Schott-Schu: Die Wärmeverteilung in den Tiefen des Stillen Ozeans.
vollen Arbeit hingewiesen; ebenso begreiflich ist aber im Hinblick auf das stark
vermehrte und qualitativ sich verbessernde Beobachtungsmaterial, daß die hier
gebotenen neuen Karten nicht wenige ganz neue Gesichtspunkte ergeben haben.
Auch können wir uns mit wesentlichen Grundanschauungen Buchans über die
Ursachen der Wärmeverteilung der Tiefsee’‘ nicht gut einverstanden erklären.
Endlich dürfte in.unserer Arbeit die Wahl sowohl der flächentreuen Karte als auch
der Meter- und Celsiusangaben eine den Ozeanographen willkommene, fort-
schrittliche: Abänderung bedeuten.
Betrachten wir nun zunächst die großen Charakterzüge der Wärmever-
teilung in der pazifischen Tiefsee. ;
$ 8. Die Temperaturen in den verschiedenen Tiefenhorizonten.
Für 0m Tiefe (Taf, 1) dürfen nachstehende Tatsachen der Temperaturver-
teilung als wesentlich hervorgehoben werden, . Erstens, daß in den höheren und
mittleren Breiten beider Halbkugeln die Wärmelinien fern von jedem Land
in der Hauptsache westöstlich verlaufen, und zwar ohne gar zu große Unter-
schiede in der Lage der einzelnen Isothermen auf N-, bzw. S-Breite; so verläuft
die 10°-Isotherme etwa auf. 45° N- und auf 48° S-Br., die 20°-Isotherme auf rund
32° N- und auch auf 32° S-Br. usw.
Zweitens: in der Nähe der Küsten treten Abweichungen von dem regel-
mäßigen Verlauf auf, und zwar ist in den höheren nördlichen Breiten, nördlich
von 50° N-Br. die asiatische Seite des pazifischen Meeres — die Nebenmeere
bleiben zunächst außer Betracht — kälter als die amerikanische; in den mitt-
leren nördlichen Breiten sind aber umgekehrt die japanischen Gewässer wärmer
als die gegenüberliegenden kalifornischen, Einem Jahresdurchschnitt von 4 bis
5° bei den Kurilen steht ein solcher von 9 bis 11° bei den Königin Charlotte-
Inseln und Vancouver gegenüber; außerhalb der Bucht von Yokohama unter 35°N-Br.
Finden ‚wir anderseits 19 bis 20°, zwischen San Francisco und Diego dagegen nur 14
bis 15°, — In den mittleren südlichen Breiten ist ebenfalls die westliche Seite
wärmer als die östliche; Sydney und Valparaiso liegen auf derselben geographi:-
schen Breite, das Meerwasser vor Sydney erreicht aber eine Jahrestemperatur von
mehr als 20°, das vor Valparaiso nur eine solche von annähernd 15°. Ob endlich
in den höheren südlichen Breiten, also südlich von 50° S-Br., dieses thermische Ver-
hältnis zwischen West und Ost wiederum sich umkehrt. entsprechend den Nord-
Breiten, läßt sich bis heute nicht entscheiden.
Drittens: in der tropischen Zone beherrscht der durchgreifende Gegensatz
zwischen der westlichen und der östlichen Hälfte des Ozeans die thermische
Sachlage. Einer Jahrestemperatur von 28° und darüber im Bereiche des Bismarck-
Archipels, der Karolinen, Marschall-Inseln, Salomonen u. s,. f. steht eine solche von
nur 22° bei den Galapagos gegenüber, und daß in den Einzelmonaten die Unter-
schiede noch erheblich größer werden, bis zu 10° und mehr in Einzelfällen, lehrt
ein Blick in die Arbeit von C. Puls!) oder auf die schönen Karten im Atlas des
Stillen Ozeans?), Taf. 6 bis 9. Das zungenförmige Vordringen der Isothermen nach
Westen unter dem Äquator fällt. im ganzen Kartenbilde unserer Taf, 1.am meisten
auf; doch wolle man ebenso sehr auch die an. der Westküste Zentralamerikas
bemerkbaren Flächen vergleichsweise. warmen Wassers beachten, sie stellen eben-
falls einen wichtigen, auch in den tieferen Schichten vorhandenen Charakterzug
der tropischen Gebiete dar, und finden im Atlantischen- Ozean ihr Gegenstück
im Golf von Guinea, . .
Unter Heranziehung der Oberflächenströmungen gelingt es wohl im ganzen,
eine befriedigende Erklärung für die erwähnten Besonderheiten der Verteilung
der pazifischen Oberflächentemperaturen zu geben; abgesehen natürlich von den
allgemeinen Insolationsunterschieden, sind’ die Strömungen im gewöhnlichen Sinn
des Wortes in erster Linie maßgebend. Das ändert sich schon etwas ..
1) Oberflächentemperaturen usw. des Äquatorialgürtels des Stillen Ozeans, in »Aus' dem Archiv
der Seewarte«, Band XVIII, Heft 1, 1895. . .
2) Hrgg. von der Seewarte, Hamburg 1896. ©