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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Schott, G.: Zur Geographie des Grönlandmeeres. 
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150 m (32 bis 34 9/9) solche Minimaltemperaturen im Sommer anfinden und die 
Erklärung dieser niedrigen Wärmegrade in einer Zwischenschicht nach Hansen 
und Koefoed nur möglich erscheint als Nachwirkung vom Winter. Dem wird 
man, da es sich um schwachsalziges Wasser in mäßigen Tiefen handelt, zu- 
stimmen können.!) Auf die eben genannte zweite, kälteste Schicht folgt dann nach 
unten eine dritte, warme Schicht, die zugleich, wie schon angegeben ist, den 
höchsten Salzgehalt zu besitzen pflegt; in durchschnittlich 250 m Tiefe wird das 
Temperaturmaximum angetroffen; es steigt bis auf +1.5°%. Isothermen und Iso- 
halinen haben in allen Schichten gleicherweise die Neigung, seewärts, also nach 
Osten zu, in höhere Niveaus emporzusteigen, d. h. je mehr man sich dem äußeren 
Rande der Kontinentalstufe und damit der Außenkante der Polarströmung nähert, 
desto mächtiger wird das zu unterst lagernde warme, starksalzige Wasser: was 
keiner Erklärung bedarf. 
Aus den hydrodynamischen Berechnungen, die auf dem ozeanographischen 
Beobachtungsmaterial aufgebaut sind, werden nun von Helland-Hansen und 
Koefoed unter bestimmten Voraussetzungen die nachstehenden Geschwindigkeiten 
der Ostgrönland-Strömung abgeleitet: 
Stat. 21A und 22 (etwa 78° N-Br. 5° W-Lg.) 
In 0m Tiefe 30 cm pro Sek. = 15 Sm im Etmal. 
50 « 15 
200 « 2 
800 « 0 
Hieraus würde folgen, daß das Polarwasser als Trift von merklicher Ge- 
schwindigkeit nur bis zu Tiefen von 50 oder 100 m hinabreicht, und daß schon 
von 200 m an bis zum Grund das Wasser nahezu stillsteht und nur säkularen 
Versetzungen unterliegt; denn zwischen 2 cm pro Sek. und 0 m pro Sek, ist kein 
realer Unterschied. Übrigens stehen diese Ergebnisse mit den Anschauungen 
anderer Forscher, die bis in große und größte Tiefen starke, das Wasser ven- 
tilierende Bewegungen annehmen, im Widerspruch. 
Die sonstigen Geschwindigkeitsbeobachtungen, auch die seemännischen 
A. de Gerlaches, stimmen darin überein, daß der Polarstrom an der Oberfläche 
seine größte Geschwindigkeit nahe dem Außenrand des Schelfes entwickelt, also 
unter 78° N-Br., etwa in der Gegend der zwei soeben benutzten Stationen 21A 
und 22, und daß sowohl weiter nach Osten zum tiefen Becken hin als auch 
nach Westen zur grönländischen Küste hin die Geschwindigkeit abnimmt. Dies 
ist auch ein Grund wieder, weshalb es nahe unter Land.leichter ist, nach Norden 
zu gelangen, als weiter ab. Eine Flottille von Walfangschiffen wurde 1777 teils 
im Eis zerdrückt, teils trieb sie südwärts; die durchschnittliche Trift der Uber- 
lebenden von Ende Juni bis Mitte Oktober ist von Nansen zu 11 Sm berechnet. 
Die »Hansa«-Leute hatten 1869/70 nur 4.4 Sm täglich Südversetzung;. hierbei ist 
jedoch zu bedenken, erstens, daß sie sehr nahe an Land trieben, und zweitens, 
daß im Winter höchstwahrscheinlich die Trift regelmäßig einer erheblichen Ver- 
langsamung unterliegt. 
Die Verfasser gehen dann noch weiter auch auf den nichtpolaren Teil der 
Gewässer der Grönlandsee ein, d. h. auf die von Süden kommenden »atlantischen« 
Strömungen, auf die so viel umstrittene Frage der Bildung des Bodenwassers im 
Nordmeer u.a. m. Da jedoch die Kernpunkte dieser Fragen schon vor nicht zu 
langer Zeit hier berührt sind,%) da außerdem im Anschluß an die zusammen- 
1) Etwas anderes ist die Frage nach der Entstehung der sehr kalten und dabei starksalzigen 
untersten Schicht, d. h. des Bodenwassers des offenen Nordmeeres, und wieder etwas anderes ist die 
Frage nach der Entstehung des, Bodenwassers im antarktischen Meere, wo tiefreichende Eisberge vor- 
herrschen. Da, will mir scheinen, sind Petterssons Anschauungen über einen maßgebenden Einfluß 
der Eisschmelze auf die allgemeine ozeanische Zirkulation nicht zu entbehren. 
2) Perlewitz, Zur Ozeanographie der nordeuropäischen Meere im Anschluß an Nansens 
Northern Waters«: diese Zeitschrift. 1908. S. 147.
	        
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