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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

148 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1910. 
bald West-, bald Öststrom verzeichnet finden, sehen wir auf der Septemberkarte 
hier ausgesprochenen Oststrom mit etwas nördlicher Tendenz, Es dürfte dem- 
nach eine der Hauptursachen für die zwischen 30° und 40° S-Br. auftretenden 
großen Amplituden der Oberflächentemperatur in dem im Südwinter verstärkten 
Andrang kalten Wassers höherer Breiten gegen das warme Wasser niedrigerer 
Breiten zu suchen sein. 
Der größte Teil des äquatorialen Indischen Ozeans hat fast das ganze 
Jahr eine Temperatur von 27° bis 28°, nur der westliche Teil ist in den Monaten 
August und September niedriger temperiert, so-daß die 25°-Isotherme vom 
Äquator parallel der Somali-Küste und der Südostküste Arabiens verläuft und 
die Küste Asiens etwas westlich von den Indus-Mündungen erreicht. Es ist dies 
eine Folge des mächtig entwickelten SW-Monsuns, der an erstgenannten Küsten 
starken Auftrieb von Tiefenwasser bewirkt, so daß dicht unter Land im Juli- 
August Temperaturen bis herunter zu 17° angetroffen werden (im Juli an der 
Somali-Küste zuweilen sogar nur 15°!)!) Dieses abnorm kalte Küstenwasser 
beeinflußt naturgemäß auch die Temperatur der Östlich sich anschließenden 
Teile des Indischen Ozeans, vielleicht treten auch in diesem Gebiet selbst noch 
Auftriebserscheinungen infolge Zerrung auf. 
Die höchsten Temperaturen kommen im Nordindischen Ozean im Mai vor. 
Wir finden hier Gebiete mit Temperaturen über 30° im Andamanischen Rand- 
meer, im Golf von Siam und an der Westküste der Philippinen. Die Bildung 
dieser hohen Temperaturen fällt mit dem Zenitstand der Sonne für diese Breiten 
zusammen; begünstigend wirkt ferner die geringe Windstärke (7 und 14%, 
Windstillen) in diesem trockenen Monat, so daß die ruhige Oberfläche sich stärker 
erhitzen kann, als wenn durch den Seegang eine stetige Vermischung mit den 
tieferen Schichten des Wassers stattfindet, In den folgenden Monaten, in denen 
sich der SW-Monsun kräftiger entwickelt, finden wir im offenen Ozean keine 
Gebiete mehr mit über 30° Monatstemperatur, 
Eine Ausnahme bilden die landumschlossenen Mittelmeere, das Rote Meer 
und der Persische Golf, welche durch die jahreszeitlichen Änderungen in den 
Temperaturverhältnissen der sie umgebenden Landgebiete beeinflußt werden, 
So besitzt im Hochsommer (August) sowohl der größte Teil des Roten Meeres 
wie des Persischen Golfs eine Temperatur über 30°, letzterer sogar im zentralen 
Teil über 321/,°, Selbst im Oktober haben noch große Teile dieser Meere eine 
Temperatur über 30°, doch macht sich in den nördlichen Gebieten schon eine 
Abnahme der Temperatur geltend. Im Persischen Golf werden im November im 
nördlichen Teil vor der Schatt-el-Arab-Mündung Temperaturen von nur 17° an- 
getroffen, während die zentralen Teile immer noch eine Temperatur von 27*/,° 
haben. Der kälteste Monat ist hier der Februar; in diesem Monat liegt die Tempe- 
ratur in der Nordhälfte des Roten Meeres zwischen 20° und 25°, im Persischen 
Golf unter 20° und vor der Schatt-el-Arab-Mündung sinkt die Temperatur auf 
10° bis 12°. Die Erwärmung im Frühjahr geht zuerst langsam vonstatten, am 
bedeutendsten ist die Zunahme der Temperatur in diesen Meeren vom April zum 
Mai und vom Mai zum Juni. 
Den größten jahreszeitlichen Unterschied in der Temperatur der Meeres- 
oberfläche unseres Gebiets finden wir in den ostasiatischen Küstengewässern, wie 
uns ein Blick auf die Kärtchen lehrt. Während im Sommer hier nur die 
271/,°-Isotherme eingezeichnet ist, die im August bis zu 34° N-Br. hinaufgeht, 
sehen wir im Winter in demselben Gebiet dicht gedrängt die Isothermen von 
Nordost nach Südwest verlaufend; wir treffen hier im Februar unter dem 
Wendekreis Temperaturen zwischen 10° und 15°. Die Ursache für diese große 
Schwankung der Meerestemperaturen ist in den Änderungen der Strömungen zu 
suchen. Während des Winters erzeugt der kräftige Nordostmonsun eine aus 
dem Gelben Meer nach Süden setzende Küstenströmung, die längs der chinesi- 
schen Küste sich bis zum Golf von Siam hin durch die kalten Wassertemperaturen 
bemerkbar macht. Weiter nach See zu finden wir dagegen überall das warme 
y Siehe auch die Einzelheiten auf den betreffenden Monatskarten.
	        
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