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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1910, 
Monddistanzmessungen. Die Distanzen brauchen nicht gleichzeitig gemessen zu 
werden, wozu zwei Beobachter erforderlich sein würden. Das Zeitintervall muß 
aber so kurz (einige Minuten) sein, daß man die Distanzen differentiell mit Hilfe 
der genähert bekannten Bewegung des Kometen auf dasselbe Zeitmoment reduzieren 
kann. Da sich der Komet sehr schnell bewegt, bilden diese Distanzmessungen 
ein gutes Mittel, Übung in solchen Beobachtungen, wozu sich auf hoher See sonst 
keine Gelegenheit bietet, zu erlangen. Erschwert wird diese Beobachtung noch 
dadurch, daß die Sterne in dem hellen Kopfe des Kometen zu verschwinden 
drohen. Die Reduktion der scheinbaren Distanzen auf wahre geschieht in gleicher 
Weise wie die Reduktion der Distanzen des Mondes von Fixsternen, Die Parallaxe 
des Kometen, die von dem Abstand desselben von der Erde abhängt, ist den 
Seefahrern nicht bekannt, die Reduktion der Beobachtungen muß daher auf 
spätere Zeit verschoben werden, 
Bei Tage kommt als Distanzobjekt nur die Sonne in Betracht, Um noch 
eine zweite Standlinie zu erhalten, beobachte man den Kimmabstand des Kometen. 
Erforderlich ist, daß bei beiden Beobachtungen derselbe Punkt des Kometen 
eingestellt wird, was nicht leicht sein wird. Bei allen Beobachtungen müssen 
die Instrumentalfehler sowie der Schiffsort mit angegeben werden, 
Kimmabstände verbunden mit einer Kompaßpeilung (in dieser Form sind 
die Beobachtungen häufig angegeben) haben keinen Wert, Beobachtungen, die 
an die Redaktion dieser Zeitschrift eingesandt werden, sollen mit einer Ephemeride 
verglichen und das Ergebnis später bekannt gegeben werden. Wd. 
1. Beobachtung der Venus bei Tage. Zu dem Aufsatz in den »Annalen 
der Hydrographie« Heft XII über »Beobachtungen von Sternen am Tage« möchte 
ich mitteilen, daß das Verfahren, die hellen Planeten Venus und Jupiter zur Be- 
stimmung des Schiffsortes auf See am Tage zu beobachten, in der Kaiserlichen 
Marine nicht unbekannt ist. Auf den Fahrten $S. M. S. »Vineta« in Westindien in 
den Jahren 19038 und 1904 habe ich die Möglichkeit, Venus am Tage zu beob- 
achten, von dem damaligen Obersteuermann Herrn Laub (jetzt a. D.) kennen ge- 
lernt. Es war also vor 7 Jahren schon ganz bestimmt bekannt, daß sich die Beob- 
achtung der Venus am Tage ausführen läßt, Später habe ich mich häufiger, schon 
der guten Übung wegen, damit beschäftigt, den Schiffsort am Tage aus Beob- 
achtungen von Sonne und Venus oder Jupiter zu bestimmen. 
Diese Art der Positionsbestimmungen ist ganz besonders wichtig in dem Falle, 
daß ein Schiff in der Nähe der den Küsten vorgelagerten Sänden manövriert, 
Das einfache Aufkoppeln der Kurse mit gleichzeitigen Lotwürfen gestattet nicht 
den Schiffsort so sicher wie mit Hilfe zweier sich kreuzenden Standlinien zu 
bestimmen. Am Tage ist mit der häufigen Beobachtung von Sonnenhöhen allein 
nicht so viel gewonnen, wie vielfach angenommen wird. Sind die Beobachtungen 
von stark arbeitendem Schiff ausgeführt, so bringt die Schwierigkeit, gute Beob- 
achtungen zu erhalten, es mit sich, daß die Standlinien starke Unsicherheiten 
zeigen. Sind dann noch die Tiefen der Karte seitlich der Standlinie gleichmäßige, 
so gibt auch das Lot keinen sehr sicheren Anhalt, einen Grund oder eine Rinne 
anzusteuern. Tritt zur Sonnenstandlinie jedoch noch eine diese kreuzende, aus 
Beobachtung der Venus oder des Jupiters gewonnene, und wird außerdem ein 
Lotwurf gemacht, so ist die Position mit wesentlich größerer Sicherheit bestimmt. 
Der große Vorteil der Beobachtungen von Sternen am Tage liegt deswegen vor 
allem darin, daß man mit ihrer Hilfe den Schiffsort in gefährlichen Gewässern, 
sowie zur Ansteuerung schlecht sichtbarer Objekte usw. gut bestimmen kann. 
Auf hoher See oder auf einer einfachen Fahrt von Hafen zu Hafen ist die Be- 
obachtung weniger wichtig, da hier die fortlaufenden Beobachtungen morgens, 
mittags und abends, sowie die erforderlichen Lotungen, Deviationskontrollen usw,., 
meistens ausreichende Sicherheit gewähren, Der einzige Umstand, der meiner 
Ansicht nach die häufigere Beobachtung der Gestirne bei Tage weniger gebräuchlich 
macht, ist, daß sie nicht immer da sind. 
Was die Ausführung der Beobachtungen betrifft, so ist diese in der Tat 
sehr einfach. Man errechnet für den gegißten Schiffsort Höhe und Azimut des 
Gestirns und stellt den gewöhnlichen Oktanten für Nachtbeobachtung mit Doppel-
	        
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