehen nicht weit genug, um an diesem Hauptresultat einen Zweifel zu lassen.
Zusammengehalten mit dem, was wir aus höheren Breiten wissen, läßt sich der
Tatbestand so darstellen:
Die Tendenz zu Westwinden nimmt allgemein mit der Höhe zu; wo daher
unten alle Windrichtungen gleich häufig sind oder bereits westliche Winde das
Übergewicht haben, nimmt ihr Übergewicht mit der Höhe zu, also die Ver-
änderlichkeit der Windrichtung nach oben ab; wo dagegen unten östliche Winde
die Vorherrschaft haben, wird diese nach oben geringer, die Windrichtung also
zunächst veränderlicher, bis in noch größeren Höhen die Vorherrschaft der west-
lichen Winde beginnt und nach oben mehr und mehr zunimmt. Die Höhe, in
der sich dieses vollzieht, ist verschieden; am Aquator, nach den Erfahrungen
beim Krakatau-Ausbruch zu urteilen, scheinen die Ostwinde bis zu den Grenzen
der Atmosphäre zu reichen,
Da der Grund dieser Zunahme- der Westwinde — oder Abnahme der Ost-
winde — mit wachsender Höhe in der Abnahme der Temperatur der Atmosphäre
mit zunehmender Breite liegt, so kann man nicht erwarten, daß sie überall und
in allen Höhen zutreffe, In der bis jetzt allein näher bekannten Schicht bis zur
Cirrushöhe ist sie indessen dort, wo genügende Beobachtungen vorliegen, hin-
reichend deutlich zu erkennen. W. Köppen.
Die ozeanographischen Verhandlungen zu Monaco
vom 80. März bis 1. April 1910.
Berichte von Prof. Dr. A. Nathansohn und Prof Dr. 6. Schott.
; Es darf als’ ein sehr glücklicher Gedanke des Fürsten Albert von
Monaco bezeichnet werden, daß er die drei wissenschaftlichen ozeanographi-
schen Kommissionen, deren Vorsitzender er ist, gelegentlich der Einweihung
seines großen Museums in Monaco zu einer Tagung vereinigt hat. Hiermit
wurde zunächst erreicht, daß die Kommissionsmitglieder so zahlreich, wie sonst
bei losen internationalen Vereinigungen kaum zu erwarten gewesen wäre, sich
einfanden; besonders aber gewannen die Tage der Einweihungsfeierlichkeiten
selbst hierdurch noch an wissenschaftlichem Gepräge, und wenn der Akt der
Einweihung des Museums am 29. März notwendigerweise mehr höfisch-politischen
Charakters gewesen ist, so verdienen die folgenden Tage um so entschiedener
die Bezeichnung eines ozeanographischen Kongresses. Es versammelten
sich, stets zu mehrstündiger, eingehender Beratung unter dem persönlichen Vor-
sitz des Fürsten, am 30. März vormittags 9 Uhr die Mitglieder der vom IX. Inter-
nationalen Geographenkongreß in Genf eingesetzten Kommission zur Erforschung
des Mittelmeeres, am 31. März um dieselbe Zeit die Mitglieder der vom gleichen
Ann. d. Hydr. usw. 1910. Heft V.
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