17
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1910,
2. Die Riffe Saumarez, Frederick und Marion im Australischen Korallen-
meer und Stromversetzungen in diesen Gegenden. Bericht von Kapt. H. Schuldt,
D. »Sonneberg«, Der D. »Sonneberg« der Deutsch-Australischen D. G. hat auf
einer Reise von Newcastle N.S. W. nach Manila im Juli 1909 die oben bezeich-
neten Riffe nach der verschollenen deutschen Regierungs-Yacht »Seestern« ab-
gesucht und Kapt. H. Schuldt berichtet in seinem meteorologischen Tagebuch
darüber das folgende:
»Wir verließen Newcastle am 16. Juli mit einer vollen Ladung Kohlen und
25%, Fuß Tiefgang und passierten Kap Sandy am 19. Juli in 16 Sm Abstand. Von
hier setzten wir unsern Kurs auf die Südseite von Saumarez-Riff und erwarteten,
es um 8b V am 20. Juli in Sicht zu bekommen. Es war jedoch um 9’/,»* V noch
nicht zu sehen, und da wir vermuteten, daß uns eine westliche Strömung versetzt
habe, steuerten wir nach Osten. Mittags, den 20, Juli, befanden wir uns nach
Beobachtungen auf 22° 1’ S-Br, in 153° 51’ O-Lg. und waren bis dahin von Kap
Sandy aus in 21 Stunden 23 Sm nach rw. S5°W versetzt. Wir setzten jetzt
unsern Kurs von neuem auf die Südseite des Riffs und sichteten es um 1b N in
WNW. Gegen 11% V war Hochwasser gewesen, es war also etwa halbe Ebbe,
dabei war das Riff auf etwa 6 Sm Entfernung, besonders durch die aus dem
Wasser hervorragenden Felsen, deutlich bemerkbar. Als wir uns dem Riff auf
21/, Sm genähert hatten, steuerten wir an seiner Südseite entlang, bis Süd Cay
vom Mast aus deutlich gesehen wurde, dann fuhren wir in 21, Sm Entfernung
an der Ostkante des Riffs entlang nach Norden, Es war etwas bewegte See bei
SO-Wind, Stärke 3; dabei konnte man die Grenze des Riffs in 2'/, bis 3 Sm
Abstand sehr deutlich sehen. Innerhalb des Riffs erschien das Wasser bedeutend
heller. Eigentlich beabsichtigten wir zu ankern und eine Landung zu machen,
wir gaben es aber wegen der vorgerückten Tageszeit auf,
Von Osten her ist die Ansteuerung des Riffs bei klarem Wetter und gutem
Ausguck vom Mast aus nicht gefährlich, Die Lage des Riffs wurde mit unseren
astronomischen Beobachtungen — unsere Chronometer waren zuletzt noch in
Newcastle täglich durch den Zeitball kontrolliert — in Übereinstimmung gefunden.
Nach 9° N nahmen wir den Kurs nach dem Frederick-Riff auf, stoppten
um 11b und setzten gegen Tagesanbruch am 21. Juli wieder zu. Das Riff kam
um 83,4 in Sicht, und nachdem wir auf 2'!/, Sm hinangedampft waren, umfuhren
wir seine Südostseite in diesem Abstande. Um 10’!/,% V stoppten wir und sandten
bei stillem Wetter und ruhiger See ein Boot zum Landen ab. Das Frederick-
Riff ist auf größere Entfernung nicht so deutlich sichtbar wie das Saumarez-Riff,
doch sind in einem Abstande von 2 bis 3 Sm die Ränder der Süd- und der Ost-
kante genau sichtbar. Innerhalb des Riffs ist sehr ruhiges, klares und hell
erscheinendes Wasser, im Süden sind mehrere kleine Cays, die nur einige Fuß
über das Wasser emporragen, der Ost Cay (wohl der auf der engl. Adm. Karte
Nr. 349 als Observ, Cay bezeichnete) ist ungefähr 5m hoch, 300 m lang und
halb so breit. Er besteht fast nur aus runden Steinen und Muscheln auf Korallen-
grund, es nisteten eine Menge Seevögel darauf, und nach Ansicht der Boots-
besatzung ist er geeignet, einer schiffbrüchigen Mannschaft auf längere Zeit
Zuflucht zu gewähren; an seiner Innenseite ist eine gute Landungsstelle. Die
Nordkante des Riffs ist weniger deutlich sichtbar als seine Südkante, bei einer
Annäherung ist deshalb große Vorsicht geboten. Mittags, den 21. Juli, fanden
wir unsern Schiffsort nach astronomischen Beobachtungen und nach Peilungen
des Riffs übereinstimmend auf 20° 56’ S-Br. und 154° 28’ O-Lg. Während wir
gestoppt lagen, wurde eine leichte Stromversetzung nach der in der Karte an-
gegebenen Durchfahrt des Riffs hin bemerkt; dagegen wurde während der Fahrt
vom Saumarez- nach dem Frederick-Riff keine erhebliche Stromversetzung
gefunden,
Um 1% 35min N nahmen wir den Kurs nach der Südostseite des Marion-
Riffs auf und sichteten es am anderen Morgen um 7!/,%® gleichzeitig vom Mast
und von der Brücke aus. Nach ganz kurzer Zeit waren wir in etwa 2!/, Sm
Abstand davon, hatten also das Riff trotz scharfen Ausgucks und trotz bewegter
See erst aus ziemlicher Nähe bemerkt: nach dem Besteck hätten wir es erst um