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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Maurer, H.: Das Rechtweiserprisma, 
prisma von derjenigen im Okularprisma um den verlangten Winkel x unter- 
scheidet, Die Ablesung im Rechtweiserprisma ist die größere wenn u positiv 
ist. Immerhin ist am Prismendorn ein kleiner Zeiger angebracht worden, der 
über einer von — 40° bis + 40° in Intervallen von 5° laufenden Skale für den 
Winkel % spielt, Man erblickt diese Skale etwas vergrößert, indem man frei 
über den Träger des Okularprismas hinweg in das Rechtweiserprisma hinein- 
sieht. Damit ist die Möglichkeit gegeben, sowohl x nahezu richtig (bis auf etwa 
0.5°) unmittelbar einzustellen, als auch, wenn nach einer Pause von neuem gepeilt 
werden soll, sich durch einen Blick auf diese Skale zu überzeugen, ob das 
Prisma richtig . steht. 
Das Verwendungsgebiet des neuen Prismas beschränkt sich auf diejenigen 
Fälle, wo derselbe Kurs lange Zeit eingehalten. wird und auf ihm rechtweisende 
Peilungen zu machen sind, oder bei rasch wechselnden Kursen auf vollkommen 
deviationsfrei kompeniserte Kompasse. Die Vorrichtung wird gegenwärtig auf 
einem Kreuzer der Kaiserlichen Marine erprobt, um später auf ein Schulschiff 
gegeben zu werden, 
119 
Über die Beobachtung der Venus bei Tage. 
W. Reuter, Leer. 
In den »Annalen der Hydrographie usw.« 1909, S. 563, gibt Herr Professor 
Dr. E. Kohlschütter die Übersetzung von Bemerkungen, welche sich auf der 
„Pilot Chart« vom Nord-Paecifie-Ocean, November 1909 befinden, Diese Be- 
merkungen beziehen sich auf die Beobachtung der Venus bei Tage, Derartige 
Beobachtungen habe auch ich wiederholt angestellt, und bin ich dazu durch 
meinen hochverehrten Lehrer Dr. Breusing angeregt, der schon in der ersten 
Auflage seiner Steuermannskunst 1860 auf die Möglichkeit solcher Beobachtungen 
aufmerksam gemacht hat. 
Die von mir gemachten Beobachtungen habe ich jedoch anders verwertet 
als Kapitän Thomas angibt. Während dieser die Sonne zur Breitenbestimmung 
und die Venus zur Längenbestimmung benutzte, habe ich umgekehrt die Venus- 
höhe zur Breiten- und die Sonnenhöhe zur Längenbestimmung benutzt, Befindet 
sich die Venus in ihrer größten Elongation, entweder West oder Ost von der 
Sonne, so ist die Beobachtung ihrer Meridianhöhe zur Breitenbestimmung leicht. 
Da die Breite immer genähert bekannt ist (wenigstens auf den nächsten Grad 
genau), so kann die Meridionalzenitdistanz op —ö = Z leicht berechnet werden. 
Das Komplement 90 — (p—d) = H ist die Meridianhöhe. Stellt man nun die 
Alhidade des Sextanten auf diese Höhe ein, so wird man zur Zeit der Kulmination, 
wenn man das jedem Sextanten beigegebene terrestrische Fernrohr benutzt und 
nach der Süd- bzw. Nordkimm sieht, die Venus sofort als hellglänzenden Stern 
erblicken. Ein Fehler von 1° in der berechneten Höhe ist von keinem Belang, 
da das Gesichtsfeld des nur schwach vergrößernden terrestrischen Fernrohrs 
groß genug ist. Die Meridianhöhe läßt sich dann ganz. in derselben Weise wie 
die der Sonne beobachten, 
Kulminiert die Venus nun zwischen 9 und 10 Uhr morgens, oder zwischen 
2 und 3 Uhr nachmittags, so wird die Sonne nicht allzuweit vom Vertikal 
stehen; es werden daher einige Sonnenhöhen, da die Breite aus der Meridianhöhe 
der Venus bekannt ist, die Ortszeit und damit die Länge geben. Zweckmäßig 
ist es, einige Sonnenhöhen vor und einige nach der Kulmination der Venus zu 
beobachten. Die Zeit der Kulmination der Venus ist im Jahrbuche angegeben, 
und genügt es, wenn man etwa 15min früher die erste Einstellung macht. damit 
man sicher ist, die Meridianhöhe nicht zu verfehlen. . 
Über derartige Beobachtungen kann ich noch folgendes mitteilen. Auf 
einer Reise mit dem Bremer Schiff »Dr. Petermann« im Jahre 1868 von Cardiff 
nach Hongkong verließen wir Cardiff im Anfang Januar und trafen gleich außer- 
halb des Kanals günstige Witterung an. Venus und Jupiter standen damals nahe
	        
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