Brehmer: Genauigkeit und Wert von Kimmtiefenmessungen.
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sogar 3 bis 4’ ansteigen können, werden in keiner der vorliegenden Beobachtungen
überschritten, In Meeresteilen mit geringen Temperaturverschiedenheiten ergibt
sich eine oftmals recht befriedigende Übereinstimmung zwischen der Rechnung
und der Messung. Es ist leicht möglich, daß einige stärkere Abweichungen auf
Störungen des Lufttemperaturgefälles infolge von Niederschlägen oder geringerer
Windstärke zurückzuführen sind, es ist aber auch möglich, daß bei der Vielheit
der Momente, welche auf die Strahlenbrechung einwirken und sie verursachen,
eine völlig befriedigende zahlenmäßige Darstellung. der Refraktion nicht möglich
ist, zumal nicht im letzten Verlaufe des Lichtstrahles an der Kimm, wo infolge
schneller Dichtenänderung der Luftschichten die Brechung des Lichtstrahls un-
regelmäßig verlaufen dürfte.
Über astronomische Ortsbestimmung im Luftschiff.
(Hierzu Tafel 24.)
In letzter Zeit ist in Fachzeitschriften wiederholt die Frage der astrono-
mischen Ortsbestimmung im Ballon und Luftschiff erörtert worden, und zahl-
reiche Methoden sind vorgeschlagen. Herrn Professor Dr. Marcuse gebührt das
Verdienst, den Gegenstand eingehend angeschnitten zu haben. Wie aber
Herr Professor Dr. E. Kohlschütter im Oktoberheft 1909 der »Marine Rund-
schau« — »Zur Frage der astronomischen Ortsbestimmung im Ballon« — nach-
weist, gewähren die von Herrn Professor Marcuse vorgeschlagenen Rechnungs-
arten nicht in allen Fällen die erforderliche Genauigkeit. In der Tat ist nicht
einzusehen, warum die von Herrn Professor Marcuse für nicht zweckmäßig er-
achtete Methode der Standlinien nach Marcq St. Hilaire, die auf Schiffen fast
ausschließlich angewendet wird, für das Luftschiff nicht geeignet sein soll. Für
die Ortsbestimmung in der Nacht nach zwei Sternhöhen dürfte es schwer fallen,
eine zuverlässigere und dabei einfachere Rechnungsart zu finden, als die in der
Marine übliche nach Standlinien.!)
Das Rechnen in der Gondel ist aber noch schwieriger als an Bord, und
der Luftschiffer hat im allgemeinen nicht die Übung wie der Navigationsoffizier.
Herr Oberlehrer Dr. Johannes Möller schlägt daher in den »Illustrierten
Aeronautischen Mitteilungen«, November 1909, Heft 22, vor, eine Tafel herzu-
stellen, welche für die Deklinationen der in Frage kommenden Fixsterne, für die
Breiten und Stundenwinkel — Intervall = 1° — die Höhen und Azimute ent-
hält. Dadurch würde gewiß ein Teil der Rechenarbeit erspart werden können,
Ohne eine gewisse Fertigkeit im praktischen Rechnen wird aber eine rasche
Ortsbestimmung nicht gelingen, denn schon die Benutzung des »Nautischen Jahr-
buchs«, die Berechnung des Stundenwinkels, die sich keinesfalls vermeiden läßt,
birgt Fehlerquellen, nach meiner Ansicht mehr, als die einfache, schematische
Berechnung der Höhe nach der »Marineformel«, Ich bin daher der Meinung,
daß für die Ortsbestimmung in Luftschiffen nach zwei Gestirnen die Rechnung
sich am besten eng an das auf Schiffen übliche bewährte Verfahren anschmiegen
sollte, und daß unsere Luftschiffer diese Methode beherrschen müßten, Ent-
sprechend der — vorläufig noch — geringeren Genauigkeit der Messungs-
ergebnisse in Luftschiffen würden hier vierstellige Logarithmen genügen.?)
Nun verlangt aber die Luftschiffahrt bei Tage die Ortsbestimmung aus
einer gemessenen Sonnenhöhe und einem gepeilten Sonnen-Azimut, Für diesen
Fall ist der Wert der Standlinienmethode sehr verschieden beurteilt, sie ist aber
1) Vgl. »Leitfaden für den Unterricht in der Navigation«, S. 139 ff, Berlin 1905, Ernst
Siegfried Mittler und Sohn und »Nautische Tafeln«, herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt,
Kiel 1903, Universitätsbuchhandlung von Paul Töche.
2) Vgl. Marine-Rundschau, Dezember 1902, »Vierstellige oder fünfstellige Logarithmen für
Nautische Tafeln« von Dr. Kohlschütter; und »Astronomische Ortsbestimmung im Ballon« von
Prof. Dr. Adolf Marcuse, $. 7 und 21.