Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1910.
Ausübung seines einschlägigen Berufes sowohl durch Anweisungen und Belehrungen
unmittelbare Hilfsmittel an die Hand geben, als auch durch Darstellung der
Vorgänge und Erscheinungen nach ihrem inneren Wesen seinen Gesichtskreis
zu erweitern und damit nach dem allbewährten Worte: »Wissen ist Macht« ihm
zu nützen suchen. Andererseits wird die Zeitschrift durch Veröffentlichung der
Arbeiten ihres Gebietes und sich daran anknüpfende Diskussion den Fortschritt
zu weiterer Entwicklung, wachsender allgemeiner Erkenntnis und Klärung
schwebender Fragen zu fördern haben, Dies Bestreben, den Fortschritt zu
fördern, weist aber darauf hin, den Inhalt nicht nur auf Gegenstände zu be-
schränken, deren augenblicklicher Nutzen offenbar ist, sondern auch Themata zu
behandeln, die den Keim weiterer Erkenntnis und vielleicht späterer praktischer
Verwertung auf dem Gebiete der »Ann. d. Hydr. usw.« in sich tragen.
Unmittelbar praktische Aufgaben und Kulturaufgaben, deren
wenn auch zunächst zum Teil ferneres Ziel schließlich eine praktische
Ausnutzung in Aussicht stellt, werden sich daher in der Zeitschrift
zum Nutzen der Seefahrt und anderen Seeinteressen zu vereinigen
haben.
Zur Erfüllung dieser Aufgaben bedarf es, wie schon früher bemerkt, in
gleicher Weise der Mitarbeit weitester Kreise, sowohl wissenschaftlicher, wie see-
männischer und technischer: der wissenschaftlichen zur Ergründung und Dar-
stellung der Erscheinungen und Vorgänge nach ihrem innersten Wesen und
Entwicklung von Methoden; der seemännischen zur Mitteilung und Erörterung
der in der praktischen Seefahrt gemachten Erfahrungen und der dabei auf-
tretenden Gesichtspunkte; der technischen zur Vorführung neuer Konstruktionen
und Anweisung für ihren Gebrauch. Dabei kann und darf die Tätigkeit dieser
Kreise an der Mitarbeit für jeden einzelnen nicht eng begrenzt oder gegen-
einander abgeschlossen sein, sondern sie wird im KEinzelfalle um so frucht-
bringender sich erweisen, wenn Kenntnisse und Erfahrungen den Mitarbeiter
befähigen, einen Gegenstand nach den verschiedenen, eben angeführten Richtungen
zu behandeln. Je nach dem Grad der Beteiligung der in den oben dargelegten
Richtungen zur Mitarbeit berufenen Kreise werden die »Ann. d. Hydr. usw.«
ihrem gesteckten Ziele auf den einzelnen Arbeitsgebieten ständig näher kommen.
Hr.
Die Wärmeverteilung in den Tiefen des Stillen Ozeans.”
Von
Prof. Dr. Gerhard Schott, Fritz Schu,
Abteilungsvorstand bei der Deutschen Königl. Kreisschulinspektor
Scewarte in Hamburg. in Saarbrücken.
{Mit 18 Karten und 4 Profilen auf 15 Tafeln.)
$ 1. Historischer Überblick über die thermische Erforschung des Stillen Ozeans.
Als im Jahre 1902 durch den ersten Band der wissenschaftlichen Ergeb-
nisse der deutschen Tiefsee-Expedition auf dem Dampfer »Valdivia« eine ein-
gehende und methodisch mannigfaltige kartographische Beschreibung der Wärme-
verhältnisse der atlantischen und indischen Tiefsee geboten worden war,?) lag
5) In die Herstellung der gemeinsam ausgeführten Arbeit teilen sich die zwei Verfasser derart,
daß die langwierige und mühsame Bereitstellung des Beobachtungsmaterials aus den verschiedensten
Quellen von F. Schu in wiederholtem, vielwöchigem Aufenthalte auf der Seewarte geleistet worden
ist; G. Schott hat dann, als Schu durch seine Berufstätigkeit verhindert wurde, die von ihm als
Dissertationsthema in Aussicht genommene Arbeit zu vollenden, die endgültige Redaktion der Tiefen-
Isothermen und die Abfassung des gesamten Begleittextes übernommen. Auch die vier Profile sowie
die neuen Karten der Tiefentemperaturen des Indischen Ozeans stammen von Schott. Leider ist
es nicht möglich, eine in zwei Ausführungen entworfene Tiefenkarte des Stillen Ozeans, die Schu
gezeichnet hat, mit zu veröffentlichen.
2) Vgl. G. Schott, Ozeanographie und maritime Meteorologie der Tiefsee-Expedition auf dem
Dampfer »Valdivia«, Jena 1902. Das Werk soll hier kurz als »Valdivia«-Werk zitiert werden.