150 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1910.
kälteren Gebieten auf die im Mai stark erwärmten Landgebiete bringt. Dem ab-
kühlenden Einflusse des Regens ist wohl auch die durchschnittlich um 2° niedrigere
Lufttemperätur der Inseln im Malaiischen Archipel, verglichen mit der Oberfläche
der umgebenden Meere, zu danken. In den gleichen Monaten, in denen sich an
der Somali-Küste die Isothermen als Kälte-Inseln nach Norden ausbuchten, schieben
sie sich als Wärme-Inseln. (im Südwinter) nach Süden über das Gebiet des Agulhas-
stromes vor, sich im Westen den Küstenumrissen anschmiegend.
Auch bei dem Ostasien begrenzenden Meeresgebiet sehen wir einen engen
Zusammenhang zwischen Luft- und Wassertemperatur; die Luft-Isothermen ver-
laufen hier ebenso wie die Wasser-Isothermen dichtgedrängt in nordost-—süd-
westlicher Richtung im Winter, während im Sommer das Gebiet bis über 30° N-Br.
gleichmäßig über 25° erwärmt ist. Die Ursache hierfür finden wir in der winter-
lichen, kalten Luftströmung aus dem Innern des Festlandes, die sich erst erwärmt,
wenn sie die kühle Küstenströmung überschritten hat.
Eine neue deutsche Antarktische Expedition.
Von Dr. W. Brennecke,
Als im Jahre 1908 nach der Rückkehr der deutschen Südpolar-Expedition
unter E. v. Drygalski das vortrefflich bewährte und eigens für Polarschiffahrt
gebaute Schiff »Gauß« vom Reich an Kanada veräußert wurde, war man wohl
allgemein der Ansicht, daß in absehbarer Zeit eine Beteiligung Deutschlands an
der Lösung der antarktischen Probleme nicht zu erwarten sei; auch lag zunächst
ja die Aufgabe vor, das von der jüngsten Expedition gesammelte Beobachtungs-
material zu bearbeiten, um zu wissen, worauf künftige Expeditionen ihr Augenmerk
zu richten haben würden. Von den an der internationalen Kooperation beteiligten
Nationen hatte nur England, das 1901/03 unter Scott einen erfolgreichen Vor-
stoß nach Süden (bis 82° 17’) von seiner günstigen Basis, dem Ross-Meer, aus-
geführt hatte, eine neue Expedition entsandt. Ihrem Führer Shackleton,
einem der Teilnehmer der Scottschen Expedition, gelang es 1908/09 die hohe
Breite von 88°23’ Süd zu erreichen. In der West-Antarktis hatte der Franzose
Charcot in den Jahren 1903/05 und 1908/10 zwei Expeditionen ausgeführt,
jedoch war es ihm nicht geglückt, auf dem gemutmaßten antarktischen Kontinent
nach Süden vorzudringen.
Die Erfolge der Engländer haben das Interesse für die antarktische
Forschung neu belebt, so daß in diesem Jahr sowohl eine neue englische
Expedition unter Scott wieder vom Ross-Meer aus und gleichzeitig eine amerika-
nische unter dem erprobten Kapitän Pearys, Bartlett, vom Weddell-Meer aus
die Erreichung des Südpols versuchen will; eine von Bruce, dem Führer der
»Scotia«-Expedition geplante Forschungsreise nach dem von ihm entdeckten
Coats-Land wird wahrscheinlich im Jahre 1911 zustande kommen. Besondere
Erwähnung gebührt hier in diesem kurzen Überblick der argentinischen
Regierung, die auf den dem Weddell-Meer vorgelagerten Inselgruppen Süd-
Georgien und Süd-Orkney-Inseln kleine Observatorien für meteorologische und
magnetische Forschungen eingerichtet und, soweit bekannt, bis zur Jetztzeit
unterhalten hat.
In Deutschland hatte man in den letzten Jahren nichts von antarktischen
Plänen gehört, trotzdem seinerzeit Deutschland, wo das Interesse für die Süd-
polarkalotte jahrzehntelang durch die Vorträge v, Neumayers wach gehalten
worden war, die Initiative zu dem internationalen Zusammenschluß ergriffen
hatte. Um so freudiger ist allgemein die Nachricht begrüßt worden, daß auch
von deutscher Seite aufs neue die antarktische Forschung in Angriff genommen
werden soll. In der Märzsitzung der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin konnte
der durch seine zentralasiatischen Reisen, besonders durch seine in Gemeinschaft
mit Tafel ausgeführte Expedition nach Ost-Tibet bekannte Forscher, Ober-
leutnant Filchner, mitteilen, daß der Grundstock für eine deutsche antarktische
Expedition vorhanden sei, die mit zwei Schiffen nach der Weddell-See und der