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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

120 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1910. 
zusammen (ihr Abstand mochte etwa 8 bis 9° betragen), und Jupiter kulminierte 
ungefähr eine halbe Stunde später als Venus. Beide Gestirne hatten südliche 
Abweichung. Stand die Sonne unterhalb des Horizonts, so schienen beide Gestirne 
die gleiche Helligkeit zu haben. 
Wir benutzten nun bei günstiger Witterung regelmäßig die Venus zur 
Breitenbestimmung und nahmen dann vor- und nachher einige Sonnenhöhen 
nach dem Chronometer zur Bestimmung der Ortszeit bzw. der Länge. So er- 
hielten wir Breite und Länge für denselben Zeitpunkt durch Beobachtung. 
Die Beobachtung der Venushöhe gelang stets, selbst bei leichter Be- 
wölkung, denn ihr Licht war so hell, daß dasselbe durch leichtes Zirrusgewölk 
kaum geschwächt wurde, Nahe lag es nun auch, die Beobachtung der Meridian- 
höhe des Jupiters zu versuchen, weil anscheinend Jupiter und Venus gleiche 
Helligkeit hatten. Bei dem ersten Versuch ergab sich, daß das Bild des Jupiters 
mit dem terrestrischen Fernrohr nicht deutlich zu erkennen war, Nur bei Be- 
nutzung des astronomischen Rohres gelang es, eine brauchbare Beobachtung zu 
erhalten. Diese Beobachtungen konnten so lange fortgesetzt werden, bis der 
Unterschied der Kulminationszeit von Sonne und Venus etwa 1'/, bis 1%, Stunden 
betrug. Auf der Rückreise von Futschau nach London benutzten wir die Venus- 
beobachtungen in derselben Weise, Die Venus stand dann an der entgegen- 
gesetzten Seite von der Sonne als auf der Ausreise. 
Bemerken möchte ich noch, daß es mir im Jahre 1889 in Apenrade ge- 
lungen ist, die Venus über einem künstlichen Horizont im Meridian zu beob- 
achten. Man muß den Horizont dann so aufstellen, daß das Quecksilber nicht 
von Sonnenstrahlen getroffen wird, und das Dach abnehmen, was selbst- 
verständlich nur möglich ist, wenn man den Horizont vor Zugluft schützen 
kann. Da das Spiegelbild im Horizont mit bloßen Augen nicht sichtbar ist, so 
muß der Winkel, unter dem man in den Horizont sehen muß, geschätzt werden. 
Nach einigen Versuchen gelang es mir, dem Sextanten die richtige Lage zu geben. 
Beide Bilder waren hell und deutlich zu erkennen, ein kleiner Helligkeitsunterschied 
der Bilder ließ sich leicht durch geeignete Stellung des Fernrohrträgers ausgleichen, 
Die Mitteilungen des Herrn Professors Dr. Kohlschütter veranlaßten 
mich, diese meine Erfahrungen mitzuteilen. Wie daraus zu ersehen, habe ich 
bei Tage nur die Meridianhöhe der Venus beobachtet, doch zweifle ich nicht, 
daß auch Höhen außer dem Meridian bei Tage beobachtet werden können, 
sobald Höhe und Azimut genähert bekannt sind. Die Berechnung der Höhe und 
des Azimuts muß also der jedesmaligen Beobachtung vorausgehen, was selbst 
auf einem Segelschiff und mehr noch auf einem Dampfer zu zeitraubend ist, 
Bekanntlich ist aber die Venus, sobald nur die Sonne beim Auf- und Untergang 
sehr nahe am Horizont steht, mit bloßen Augen sichtbar, je nachdem die Venus 
westlich oder östlich von der Sonne steht. Da dann die Kimm gut sichtbar ist, 
so wird man die Höhen sehr genau beobachten können. Die gleichzeitige 
Beobachtung der Breite ist dann aber nicht möglich, Ich halte deshalb das von 
mir oben beschriebene Verfahren für das zweckmäßigste. Bemerken möchte ich 
noch, daß das Bild der Venus von der Kimm halbiert werden muß, um den 
Halbmesser zu berücksichtigen. 
Genauigkeit und Wert von Kimmtiefenmessungen. 
Von Dr. Brehmer, Hamburg. 
In vorliegender Arbeit soll zusammenfassend an der Hand alter und neuer!) 
Kimmtiefenmessungen untersucht werden, ob die aus dem Koßschen Beobachtungen 
von Prof, Kohlschütter abgeleitete Refraktionsdarstellung eine befriedigende 
Ermittlung der Kimmtiefe?) an Bord zuläßt. 
:) Diese Messungen sind bei der Deutschen Seewarte eingegangen und gesammelt, 
?) »Ann. d. Hydr, usw.« 1903 8, 542 und a. a. O. 1909 8. 311, Formel 20, 
Tafel: siehe $, 122 Differenzen gegen das Naut. Jahrb. Tafel 15b und Naut. Tafeln S des 
Reichs-Marine-Amts.
	        
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