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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Kleinere. Mitteilungen. 
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Kleinere Mitteilungen. 
1. Bemerkenswerte Deviationsänderungen durch Blitzschläge. Folgender 
interessanter Bericht über einen Blitzschlag an Bord des Schiffes »Pö&re Marquette« 
auf dem Lake Michigan wurde von dem Führer des Schiffes Kapitän La Fleur, 
dem Hydrographie Office, Cleveland, Ohio übermittelt.!') Das Schiff wurde am 
Morgen des 4. August bei der Ansteuerung des Hafens Manitowac vom Blitz 
getroffen. 
Der Kapitän La Fleur schreibt: »Ich hatte am Morgen des 4. August 
um etwa 3h 20min V, mein Schiff gestoppt, um Lotungen vorzunehmen. Das 
Wetter war sehr unsichtig, .ich konnte nur !/, Sm weit sehen, das Hafennebel- 
signal war nicht zu hören... Um etwa 3b 30"in V, kam plötzlich aus einer schweren, 
schwarzen Bö aus WNW ein Gewitter auf. Durch das ständige ‘Rollen des 
Donners, das heftige Aufleuchten des Blitzes und das schreckliche Hernieder- 
prasseln des Regens war es unmöglich etwas zu. sehen oder zu hören. Um 
3b 35min V, gingen vier starke Blitzschläge in unserer nächsten Nähe nieder. Der 
zweite Blitzschlag traf unsern Fockmast, zersplitterte die hölzerne Bramstenge, 
lief an der Stenge abwärts bis zum Vorstengestag und drückte die stählerne 
Marsstenge 5 Fuß ein, ; 
Der Erste Offizier und ich waren zu dieser Zeit auf der Kommandobrücke. 
Wir konnten uns jedoch gegenseitig nicht sehen, da wir von dem Blitz momentan 
geblendet waren. Ich stand am Maschinentelegraph, ungefähr 4 bis 5 Fuß vom 
Mast entfernt; Ich fühlte einen. heftigen Schmerz in meiner linken Schulter, die 
linke Seite war vollständig vom Regen durchnäßt, obgleich ich Ölzeug an hatte, 
meine rechte Seite war ganz ‚trocken. Als ich wieder zu mir kam, stand ich mit 
dem Gesicht nach achtern, ich muß mich also vollständig herumgedreht. haben; 
ferner verspürte ich heftigen Schwindel und für einige Minuten auch leichte 
Übelkeit. 
Unmittelbar nach dem Vorübergehen der Bö sichtete ich Manitowac 
Breakwater-Feuer und die Nebelsignalstation und bemerkte, daß mein Regel- 
kompaß, der auf der Brücke stand, eine Abweichung erfahren hatte, welches ich 
aus der großen Änderung der. Peilung des oben genannten Feuers ersah, . Beim 
Einlaufen in den Hafen, als ich mich aus dem Bereich der Anziehung der Nebel- 
signalstation befand, lag es statt W!/,S,. W7/;S am Kompaß an, also eine östliche 
Abweichung von 5/, Strich, Beim Verlassen des Hafens um 6} 55"in V, desselben 
Tages lag statt O'!/,N, 01/,S an. Ich fand. jetzt also eine westliche Ablenkung 
von’ 3/, Strich. 
Als ich an demselben Tage um 12 N. Ludington verließ, stellte ich durch 
Deckpeilungen auf SWzS Kurs. eine östliche Deviation von 1%/,5 Strich fest. Bevor 
noch das Land aus Sicht kam, bemerkte ich auf diesem Kurse, daß das Schiff 
nach Süden versetzt wurde. Durch eine um 2b 40m N, genommene Sonnenpeilung 
erhielt ich auf SWzS eine Deviation von nur noch %, Strich Ost, die stetig ab- 
nahm, welches ich durch Peilung des Polarsterns feststellte, so daß ich bei meiner 
Ankunft in Milwaukee 10% 15" N, nur noch !/; Strich W-Deviation hatte, die 
wahrscheinlich von meiner eisenhaltigen Ladung (Frachtkarren) herrührte, 
Zwei Stunden später, beim Verlassen des Hafens von Milwaukee fand ich, 
daß mein Kompaß wieder im normalen Zustande war. 
; Einen andern Fall von Blitzwirkung auf den Kompaß berichtet Herr 
Kapitän G. Hillmann, Führer des Lloyddampfers »Wittenberg«: 
Wir verließen am 283. Juni 3b 35min N, Cienfuegos und hatten in der 
folgenden Nacht zwischen 2h und 3b ein heftiges Gewitter, Ein Blitz schlug um 
2h 35min jn den Großmast ein und zerstörte die Verbindung zwischen dem Blitz- 
ableiter und dem eisernen Mast. Weitere Beschädigungen sind nicht vorgekommen, 
Auf westlichen Kursen änderte sich die Deviation wenig, etwa — 1°, jedoch 
fanden wir am 24. Juni. abends auf Nord-Kurs eine Deviation von — 14°. Eine 
‘'\ Hrdrographie Bulletin, Washington. S. September 1909.
	        
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