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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1910. 
Was die Wetterlage im einzelnen betrifft, so herrschte antizyklonales Wetter 
nur vom 5. bis 8. in dem größten Teil des deutschen Küstengebiets; sonst 
stand letzteres dauernd unter dem Einfluß meist im Norden vorüberziehender 
Depressionen. 
Am 1. lag hoher Luftdruck über Südwesteuropa bis Westrußland, und eine 
tiefe Depression mit ihrem Minimum bei Island zog ostwärts weiter. Das Wetter 
blieb ruhig und ziemlich trocken. Am folgenden Tage aber hatte sich die De- 
pression weiter südwärts ausgebreitet und gab stellenweise zu einem Auffrischen 
der Winde aus Südwest Veranlassung; an der Nordseeküste herrschten ver- 
breitete Nebel. Am dritten Januar gewann ein Teilminimum über dem finnischen 
Busen Bedeutung für den äußersten Osten der Ostseeküste; sie rief stürmische 
Winde aus Nordwest hervor, die bis zum 5. anhielten, da ein neues Teilminimum 
nachfolgte. Währenddessen drang das Hochdruckgebiet von der Biskaya-See 
ostwärts vor und lag am 7. und 8. mit seinem Kern über der Gegend der Alpen. 
Deshalb war das Wetter bis zu diesem Tage ziemlich trocken und teils heiter, 
teils neblig. N 
Am 9. aber trat eine durchgreifende Änderung in der Wetterlage ein; ein 
neues Minimum erschien bei Island und zog schnell ostwärts. Es erstreckte 
seinen Wirkungskreis bis tief in den Kontinent hinein und rief stärkere Nieder- 
schläge sowie zunächst an der Nordseeküste, am 10. aber auch vielfach an der 
Ostseeküste stürmische Südwestwinde hervor. 
Bis zum 18. blieb die große Unruhe der Luft bestehen, da eine Depression 
der andern folgte, und diese bei dauernd hohem Luftdruck über Südwesteuropa 
stürmische Südwestwinde hervorriefen, 
Am 19. trat größere Ruhe in der Atmosphäre ein, da sich die noch tags 
zuvor über dem Nordmeere gelegene tiefe Depression in zahlreiche Teilminima 
auflöste, die sich allmählich ausfüllten. Die Temperaturen sanken tiefer, wobei 
vereinzelt Gewittererscheinungen auftraten. Am 21. entwickelte sich über 
Skandinavien ein Hochdruckgebiet, das an Höhe zunahm und sich bis zum 23, 
dort erhielt. Eine flache Depression blieb in Rinnenform zwischen diesem und 
dem westlichen Hochdruckgebiet bestehen, Die Luftbewegung war während dieser 
Tage sehr schwach und der Himmel klarte verschiedentlich auf, so daß für die 
Abkühlung der Luft Gelegenheit gegeben war. Die Temperaturen, die sich bis 
zum 20. dauernd und zeitweise sehr erheblich über dem Gefrierpunkt hielten, 
sanken jetzt unter Null, 
Am 24. näherte sich wiederum eine Depression von Westen her. Sie zog 
mit ihrem Kern an den deutschen Küsten entlang und die Winde frischten stark 
auf, Sie wehten am 24. und 25. stürmisch aus dem Südostquadranten, flauten 
aber am folgenden Tage, bei ihrem weiteren Fortschreiten, ab. Die Temperaturen 
blieben unterhalb des Gefrierpunktes, Während sie unter Verflachung nordost- 
wärts abzog, näherte sich am 28. eine neue Depression von den Britischen Inseln 
her, die annähernd denselben Weg nahm. Auch sie rief zunächst, nämlich am 
28. und 29,, stürmische, südöstliche, rechtdrehende Winde hervor, verflachte aber 
am 30. und bildete an diesem Tage nur noch einen Ausläufer eines bei den 
Lofoten erschienenen Minimums. Die Winde wehten aber noch stellenweise mit 
stürmischer Kraft. Am letzten Monatstage zog vom Nordmeere her ein neuer 
Ausläufer heran, der wiederum ein allgemeines Auffrischen der Winde hervorrief, 
Druck und Verlag von E, S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW, Kochstraße 68—71.
	        
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