Neuere Veröffentlichungen,
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kaum eine Arbeit. von Bedeutung in den Literaturen der oben genannten Nationen geben, die nicht
Erwähnung gefunden hätte, Angenehm berührt die Sorgfalt und das Interesse, mit denen der Ver-
fasser der historischen Entwicklung der einzelnen Gebiete nachgeht. Ein klassisches Beispiel hierfür
ist die historische Einleitung zu dem Kapitel über den Kompaß an Bord eiserner Schiffe, die, offenbar
mit ganz besonderer Vorliebe und auf gründlichem Quellenstudium beruhender Beherrschung des Stoffes
geschrieben ist. Nur eine solche bis ins kleinste gehende Kenntnis der weit zerstrenten Literatur
und eine historisch begründete Einsicht in den gegenwärtigen Stand der hochentwickelten Nautik
konnte den Verfasser befähigen, den in dem oben mitgeteilten Inhaltsverzeichnis aufgeführten gewaltigen
Stoff auf fünfundsiebzig Seiten zusammenzudrängen und trotz der gebotenen summarischen Behandlung
eine Arbeit zu liefern, die jedem, der auf einem Spezialgebiete der Nautik eingehendere Studien zu
machen beabsichtigt, ein unentbehrlicher Wegweiser durch die einschlägige Literatur sein wird und die
nicht nur zu den hervorragendsten Teilen der Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften gezählt
werden muß, sondern die auch in der nautischen Literatur überhaupt einzig dasteht.
Dr. H, v. Hasenkamp.
Müller, Aloys: Zur Theorie der Entstehung der Tiden. 26 S.,. 2 Fig. im
Text. »Beiträge zur Geophysik von Gerland und Rudolf.« Band X,
Heft 1 1909. Nachtrag dazu: Heft 2.
Angeregt durch das Buch Darwins über »Ebbe und Flut« usw. veröffentlichte der Ver-
fasser 1906 eine Reihe von Abhandlungen über die elementare Theorie der Gezeiten, die auch in
Buchform erschienen sind (s. Ann. d. Hydr. 1907 Heft V, Besprechungen). Die vorliegende Ab-
handlung‘ scheint durch die Diskussion angeregt zu sein, die durch die Veröffentlichung der Hoffschen
Abhandlung: »Elementare Theorie der Sonnentiden«, Ann. d. Hydr. 1907, Heft 3, 4 und 8, ins Leben
yerufen wurde, wenn sie sich auch gegen andre Arbeiten wendet, die teils unrichtige physikalische
Vorstellungen zu erwecken geeignet sind, teils die mathematischen Leistungen der bisherigen Theorie
nicht richtig schätzen. In den drei ersten Abschnitten wird die Unzulänglichkeit der gewöhnlichen
Theorie erörtert, nach der die fluterzeugende Wirkung nur auf dem Unterschied der Anziehung im
Erdmittelpunkte und an der Oberfläche beruht, wobei Auszüge aus einigen Autoren mitgeteilt und
daraufhin besprochen werden (Thomson-Tait, v. Sterneck, Le Corguille, Voigt, Gareis,
Jaumann, Grimsehl, Baum und Geißler). In Abschnitt 4 und 5 werden zwei Wege erörtert,
am diesen Fehler, der durch Nichtberücksichtigung der tatsächlichen Achsen entsteht, zu vermeiden.
Den einen hat Hoff zu gehen versucht, indem er entgegen dem gewöhnlichen Verfahren, die durch
die Rotation der Erde hervorgerufene Zentrifugalbeschleunigung ganz in die Formeln für die flut-
erzeugenden Kräfte einbeziehen wollte. Dabei ist er aber in den Fehler verfallen, daß er nur einen
Teil der Rotationskraft wirklich in seine Formeln einbezog, indem er übersah, daß die Revolutions-
und Rotationsgeschwindigkeit nicht dem gleichen Radius zugehören. Dieser Irrtum ist Müller
zunächst auch entgangen. In dem Nachtrag berichtigt er dann seine ursprüngliche Ansicht von der
Hoffschen Theorie. Diese Tatsache, daß jemand, der sich wie nur wenige lange eingehend mit der
alementaren Theorie der Tiden befaßt hat, sich hat irreleiten lassen, noch dazu in einem Falle, wo die
Unrichtigkeit schon von andrer Seite angedeutet war, zeigt besser als die Lektüre dieser Abhandlung,
wie schwierig diese anscheinend so elementaren und einfachen Betrachtungen sind. ;
Die letzten Kapitel (VIII) bringen noch eine andre Darstellung der Theorie (Mach, Lamb
und Gray) sowie zwei kurze Hinweise für die richtige Einschätzung der Theorie. Den Schluß bildet
ein Anhang betreffend die Theorien Newtons, Laplaces und die ältere Geschichte des Problems
der Nadirflut. Man muß dem Verfasser dankbar sein, daß er sich um die Aufdeckung eines ver-
breiteten Irrtums bemüht hat. Die größte Mehrzahl aller, die sich mit der Theorie der Entstehung der
Tiden zu befassen haben — Schüler der oberen Klassen höherer Lehranstalten, nautischer und
technischer Schulen, Seminaristen und Studierende — erhalten die elementare an der Hand eines
Leitfadens vorgeführt, der sich seinerseits meist auf irgend eine ältere Autorität stützt. Da nun aber
nach Müllers Angabe alle ihm bekannten älteren nnd die meisten der neueren Darstellungen den
ichtigen Gedanken in einer unrichtigen Form durchgeführt haben, so muß es als sehr verdienstlich
vezeichnet werden, wenn das Fehlerhafte aufgedeckt und richtiggestellt wird. Eine Durchsicht der
Leitfäden und Lehrbücher auf die Richtigkeit der von ihnen gebrachten Theorie der Tiden ‚scheint
jedenfalls sehr wünschenswert, Kein. Lehrer der Physik, der Astronomie, Nautik oder Erdkunde
sollte sich aber die Gelegenheit nehmen lassen, das interessante Problem im Unterrichte zu behandeln,
wo nach der. volkstümlichen- Anschauung der Mond die Flut lediglich durch Anziehung der Wasser-
massen erzeugt und somit die Nadirflut als etwas Unerklärliches erscheinen muß. Wegyemann.
B. Neueste Erscheinungen im Bereich der Seefahrt- und der Meereskunde
sowie auf verwandten Gebieten.
a. Werke.
Witterungskunde. ;
Trabert, W.: Meteorologie. 3. Aufl. (Bd. 54 der »Göschen Sammlung«.) 12°. 140 8. Leipzig 1909.
G. J, Göschen.' 0.80
Eckardt, W. R.: Paläoklimatologie. (Bd. 482 der »Göschen Sammlung«.) 12%. 1418. Leipzig
1910. G. J. Göschen. ; 0.80 MM
Dove, K. und Frankenhäuser: Deutsche Klimatik, Grundriß der Lehre von den Luftkuren
Erholungsbedürftiger und Kranker für Arzte, Geographen usw. unter besonderer Be-
rücksichtiquna Deutschlands. S° 2808 m. 4 Kartenbeilagen. Berlin 1910. D. Reimer.
Chd. 8.00 4