172 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1910.
hier meines Erachtens ganz besonders am Platz, weil unter Umständen schon
eine Standlinie in Verbindung mit einem zeitweise sichtbaren Flußlauf oder mit
einer Eisenbahnlinie vorteilhaft für die Ortsbestimmung ausgenutzt werden kann.
Die folgende Erörterung soll zur Herleitung einer brauchbaren Rechnungs-
art dienen.
Die Marineformel berechnet nur die Höhe h aus g@, 60, t; das Azimut wird
durch besondere Tafeln auf etwa 1 Grad genau ermittelt. Diese für Höhen-
standlinien völlig ausreichende Genauigkeit genügt nicht, wenn — wie hier er-
forderlich — das berechnete Azimut mit dem gemessenen verglichen werden soll.
Für eine Ortsbestimmung nach Höhe und Azimut sind daher solche Formeln an-
zuwenden, welche die Höhe — oder die Zenitdistanz (z = 90° — h) — und das
Azimut mit der erforderlichen Genauigkeit liefern, Auf die Auswahl solcher
Formeln komme ich später zurück, vorläufig sei vorausgesetzt, daß im an-
genommenen Beobachtungsort O aus mittlerer Greenwicher Zeit (m Gr) und
Länge A der Stundenwinkel t und demnächst aus Breite g, Deklination 6 und t
die Zenitdistanz z und das Azimut @ des Gestirns entsprechend der Genauigkeit
der Messungsergebnisse berechnet sei, Es mögen bezeichnen:
b, = die beobachtete Zenitdistanz,
daraus b = b, + red = die wahre Zenitdistanz.
Nach den Vorschriften der Höhenmethode trägt man z—b von.O aus in der
Azimutrichtung ab und findet so (s. Fig. 1, Taf. 24) den »Bestimmungspunkt« 1
und in diesem senkrecht zur Azimutrichtung die Höhenstandlinie S(—) S +.
Sie sei, vom Gestirn aus gesehen, nach rechts positiv, nach links negativ benannt:
1. S/4) = positiver Ast; 1. S (—) = negativer Ast der Höhenstandlinie,
Ferner sei:
Ay = das gemessene mißweisende Azimut im wahren Beobachtungsort 2.
A-— A, = die im Punkt 1 herrschende Mißweisung (Mw 1). Sie wird bei
Abweichung der Nordnadel nach Osten positiv, bei Abweichung
nach Westen negativ benannt. In Deutschland ist das letztere
der Fall.
die Entfernung 1-2.
das Verhältnis der Mißweisungsänderung zur Ortsänderung in
Richtung der Höhenstandlinie. Wenn der Absolutwert der Miß-
weisung mit dem positiven Ast der Höhenstandlinie wächst, so
hat u das Vorzeichen der Mißweisung, anderenfalls das entgegen-
gesetzte. In Deutschland, wenn die Sonne Einstellungsobjekt,
ist u im allgemeinen positiv.
So wird: A— Ay + #0 = Mißweisung in 2 = Mw 2;
also: A-+4 0 = Ay + Mw 2 = Rechtweisendes Azimut in 2,
Die Azimute werden hierbei von der Nordrichtung nach Osten bis 360°
gezählt. Man kann das rechtweisende Azimut in 2 aber noch auf andere Weise
finden, Mit bezug auf den durch O gehenden Hauptmeridian sei:
c, = die Meridian-Konvergenz in 1,
CC, = die Meridian-Konvergenz in 2; also
ce = Vi-tigg,; worin v, = (z — b) sin @
—C2 = 0:C08@-tg@,: Somit
© = Vi -igO,—0-C08wW-tg g,; aus der Fig. 1, Taf, 24, folgt:
6 +@® +0 = das rechtweisende Azimut in 2,
Wir haben also:
5 @-+ yigg, — 00080 KO = Ar uo.
Es ist aber in dem sphärischen Dreieck M.1-2-:
sing = tgb-tgE; oder immer hinreichend genau:
GG = E-tgz; also:
5 = A—w— v7, IB gp, 4 0008 @ tg p, + u 0
9 = (A— 0 — vi ig g,) tg z + o (tg zZ cOs ® tg 9, + # ig z}
9.