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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

L78 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1910. 
im Staate Alabama; eine ihrer Mündungen führt den Namen Mobile-Fluß. Die 
Einfahrt zur Bucht ist zwischen Fort Morgan auf der Mobile-Huk im Osten und 
Dauphin-Eiland im Westen etwa 2°/, Sm breit; sie wird aber durch Untiefen und 
Inseln, die sich 4 bis 5 Sm nach See zu erstrecken, sehr eingeengt. Verschiedene 
Fahrwasser führen zwischen diesen Inseln und Untiefen hindurch nach der Bucht; 
von ihnen kommt jedoch für die Schiffahrt nur der Main Ship Channel in Be- 
tracht. Die Wassertiefe in diesem Fahrwasser schwankt innerhalb der 8.5 m 
tiefen Fahrrinne über die Barre bis hinauf zum Lower Fleet-Ankerplatz zwischen 
5.8 und 20 m. Von hier aus hat man durch die ganze Länge der Bucht eine 
61 m breite und 6.7 m tiefe Fahrrinne ausgebaggert, die es auch größeren Schiffen 
ermöglicht, nach den Hafenanlagen von Mobile zu gelangen, Mit dem Mississippi- 
Sund ist der südwestliche Teil der Bucht durch mehrere Durchfahrten ver- 
bunden; die tiefste von ihnen, der Grants-Paß, hat jedoch nur 1,8 m Wassertiefe, 
Landmarken. Die Küste von Pensacola bis zur Mobile-Bucht ist im all- 
gemeinen niedrig; kahles Land und Baumgruppen wechseln miteinander ab, 
Von der Perdido-Bucht jedoch nach Westen zu bis auf einige Seemeilen Abstand 
von der Mobile-Huk ist die Küste etwas höher und zeigt eine größere Anzahl 
kleiner Sandhügel mit verkrüppelten Tannen. Weiterhin wird sie dann wieder 
niedrig und flach mit Baumgruppen und dazwischen liegenden kahlen Stellen, 
Westlich von der Mobile-Bucht erstrecken sich verschiedene schon unter Pascagoula 
in Heft 59 des »Piloten« angeführte Inseln, die den Mississippi-Sund vom Golf 
von Mexiko trennen, Diese sind im allgemeinen auch niedrig und kahl und zeigen 
mit Ausnahme von Horn-Eiland nur an einigen Stellen etwas Baumwuchs. Wenn 
diese Küstenstriche auch keine hervorragenden Landmarken aufweisen, so kann 
doch der Schiffsführer durch sie bei klareın Wetter leicht feststellen, ob er sich 
westlich oder Östlich von der Einfahrt zur Mobile-Bucht befindet, da die Küste 
Östlich von der Bucht im Gegensatz zu den Inseln westlich davon als ununter- 
brochene bewaldete Landstrecke erscheint. Als erste gute Landmarke wird, wenn 
man sich von Südosten her der Einfahrt zur Bucht nähert, der Leuchtturm auf 
der Sand-Insel in Sicht kommen, später der auf der Mobile-Huk; von Westen 
kommend sichtet man zuerst die Bäume auf Dauphin-Eiland. Bei Nacht bilden 
die Leuchtfeuer von Sand-Eiland und der Mobile-Huk gute Landmarken, Zum 
Einlaufen in die Bucht und weiter bis hinauf zur Stadt, dienen Tonnen und Baken 
als Anhalt. Siehe auch unter Landmarken bei Pascagoula in Heft 59 des »Piloten«.« 
Ansteuerung. Für vom Osten kommende Schiffe führt von der roten, 
spitzen Tonne vor Kap San Blas ein rw. 284° (mw. W7’/N)-Kurs in die Nähe der 
Heultonne vor der Einfahrt zur Mobile-Bucht. Für vom Süden kommende Schiffe 
ist das Lot der beste Anhalt, da die Wassertiefe nach Land zu allmählich ab- 
nimmt. Schiffe können mit Sicherheit bis auf 12.8 m Wassertiefe an die Küste 
heranlaufen und, wenn sie Land gesichtet, auf dieser Tiefe westwärts steuern, 
bis der Leuchtturm auf Sand-Eiland in Sicht ist. Bei stürmischem Wetter mit 
Winden aus südlicher Richtung sollten jedoch tiefer gehende Schiffe guten Abstand 
von der Küste halten, da sie dann vor der Mobile-Barre nicht mit Sicherheit 
ankern können. Sicheren Ankerplatz finden sie dann nur unter den Chandeleur- 
Inseln. Bei Nacht überschreite man nicht eher die 18 m-Grenze, als bis man das 
Feuer des Leuchtturms auf Sand-Eiland gesichtet hat. (Siehe Ship-Eiland und 
Gulfport in Heft 59 des »Piloten«.) 
Kapt. J. Bockholt sehreibt: »Am 30. November, abends 9 Uhr, sichteten 
wir das Feuer von Sand-Eiland. In etwa 6 Sm Abstand von der Einfahrt machten 
wir Lotsensignale, Als auf wiederholte Signale keine Antwort erfolgte, ließ ich 
die Maschine langsam gehen. Nachdem ich noch mehrere Male die Signale ge- 
zeigt hatte und keine Antwort bekommen, stoppte ich die Maschine in ungefähr 
4 Sm Abstand vom Leuchtturm, um abzuwarten, ob ein Lotse abkäme. Der Wind 
wehte frisch aus NNO und »Augustus« vertrieb stark nach Westen; nach Peilungen 
setzte der Strom mit 2!/, bis 3 Sm Geschwindigkeit. Man sollte deshalb nachts 
nicht zu nahe an die Einfahrt hinanlaufen, da man sonst leicht auf die West- 
bank treiben kann. Da auf wiederholte Lotsensignale keine Antwort erfolgte, 
ankerte ich um 11 Uhr mit St-B.-Anker und 140 m Kettenlänge !/, Sm südlich
	        
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