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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Schott, G.: Zur Geographie des Grönlandmeeres. 
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Werk‘) kürzlich erschienen, welches zeigt, daß auf den Fahrten des Herzogs die 
Wissenschaft voll zu ihrem Recht gekommen ist, Besonders verdienstlich erscheint, 
daß der Herzog eine sachlich gediegene, von Fachleuten ersten Ranges vertretene 
Bearbeitung der Resultate des Jahres 1905 veranlaßte und endlich in vornehmem 
Gewand der Allgemeinheit übergab, - 
Das in des Wortes eigentlicher und übertragener Bedeutung »schwer- 
wiegende« Werk?) enthält zunächst einen kurzen, zusammenfassenden Reisebericht 
sowie das mit vierstündlichen Beobachtungen ausgestattete vollständige meteoro- 
logische Tagebuch des Schiffes, in dem zugleich die KEisverhältnisse genau 
beschrieben sind; beide Kapitel sind von A. de Gerlache bearbeitet. Es folgt aus 
der Feder Dan la Cours-Kopenhagen ein Begleittext zu rund 100 sehr sauberen, 
übersichtlichen synoptischen Wetterkarten des nördlichen Nordmeeres, einschließlich 
Barentsmeer, Grönland und Baffinsbai, die für 82 V und 8 bis 9* N eines jeden 
Tages der Expeditionsperiode, 1. Juli bis 21. August, gelten und manche inter- 
essante Feststellung über hochnordische Witterung, z. B. über Eigenheiten der 
barometrischen Maxima u. a. m. gestatten. Hieran schließt sich die Bearbeitung 
der im Grönlandmeer gesammelten Bodenproben durch Böggild-Kopenhagen 
und der Pflanzen durch Ostenfeld-Kopenhagen. Das im speziellen Sinne ozeano- 
graphische, in dem Werke mit »Hydrographie« bezeichnete Material ist von 
Helland-Hansen und Koefoed in mustergültiger Weise dargestellt und wird 
uns noch näher beschäftigen. Koefoed hat die ozeanographischen Beobachtungen 
auf der »Belgica« 1905 persönlich ausgeführt, Die Schilderung des Plankton haben 
Damas und Koefoed übernommen; über den Kreis der Zoologen hinaus Bedeutung 
beanspruchen darin besonders die Darlegungen zu der Frage, ob die verschiedenen 
Planktonformen zugleich spezifische Kennzeichen für die verschiedenen Meeres- 
strömungen abgeben: oder nicht, Den Schluß machen die Abhandlungen über be- 
stimmte größere Tiergruppen, z. B. die Fische. 
Seit durch die zahlreichen Terminfahrten besonders des norwegischen 
Forschungsdampfers »Michael Sars« unter Hjorts Leitung seit 1900 die eis- 
freien Teile des Nordmeeres einer sorgsamen, in methodischer Hinsicht ganz 
modernen Erkundung unterzogen werden, war es ein überaus glücklicher Gedanke, 
durch eine Expedition mit denselben instrumentellen Hilfsmitteln der neuesten 
Meeresforschung auch den eisbedeckten Teil dieses Nordmeeres aufzuklären, 
und wir können im Hinblick auf die Croisiere oc&anographique. die freudige 
Genugtuung Helland-Hansens und Nansens verstehen, die in ihrem soeben aus- 
gegebenen zusammenfassenden großen Werke“) erklären, daß dank der Arbeiten 
der »Belgica« in 1905 aus dem bislang unbekanntesten NW-Teile des Nordmeeres 
der bestbekannte geworden sel, 
Eine wichtige ozeanographische Frage freilich, die die »Belgica« bei. der 
Fahrt 1905 in ihr Programm aufgenommen hatte, ist ihr zu lösen infolge der Eis- 
verhältnisse nicht gelungen, nämlich die Ablotung der Meerestiefen von Spitz- 
bergen aus nach Nordwesten hin behufs Feststellung der von Nansen vermuteten 
unterseeischen Schwelle, die zwischen Nord-Spitzbergen und Ost-Grönland etwa 
auf 80 bis 82° N-Br. entlang ziehen und die thermischen Unterschiede zwischen 
Polarbecken und Nordmeer erklären soll. Die »Belgica« wurde vielmehr, nach- 
dem sie von der Amsterdam-Insel aus am 10. Juli 1905 in rund 80° N-Br. 3° O-Lg. 
2600 m (ohne Grund) gelotet hatte, durch schweres Packeis nach Süden abgewiesen, 
konnte erst unter 781/,° N-Br. wieder etwas West gutmachen, und erst unter rund 
76° N-Br. (in der Gegend der bekannten »Nordbucht«) gelang es ihr, den Eis- 
gürtel ganz zu durchbrechen und die der Ostküste Grönlands vorgelagerten Kol- 
dewey-Inseln zu erreichen, Von hier aus konnte man nähe unter Land wieder 
nach Norden, bis 78° 20’ N-Br., vorstoßen, mußte dann aber die Rückkehr zur 
offenen See sich recht mühsam erkämpfen; bis zum 18, August befand sich das 
Schiff lotend im Polareisstrom, den es in 70° N-Br. 15° W-Lg. hinter sich ließ, 
iy Due d’Orl6ans, croisiere oc6anographique dans la Mer du Grönland. Resultats scientifiques, 
570 Seiten, gr. 4°; etwa 80 Karten und Diagramme. Bruxelles 1909. Preis 100 fr. Die Reise- 
beschreibung ist erschienen unter dem Titel »Duc d’Orlöans, A travers la banquise du Spitzberg au 
°ap Philippe«. Paris 1907. 
2) The Norwegian Sea, its physical oceanography based upon the Norwegian researches 1900 
iO 1904. Bergen 1909 (Report on Norwegian Fishery and Marine investigations. vol. II, Nr. 21
	        
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