200 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1910.
Ihre Stärke entsprach nach den Schätzungen im Mittel etwa dem Grad 3 nach
der Beaufort-Skala; die registrierten Windgeschwindigkeiten schwankten zwischen
3.8 (Swinemünde) und 5.6 m p. Sek. (Memel). Stürmische Winde traten auch am
6., 15, 17. bis 18,, 21. und 25, an keinem der genannten Tage aber an der
ganzen Küste, sondern nur an größeren Küstenstrichen, meist an der Nordsee
auf; sie wehten aus südwestlichen, am 15, aus südöstlichen bis südwestlichen
Richtungen. Heitere Tage traten in einzelnen Gebieten am 1,, 9.,, 10., 13. und
14. auf, Tage mit Nebel am 1,, 6,, 7., 11., 13., 19. und 24.
Was die Wetterlage im einzelnen betrifft, so lag vom 1. bis 4. Februar
über dem östlichen Kontinent ein Hochdruckgebiet, wogegen vom Westen her
in einem über die Britischen Inseln nach der Biskaya-See vorgeschobenen flachen
Ausläufer tiefer Luftdruck langsam heranzog., Bei meist schwachen inlandigen
Winden herrschte während dieser Zeit anfangs leichter Frost, der bei der An-
näherung des Tiefdruckgebiets am 83. auch im Osten verschwand. Vom 5. Fe-
bruar ab befand sich dann das deutsche Küstengebiet fast ohne Unterbrechung
im Bereiche von Tiefdruckgebieten oder Ausläufern von solchen, die meist im
Norden vorüberzogen. Von größerem Interesse ist zunächst der 6, wo das
genannte östliche Hochdruckgebiet, unter der Annäherung einer tiefen Depression
aus dem Nordwesten, ostwärts zurückwich und der Luftdruck über Südwest-
guropa stark zunahm. Die Winde frischten dabei an dem größten Teil des
deutschen Küstengebiets aus Südwest stark auf; sie wehten aus den Südwest-
quadranten und erreichten stellenweise die Stärke 8 und 9. Dabei fielen
überall starke Niederschläge, die auch am folgenden Tage anhielten, während
die Winde abflauten, Bis zum 14, ist die Wetterlage ohne größeres Interesse;
es blieb das milde ozeanische Wetter bei vorherrschend ozeanischer Luftströmung
bestehen.
Am 15. aber begann eine bis zum 18, währende Periode unruhigerer
Witterung. Ein Hochdruckgebiet lag an diesem Tage über Westrußland, und
eine tiefe Depression mit ihrem Minimum nordwestlich Schottland näherte sich
mit einem von Frankreich vordringenden Ausläufer. Dabei frischten in dem
westlichen Teile des deutschen Küstengebiets die Winde zunächst aus Südost
stark auf und erreichten rechtsdrehend stellenweise die Stärke 8 und 9. Am
folgenden Tage flauten die Winde während des Vorübergangs des genannten Aus-
läufers vorübergehend ab, frischten jedoch am 17. wieder zu vollem Sturm auf,
als sich das noch immer nordwestlich Schottland gelegene Minimum vertiefte
und zugleich der Luftdruck über Südwesteuropa stieg. Hauptsächlich wurde
wieder das westliche Küstengebiet in Mitleidenschaft gezogen. Auch am 18.
blieben steife und stürmische Südwestwinde noch stellenweise bestehen. Am 19.
zog von der Biskaya-See her ein neuer tiefer Ausläufer heran, während gleich-
zeitig der Luftdruck über Südosteuropa stark zunahm. Die Winde drehten
deshalb wieder nach Südost und frischten am 21, bei dem Vorübergang eines
neuen Ausläufers im Westen unter KRechtsdrehen stark auf. Auch an den
folgenden Tagen blieb das deutsche Küstengebiet im Bereiche von Ausläufern
der Depression. Der 25. und 26. brachte noch eine interessantere Erscheinung,
indem ein Teilminimum, das über den Britischen Inseln sich aus einem Ausläufer
entwickelt hatte, am deutschen Küstengebiet entlang zog und an der nördlichen
Nordsee sowie westlichen Ostseeküste Winde von der Stärke 8 und 9 am 25.
zur Entwickelung brachte. An den beiden letzten Monatstagen folgte ein zweites
Teilminimum auf demselben Wege nach, so daß das regnerisch milde Wetter
mit noch ziemlich lebhaften Winden bestehen blieb.
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