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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1910.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Meldau, H.: Nautik. Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften mit
Einschluß ihrer Anwendungen. Herausgegeben im Auftrage der Akademien
der Wissenschaften zu Göttingen, Leipzig, München und Wien, sowie unter Mit-
wirkung zahlreicher Fachgenossen. Bd. VI, 1, Heft 4. Leipzig. B.G. Teubner.
Die vorliegende Arbeit Meldaus bildet einen integrierenden Bestandteil der Enzyklopädie der
mathematischen Wissenschaften und beabsichtigt als solcher in knapper, für eine rasche Orientierung
bestimmter Form den gesamten Inhalt der modernen Nautik mit Ausschluß des astronomischen Teils,
der in Bd, VI, 2, Heft 3 behandelt ist, vorzuführen und durch eingehende Literaturnachweisung den
historischen Entwicklungsgang dieser Disziplin darzulegen. Dem Plan der Enzyklopädie entsprechend
ist deshalb von einer eingehenden, lehrbuchmäßigen, auf Beweise gestützten Darstellung, wie sie zu
einem nicht anf umfangreichen Quellenstudien yestützten Eindringen in das behandelte Gebiet er-
forderlich wäre, von vornherein abgesehen worden. Die Arbeit ist eine dem Charakter des Gesamt-
werkes entsprechende Darstellung der Nautik als angewandter mathematischer Wissenschaft; sie führt
das Gebiet in einer nur dem durchgebildeten Mathematiker zugänglichen Form vor, ohne jede Ein-
schränkung der analytischen Iilfsmittel, wie sie bei einer für den Praktiker bestimmten Behandlung
unumgänglich notwendig ist.
Nach diesen Vorbemerkungen über den wissenschaftlichen Charakter des Buches geben wir
zur weiteren Orientierung eine Übersicht über seinen Inhalt.
Aus praktischen Gründen ist das Ganze in zwei Hauptabschnitte gegliedert, deren erster die
terrestrische Navigation im engeren Sinne behandelt, während der zweite die magnetische Einwirkung
des eisernen Schiffskörpers auf den Kompaß zum Gegenstand hat. Der Umfang und der Inhalt dieser
Spezialdisziplin berechtigen zu ihrer Abtrennung und Behandlung in einem besonderen Kapitel,
Die terrestrische Navigation im engeren Sinne gliedert sich in folgende Abschnitte:
1. Einleitung: a) Allgemeines, Begrenzung des Gebietes, b) Erklärungen. 2. Bestimmung
des Kurses: a) Kompaß, b) Beschickung des Kompaßkurses zum wahren Kurs. 3. Messung der
Distanz, 4. Loxodromische Schiffahrt: a) Fundamentalgleichungen der Besteckrechnung, b) Auf-
gaben der Besteckrechnung, rechnerische Lösung. 5. Die loxodromische Karte: a) Graphische
Lösung der Aufgaben der Besteckrechnung im Netz der Seekarte, b} Inhalt der Seckarte. 6. Zuver-
lässigkeit der Besteckrechnung. 7. Orthodromische Schiffahrt: a) Allgemeines, b) Rechne-
rische Lösungen, c) Graphische Lösungen. 8. Küstenschiffahrt: a) Allgemeines, b) Richtungs-
bestimmungen, c) Abstandsbestimmungen, d) Horizontalwinkel, e) Lotungen, W. Thomsons Lot-
maschine, f) Verbindungen zweier Standlinien zur Bestimmung des Schiffsortes.
Der zweite, weit umfangreichere Hauptabschnitt, der den Kompaß an Bord eiserner Schiffe
behandelt, zerfällt in die folgenden Teile:
9. Historische Einleitung: a) Phasen der Problemstellung, b) Phasen der Lösungsversuche,
c) Airys Kompensationsvorschläge, d) Streit um die Kompensation, e) Ausgang des Streites. 10. Magne-
tische Eigenschaften des Schiffseisens, Kompaßort: a) Fester Schiffsmagnetismus, b) Halb-
fester Schiffsmagnetismus, c) Flüchtiger Schiffsmagnetismus, d) Wahl des Kompaßortes. 11. Beob-
achtungsmethoden: a) Zu bestimmende Größen, b) Ermittlung der Derviation, ce) Deviationskurven.
12. Hilfsinstrumente: a) Messung der horizontalen Feldstärke, b) Trpen von Deflektoren, c) Messung
der vertikalen Feldstärke, Vertikalkraftwage. 13. Deviation bei aufrechtem Schiff: a) Allgemeines.
b) Die Poissonschen Gleichungen, c) Deviationsformeln, d) Bestimmung der Koeffizienten, e) Al-
gemeines über die Koeffizienten. 14. Deviation beigeneigtem Schiff: a) Der Krängungsfehler und
seine Bestandteile. b) Bestimmung, des Krängungskoeffizienten. J5. Anderungen der Deriation:
a) Anderungen mit der Breite, b) Änderungen durch halbfesten Magnetismus, c) Deviationsstörungen.
16. Genauigkeit: a) Bei unmittelbarer Beobachtung. b) Ermittlung der Deviation aus Richtkraft-
messungen, c) Berechnung aus den Koeffizienten. 17. Graphische Darstellungen der Feld-
stärke: a) Allgemeines, Zweck der Darstellungen, b) Darstellungen mit festliegendem Meridian, c) Dar-
stellungen mit festliegender Längsschiffslinie d) Dromoskope. 18. Kompasse und Kompaßrosen:
a) Geschichtliches, b) Nadelanordnung, c) Magnetisches Moment des Rosensystems, Nadelinduktion,
d) Finstellungsvermögen, e) Ruhe der Kompaßrose, f) Trockenkompasse, g) Fluidkompasse, 19. Kom-
pensation der Kompasse: a) Aufgabe der Kompensation, b) Kompensationsmittel, c) Reihenfolge
der Kompensationen, d) Ausführung der Kompensation, e) Hindernisse vollkommener Kompensation,
f) Kompaßsysteme mit besonderen Kompensationsvorrichtungen. 20. Kompasse mit Doppelrosen:
a) Zwei Rosen, b) Zwei Rosen und ein Deflektor. 21. Bestimmung des Meridians durch die
Inklinationsnadel. 22. Fernübertragung von Kompaßangaben. 23. Ersatz des magne-
tischen Kompasses durch Kreiselapparate: a) Gvyroskope zur Festhaltung einer an ihnen
eingestellten Richtung, b) Kreiselapparate mit eigener Richtkraft.
Dem Ganzen vorausgeschickt ist eine Zusammenstellung der wichtigsten Lehrbuch- und mono-
graphischen Literatur, während die Veröffentlichungen in Zeitschriften in den Fußnoten des Textes
aufgeführt sind. Die Angaben beschränken sich auf die deutsche, englische, französische und italienische
Literatur; wünschenswert wäre eine Benutzung der niederländischen Veröffentlichungen gewesen, für
die die Zeitschriften »Marineblad« und »De Zee« eine Fundgrube sehr wertvoller Arbeiten bilden.
Auch die dänische und skandinavische Literatur hat bis auf die Erwähnung der Jensenschen
Nautischen Tafeln keine Berücksichtigung gefunden, obwohl z. B. das Werk von Malmberg und
Fineman über Deviationslehre in schwedischer Sprache wegen seiner eigenartigen Behandlung des
Gegenstandes eine Erwähnung unter der Lehrbuchliteratur verdient hätte. Im übrigen ist die mono-
graphische wie die Zeitschriftenliteratnr so vollständig wie nur irgend möglich angeführt. Es dürfte