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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1910, 
Als fluterzeugende Beschleunigung kann derjenige Bestandteil von x 
nicht in Betracht kommen, der für alle betrachteten (also zunächst die 
Äquator-) Punkte gleich groß und nach dem Erdmittelpunkt gerichtet ist. 
. 
Dies ist aber der Bestandteil g — ZZ Die beiden übrigen Glieder hingegen, deren 
Größe und Richtung für die verschiedenen Äquatorpunkte verschieden sind, 
verdienen jene Bezeichnung. In voller Übereinstimmung mit der Newtonschen 
Theorie ergibt sich also (zunächst für den hier ausführlich behandelten Spezialfall) : 
Die fluterzeugende Beschleunigung im Punkte P ist gegeben durch 
= RE 
Fluterzeugende Beschleunigung im engeren Sinne!) wäre dann die tangen- 
tiale Komponente von f. 
Es macht gar keine Schwierigkeiten, die ganze Betrachtung auf einen 
beliebigen Breitenparallel # +0 zu übertragen, 
Wenn wir das xy-System in die Ebene des betreffenden Breitenparallels 
verlegen, so bleiben alle Entwicklungen wörtlich dieselben, mit dem einzigen 
Unterschiede, daß in den Gleichungen (2) bis (9) und (11) r- cos @ und v - cos © 
an die Stelle von r und v treten. Insbesondere geht (11) dann über in 
=. 27 3 G@ GG 
K=ß— m COS PA Ra RE ; ® * 8 (13) 
Hierbei ist lediglich zu beachten, daß die Beschleunigung 
=  v?.cos 
BZ 
auch eine Tangentialkomponente besitzt, die eine Verschiebung des Punktes P 
längs des Meridians zur Folge haben würde. Berücksichtigt man aber, daß die 
Erde keine Kugel ist, und daß an der abgeplatteten Erdoberfläche diese 
Tangentialkomponente grade verschwindet, so erkennt man: Das in (12) aus- 
gesprochene Ergebnis gilt für jede beliebige Lage des Punktes P auf 
der Erdoberfläche. 
Auch die Einführung der Neigung der Erdachse gegen die Erdbahn ändert 
am Schlußergebnis nichts; nur würde die direkte Ermittlung von b, etwas weniger 
übersichtlich ausfallen, weil man ein räumliches Koordinatensystem benutzen müßte, 
Vergleicht man die eben durchgeführte Betrachtung der Relativbeschleuni- 
gungen mit denjenigen Darstellungen, welche die Zentrifugalkraft benutzen, so 
ergibt sich zunächst volle Übereinstimmung der Ergebnisse; in der Tat ist ja 
nach Gleichung (10) — nichts anderes als die für alle Punkte der Erde gleich 
große und gleich gerichtete Zentrifugalbeschleunigung der Erdrevolution, Aber 
man erkennt, daß diese Übereinstimmung nur für den Fall einer kreisförmigen 
Erdbahn besteht. Tritt an Stelle des Kreises eine andere Bahnkurve, insbesondere 
eine Ellipse, so werden die Ergebnisse beider Betrachtungsweisen verschieden, 
Die Untersuchung der Relativbeschleunigungen führt auch in diesem allgemeineren 
Falle zu dem in Gleichung (12) ausgesprochenen Resultat. Aber jetzt ist = nicht 
mehr die Zentripetalbeschleunigung, sondern die Gesamtbeschleunigung der 
Erdrevolution. Beide Werte sind für eine Kreisbewegung deshalb identisch, 
weil deren Tangentialbeschleunigung verschwindet; gehen wir der Reihe nach 
zu immer exzentrischer werdenden Ellipsen über, so tritt im allgemeinen die 
Tangentialbeschleunigung immer mehr hervor auf Kosten der Zentripetal- 
beschleunigung; und diese letztere verschwindet ganz, wenn die Ellipse in eine 
Gerade ausgeartet ist, wobei jetzt die Gesamtbeschleunigung in die Richtung der 
Bahn fällt. 
un Vol. Darwin a. a. 0.85.93.
	        
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