Kleinere Mitteilungen.
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glas auf diese Höhe ein. Alsdann wird nach dem Kompaß unter Berücksichtigung
der am Ort herrschenden Mißweisung in die Richtung des errechneten Azimuts
gegangen und mit dem gut senkrecht vor Augen gehaltenen Instrument die Kimm
abgesucht. Nach meiner Erfahrung findet man Venus sehr schnell, da sie auch
am hellen Mittag als blitzende Silberkugel im Spiegel erscheint. Natürlich muß
eventuell auch etwas in Höhe gesucht werden; in der Regel aber ist dies bei
dem großen Gesichtsfeld, welches das Instrument umfaßt, überflüssig. Der Jupiter
Jäßt sich wegen seiner weniger großen Helligkeit allerdings nicht so leicht auf-
finden. Ob sich die Gestirne direkt am Himmel auffinden lassen, möchte ich
bezweifeln. Mir scheint, daß die auch nur annähernd richtige Schätzung der
Höhe sehr schwierig ist. Besonders aber trifft das letztere zu, wenn das Schiff
nicht ganz ruhig liegt. Auch wird das Herunterholen auf die Kimm nicht. sehr
einfach sein. J. Staben, Obersteuermann, ”
z. Zt. kommandiert beim Observatorium Tsingtau.
5. Die Entstehung, Entwicklung und Auflösung dreier Wasserhosen in
der Singapore-Straße. (Hierzu Tafel 25.)
Am 6. Oktober 1909 um 1?N verließen wir den Hafen von Singapore.
Nachdem wir auf östlichen Kursen 5 Sm zurückgelegt hatten, beobachteten wir
in der Singapore-Straße die Entstehung dreier Wasserhosen sowie ihre volle Ent-
wicklung und Auflösung im Zeitraum von 20 Minuten, also von 1b 30min bis
1b 50min N, auf 1° 16’N-Br. und 104° (’ O-Leg.
Um 1% 10%in N kam eine Gewitterbö aus rw. SSO auf, deren größte Regen-
masse achteraus blieb. Aus dem nach östlicher Richtung sich erstreckenden
Ausläufer der großen Regenwolke bildete sich zunächst eine Wasserhose im Zeit-
raum von 3 Minuten, gepeilt rw. SO und lief diese nach ONO etwa 15 Sm per
Stunde (Tafel 25, Fig. I).
Um 1% 35min N bildeten sich im gleichen Zeitraum zwei Wasserhosen, deren
Entfernungen von der mittleren Wasserhose gleich waren, etwa 15° auseinander
(Tafel 25, Fig. IN). I
Die mittlere Wasserhose überholte jedoch die vordere und schien diese
durch den Luftdruck der überholenden Wasserhose in ihrer östlichen Fahrt unter-
brochen zu werden; der Rüssel der am Ööstlichsten stehenden Wasserhose brach
in der Mitte durch, und die untere Hälfte fiel zu Wasser, wogegen die obere
Hälfte in die Wolke zurückgezogen wurde (Tafel 25, Fig. IX).
Im Rüssel der westlich stehenden Wasserhose, die mit gleicher Geschwin-
digkeit die östliche Richtung beibehielt, bildete sich eine rechtsdrehende, spiral-
förmige Schleife (Tafel 25, Fig. IV).
Um 1b 45=in N brach auch der Rüssel der Wasserhose am oberen Ende ab
und verfiel in sich selbst (Tafel 25, Fig. V).
Die zuerst entstandene Wasserhose behielt die östliche Richtung mit noch
größerer Geschwindigkeit bei, indem der Rüssel in schlangenförmiger Bewegung
mit dem unteren Ende voran lief, Um 1b 40®in N zerfiel auch diese Wasserhose
in sich selbst (Tafel 25, Fig. VI).
Die Rüssel der drei Wasserhosen gingen rechtwinklig von der Unterkante
der Wolke trichterförmig nach unten, bewegten sich schlangenförmig bis zur
Oberfläche des Wassers und endeten hier in eine 5° hohe, rechtsrotierende
Wasserwolke, Es erschien, als ob dies Wasser an der rechten Seite des Rüssels
von der Wolke nach unten in die Wasserwolke fiel und an der linken Seite aus
derselben nach oben gezogen wurde; letzteres sah so aus, als ob aus einem auf-
rechtstehenden Wasserschlauch das Wasser nach oben getrieben wurde,
Fahrzeuge mit vollen Segeln befanden sich in der Nähe der Wasserhosen,
deren Besatzungen hierüber aber absolut nicht besorgt zu sein schienen, denn
die Fahrzeuge behielten ihren östlichen Kurs bei, ohne kleine Segel zu machen,
ein Zeichen, daß dort Windrichtung und Windstärke konstant blieben,
Zur Zeit der Beobachtung war die Windrichtung an Bord SSO Stärke 3/4,
der Stand des Barometers während der ganzen Beobachtungszeit konstant
= 761.2 mm und die Lufttemperatur == 32.,5° C,, Wassertemperatur = 28,5° C,
O, Hennig, 2. Offizier an Bord D.S. »Silesia«, H. A. L.
ann. d. Hvdr. usw... 1910. Heft IVY