180 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1910.
werden; dieselben können auch dann gleich an die Stadt holen. Ein Gesundheits-
paß wird stets verlangt.
Zollbehandlung ist gut. An Schiffspapieren werden 3 Manifeste, 2 Vor-
ratslisten und Meßbrief verlangt.
Ankerplatz auf der Reede. D. »Augustus« ankerte während einer Nacht
mit einem Anker und 140 m Kettenlänge !/, Sm südlich von der Heultonne auf
16.5 m Wasser über Sand- und Schlickgrund. Bei stürmischen südlichen Winden
bieten die Ankerplätze vor der Barre Schiffen keine Sicherheit.
Gezeiten und Gezeitenströme. In der Regel findet nur ein Hochwasser in
24 Stunden statt. Der mittlere Tidenhub beträgt 0.3 m. Der größte Tidenhub,
0.5 m, tritt ein bei Neu- und Vollmond und größter Deklination des Mondes, der
geringste, 0.1 m, bei erstem und letztem Viertel und Mond im Aquator. Im
übrigen sind die Gezeiten und Gezeitenströme auch sehr von der Richtung und
Stärke der herrschenden Winde abhängig. Seewinde erhöhen den Wasserstand
in der Bucht, nördliche Winde vermindern ihn. Der Flutstrom zeigt Neigung
auf Sand-Eiland zu setzen, während der Ebbstrom der Richtung der Main Ship-
Durchfahrt folgt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit, mit der Flut- und Ebb-
strom durch diese Durchfahrt setzen, beträgt etwa 2 Knoten. In dem nach Mobile
führenden Kanal setzt der Strom im allgemeinen mit etwa 1 Knoten Geschwin-
digkeit in der Richtung der Bucht auf und nieder, doch ist seine Richtung zum
großen Teil von der Richtung und Stärke des herrschenden Windes abhängig.
Kapt. G. Koopmann schreibt: »Die Stärke der Strömung in der Bucht und
im Kanal ist stark vom Winde abhängig. Starker südlicher Wind staut das
Wasser in der Bucht auf, tritt dann nördlicher Wind ein, so setzt der Strom mit
großer Geschwindigkeit nach See zu.«
Barre. Vor der Einfahrt zur Main Ship-Durchfahrt liegt eine Barre, die
als Bindeglied der Untiefen gelten kann, die sich südlich von der Fort Gaines-
und Mobile-Huk nach See zu erstrecken. Eine 84 m breite und 8.5 m tiefe Fahr-
rinne führt über die Barre. Schiffe bis zu 7.3 m Tiefgang können unter normalen
Verhältnissen die Barre kreuzen; bei stürmischen südlichen Winden sollten aber
Schiffe von mehr als 5.5 m Tiefgang nicht versuchen, über die Barre zu fahren,
Für kleine Fahrzeuge wird bei steifen südlichen Winden die See auf der Barre
während des Ebbstromes gefährlich.
Wind, Wetter, Klima. Die vorherrschenden Winde sind im Frühling südlich
und südöstlich, im Sommer südlich, im Herbst nördlich und im Winter nördlich
und östlich. Die südlichen Winde wehen im Sommer, die nördlichen im Winter
am stärksten. Heftige Norder treten im Winter auf und wirken so ungünstig
auf die Wasserverhältnisse der Bucht ein, daß tiefer gehende Schiffe oft nicht
genügend Wasser im Kanal haben.
Nebel tritt häufig am Anfange des Frühlings bei südlichen Winden auf;
bei nördlichen Winden klart es wieder ab.
Über das Klima schreibt Kapt. G. Koopmann: »Die Temperatur im Sommer
erreicht kaum diejenige von New Orleans, Da jedoch die Luft wohl infolge der
flachen und sumpfigen Ufer des Flusses stets starken Feuchtigkeitsgehalt hat,
so macht sich hier die Temperatur viel drückender fühlhar als in New Orleans,
Während der Monate August und September ist die Stadt voll von Malaria-Fieber.«
Während des Aufenthaltes der Dampfer »Asia« und »Augustus« war der
Gesundheitszustand am Orte gut, und es kamen keine klimatischen Krankheiten
an Bord vor.
Einsteuerung. . Bis zum Fort Morgan können Schiffe allenfalls ohne Lotsen-
hilfe laufen, zum Befahren des nach Mobile führenden Kanals ist Lotsenhilfe
aber notwendig.
Beim Einlaufen bringe man, sobald man sich auf 18 m Wasser befindet
und die schwarz und weiß senkrecht gestreifte Heultonne gesichtet hat, das
vordere Feuer (Oberfeuer) von Sand-Eiland in die Mitte zwischen den beiden
hinteren Feuern und kreuze auf dieser Richtlinie die Barre. Die schwarze,
stumpfe Tonne Nr. 1 bleibt hierbei an B-B., die rote, spitze Glockentonne Nr. 2
an St-B. Kommen die Richtfeuer auf der Mobile-Huk in Linie, so ändere man