i44
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1910.
Was die Wetterlage im einzelnen betrifft, so herrschte antizyklonales Wetter
nur vom 5. bis 8. in dem größten Teil des deutschen Küstengebiets; sonst
stand letzteres dauernd unter dem Einfluß meist im Norden vorüberziehender
Depressionen.
Am 1. lag hoher Luftdruck über Südwesteuropa bis Westrußland, und eine
tiefe Depression mit ihrem Minimum bei Island zog ostwärts weiter. Das Wetter
blieb ruhig und ziemlich trocken. Am folgenden Tage aber hatte sich die De-
pression weiter südwärts ausgebreitet und gab stellenweise zu einem Auffrischen
der Winde aus Südwest Veranlassung; an der Nordseeküste herrschten ver-
breitete Nebel. Am dritten Januar gewann ein Teilminimum über dem finnischen
Busen Bedeutung für den äußersten Osten der Ostseeküste; sie rief stürmische
Winde aus Nordwest hervor, die bis zum 5. anhielten, da ein neues Teilminimum
nachfolgte. Währenddessen drang das Hochdruckgebiet von der Biskaya-See
ostwärts vor und lag am 7. und 8. mit seinem Kern über der Gegend der Alpen.
Deshalb war das Wetter bis zu diesem Tage ziemlich trocken und teils heiter,
teils neblig. N
Am 9. aber trat eine durchgreifende Änderung in der Wetterlage ein; ein
neues Minimum erschien bei Island und zog schnell ostwärts. Es erstreckte
seinen Wirkungskreis bis tief in den Kontinent hinein und rief stärkere Nieder-
schläge sowie zunächst an der Nordseeküste, am 10. aber auch vielfach an der
Ostseeküste stürmische Südwestwinde hervor.
Bis zum 18. blieb die große Unruhe der Luft bestehen, da eine Depression
der andern folgte, und diese bei dauernd hohem Luftdruck über Südwesteuropa
stürmische Südwestwinde hervorriefen,
Am 19. trat größere Ruhe in der Atmosphäre ein, da sich die noch tags
zuvor über dem Nordmeere gelegene tiefe Depression in zahlreiche Teilminima
auflöste, die sich allmählich ausfüllten. Die Temperaturen sanken tiefer, wobei
vereinzelt Gewittererscheinungen auftraten. Am 21. entwickelte sich über
Skandinavien ein Hochdruckgebiet, das an Höhe zunahm und sich bis zum 23,
dort erhielt. Eine flache Depression blieb in Rinnenform zwischen diesem und
dem westlichen Hochdruckgebiet bestehen, Die Luftbewegung war während dieser
Tage sehr schwach und der Himmel klarte verschiedentlich auf, so daß für die
Abkühlung der Luft Gelegenheit gegeben war. Die Temperaturen, die sich bis
zum 20. dauernd und zeitweise sehr erheblich über dem Gefrierpunkt hielten,
sanken jetzt unter Null,
Am 24. näherte sich wiederum eine Depression von Westen her. Sie zog
mit ihrem Kern an den deutschen Küsten entlang und die Winde frischten stark
auf, Sie wehten am 24. und 25. stürmisch aus dem Südostquadranten, flauten
aber am folgenden Tage, bei ihrem weiteren Fortschreiten, ab. Die Temperaturen
blieben unterhalb des Gefrierpunktes, Während sie unter Verflachung nordost-
wärts abzog, näherte sich am 28. eine neue Depression von den Britischen Inseln
her, die annähernd denselben Weg nahm. Auch sie rief zunächst, nämlich am
28. und 29,, stürmische, südöstliche, rechtdrehende Winde hervor, verflachte aber
am 30. und bildete an diesem Tage nur noch einen Ausläufer eines bei den
Lofoten erschienenen Minimums. Die Winde wehten aber noch stellenweise mit
stürmischer Kraft. Am letzten Monatstage zog vom Nordmeere her ein neuer
Ausläufer heran, der wiederum ein allgemeines Auffrischen der Winde hervorrief,
Druck und Verlag von E, S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
Berlin SW, Kochstraße 68—71.