202 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1910.
Kanal und Südamerika (Brasilien oder La Plata) zu erproben. und neben einigen
mißglückten Versuchen 65 brauchbare Aufstiege zu erlangen:
1906 D. »Halle«, Norddeutscher Llyod, Kapt. Bortfeldt,
1907 D. »Stuttgart«, « « « Bortfeldt,
1907 D. »Halle«, « Rohde,
1907/08 D. »Cap Ortegal«, | Hamburg — Südamerikan. (| « Siepermann,
1908 D. »Cap Ortegal«, } Dampfschiffs-Gesellschaft. | « Siepermann.
Im Jahre 1909 wurde Herr Dr. H. Meyer, Lehrer auf dem Schulschiff
»Herzogin Cäcilie«, mit der nötigen Ausrüstung und Instruktion versehen, doch
sind diese Beobachtungen der Seewarte erst nach Fertigstellung vorliegender
Arbeit zugekommen und können erst später veröffentlicht werden,
Sämtliche Herren haben von der Seewarte schriftliche Instruktion erhalten,
welche zuerst nach den Ratschlägen von Prof, Hergesell entworfen und später
nach den Berichten von Kapt. Bortfeldt etwas abgeändert wurde. Außerdem
konnten mündliche Anweisungen den Herren Kapt. Siepermann und Dr. H, Meyer
durch die Drachenstation der Seewarte in Großborstel und Herrn Kapt. Rohde
durch Herrn Kapt. Bortfeldt in Bremerhaven erteilt werden,
Folgendes ist die Fassung, welche die Instruktion nach der ersten Reise
von Kapt. Bortfeldt erhielt, und der Wortlaut der Ergänzung, die nach seiner
zweiten Reise im Sommer 1907 zugefügt wurde,
Anleitung für die Beobachtung von Pilotballons’ zur Bestimmung der Windrichtung
und Windgeschwindigkeit in verschiedenen Höhen der Atmosphäre.
Hamburg, 5. Januar 1907.
i. Die Ballons sind aus der mitgesandten Stahlflasche mit Hilfe des Gummi-
schlauchs vorsichtig zu füllen, so daß sie ungefähr einen Umfang von 270 cm
und einen Auftrieb von etwa 200 g erhalten. Die Flasche darf nur langsam ge-
öffnet werden, um nicht Schlauch oder Ballon zu zerreißen, Da bei den zum
Transport fest zugeschraubten Flaschen langsames Öffnen nicht immer gelingt,
so können sie noch vor Ansetzen des Ballons für einen Augenblick geöffnet werden,
Vor der Füllung muß die Luft aus dem Ballon möglichst entfernt werden,
2, Zur Füllung ist ein windgeschützter Ort auf dem Verdeck zu wählen;
zum Aufstieg kann der Ballon, wenn nötig, an eine andere Stelle gebracht werden,
wo er von der Takelung frei abgehen kann. Nach Erreichung des genannten
Auftriebs wird der Ballon durch einen Korkpfropfen und ein Bendsel verschlossen,
3. Nach dem Schließen ist der Ballon genau abzuwiegen. Dies geschieht
bequem mit Hilfe eines kleinen Säckchens, in das so lange Schrotkugeln getan
werden, bis der Ballon keinen Auftrieb mehr hat. Das Säckchen mit den Schrot-
kugeln wird nachher abgenommen und sorgfältig auf einer Wage gewogen. Das
Gewicht ist als »Auftrieb« zu notieren (in Grammen). Beträgt dieser Auftrieb
erheblich mehr als 200 g, so ist er durch Mitgeben irgend einer kleinen Last auf
diesen Betrag herabzusetzen und auch dieser Umstand im Bericht anzugeben.
Um das Verfolgen des Ballons zu erleichtern, ist eins der beigegebenen
Stücke blitzenden Nickelpapiers an kurzer Schnur daranzubinden,
4. Der Ballon wird hierauf losgelassen, wobei genau die Zeit des Ablassens
nach Minuten und Sekunden notiert wird,
5. Ungefähr alle Minuten wird durch hierzu geeignete Beobachter der
Höhenwinkel und das Azimut des Ballons gemessen, wobei wiederum genau die
Zeit nach Minuten und Sekunden aufzuzeichnen ist.
6. Die Azimutwinkel werden am besten mit Hilfe der Bussole, die hierzu
eine geeignete Vorrichtung haben muß, die Höhenwinkel mit dem Sextanten ge-
messen. Bei dem Sextanten ist es zu empfehlen, das Fernrohr abzuschrauben
und hierfür den Diopter einzusetzen. Es ist vorteilhaft, bei den Messungen den
Sextanten umgekehrt zu halten; doch ist hierfür die Übung im Gebrauch des
Instruments entscheidend.
7. Aus dem in Gramm bestimmten Auftrieb A findet man die Vertikal-
seschwindigkeit des Ballons nach der Formel v? = 0.08 A in m/s.