Maurer, H.: Das Rechtweiserprisma.
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diopters drehbar zu machen. Dieser Kreis ist also auf dem betreffenden Kurse um
den Winkel u gegen die Kompaßrose verdreht festzustellen; und man kann dann am
Peildiopterindex die gewünschten rechtweisenden Peilungen ohne weiteres ab-
lesen. Diese Methode hat aber zur Voraussetzung, daß im Moment der Peilung
das Schiff wirklich genau auf dem Kurse liegt, auf dem der Diopterkreis recht-
weisend eingestellt wurde. Die Differenz zwischen dem Kurs im Augenblick der
Peilung und demjenigen beim Einstellen des Peilkreises geht mit ihrem vollen
Betrag als Fehler in die Peilung ein. Man muß deshalb den Kurs im Moment
der Peilung doch kontrollieren, eine Differenzrechnung bleibt erforderlich, und
die Umrechnung von der Kompaßpeilung in die rechtweisende ist doch nicht
erspart.
Vollkommener läßt sich der Zweck erreichen, wenn man, wie bei dem in
der Kaiserlichen Marine gebräuchlichen Peildiopter, durch Einschieben eines
geeigneten Spiegels in die Visierlinie die Kompaßrosenteilung selbst am Diopter-
faden erscheinen läßt. Man muß dann nur, um rechtweisende Peilungen ablesen
zu können, dafür sorgen, daß nicht der vertikal unter der Visierlinie liegende
Rosenteilstrich, sondern ein um den Winkel u von ihm abliegender am Diopter-
faden erscheint. Dies kann nicht erreicht werden, indem man einfach das jetzige
Okularprisma drehbar macht; die seitlichen Teilstriche würden so gegen den
Diopterfaden geneigt und undeutlich erscheinen, Vor allem aber wäre es ein
großer Fehler, dieses Prisma, von dessen genauer Orientierung die Brauchbar-
keit des Diopters abhängt, beweglich zu machen. Dagegen kann durch Ein-
fügung eines kleinen Zusatzspiegels oder Zusatzprismas die rechtweisende Peilung
in diesem sichtbar gemacht werden, während gleichzeitig die Kompaßpeilung im
alten Okularprisma sichtbar bleibt, Die richtige Lage des Zusatzprismas — es
möge Rechtweiserprisma heißen — wird nicht rechnerisch gefunden, sondern man
stellt es praktisch einfach so ein, daß die gleichzeitig am Diopterfaden er-
scheinenden Ablesungen im Okularprisma und im Rechtweiserprisma sich eben
um den Winkel u voneinander unterscheiden. Ist das Prisma in dieser Lage
festgeklemmt, so liest man in ihm rechtweisende Peilungen ab. Der Vorteil vor
der zuerst beschriebenen Methode ist dabei der folgende: Giert das Schiff während
der nun folgenden Peilungen von dem Kurse ab, für den die zur Bestimmung
von u benutzte Deviation gilt, so ist der dadurch entstehende Peilfehler nicht
gleich dem Gierungswinkel, wie es bei der anderen Methode der Fall war, sondern
nur gleich der etwa vorhandenen Differenz in den Deviationen, die für beide
Kurse gelten, Diese Differenzen aber können im allgemeinen selbst, wenn das
Schiff. schlecht steuert und der Kompaß ziemlich unvollkommen kompensiert ist,
vernachlässigt werden, Selbstverständlich können mit Hilfe dieses Prismas auch
mißweisende Kurse abgelesen werden; man müßte dann den Winkel u = der
Kursdeviation wählen.
Die Frage, wo die spiegelnde Fläche des Rechtweiserprismas angebracht
werden und welche Bewegungsfähigkeiten sie besitzen muß, beantwortet die
folgende Theorie der Einrichtung :
Theorie, Sei KRL die Rosenebene, r der Radius der Rose, VH die um
die Höhe h über der Rose liegende Visierlinie des Diopters, so müssen wir ver-
langen, daß der Rosenradius MR, der gegen den in der Visierebene liegenden
Radius MK den beliebig vorzuschreibenden Winkel wu bildet, gespiegelt werde in
die Lage MH, Das wird erreicht, wenn die Spiegelebene SMA senkrecht zur
Ebene MRH so durch das Rosenzentrum M gelegt wird, daß sie den Winkel RMH
halbiert.
X RMS = SMH = 2. (Natürlich braucht man von dieser Spiegelebene
nur ein kleines Stück, wie es durch das‘ punktierte Parallelogramm angedeutet
sein möge.)
Die Lage der Ebene AMS ist bestimmt durch den X &@, den die Drehachse
AM gegen das Lot durch die Rosenmitte MZ bildet und den Winkel 8 zwischen
AMS und der Visierebene. « und ß sind in ihrer Abhängigkeit von den ge-
gygebenen Größen r, h und & zu bestimmen.