100 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1910.
Neu-Pommern und scheint seinen Abschluß im Huon-Golf zu finden. Die auf Tafel 20
entworfenen Isobathen sind zum Teil noch sehr hypothetisch, aber bei dem großen
Interesse, das das eigenartige Relief des Meeresbodens dieses Inselgebiets erweckt,
schien es angebracht und für die weitere Forschung lohnend, den wahrscheinlichen
Verlauf der Tiefenlinien zu skizzieren, wenn es wohl auch noch langer Lotungs-
arbeit bedarf, ehe eine einigermaßen gesicherte Tiefenkarte entworfen werden kann.
Die in Abschnitt III und IV der Tabelle gegebenen Lotungen sind auf
Fahrten des »Planet« zwischen den Palau- und Hermit-Inseln und zwischen
letzteren und Friedrich Wilhelmshafen auf Neu-Cuinea gewonnen worden, Lotung
Nr. 74 mit 2155 m liegt dort, wo auf den Karten das Pallas-Riff verzeichnet ist;
»Planet« konnte bei der Nachsuche keine Anzeichen eines Riffes finden, so daß
dieses wahrscheinlich nicht vorhanden ist. Im übrigen ergaben die Lotungen,
daß der Meeresboden von dem unterseeischen Höhenzuge, auf dem die Admiralitäts-
und Hermit-Inseln liegen, langsam nach Neu-Guinea zu sich absenkt.
Den letzten Abschnitt der Tabelle bilden die Lotungen bei den Witu-
Inseln (früher French-Inseln), die der Nordküste Neu-Pommerns vorgelagert sind.
Die einzelnen Inseln der Gruppe haben einen gemeinsamen Sockel von annähernd
1000 m Tiefe, soweit die bis jetzt ausgeführten Lotungen erkennen lassen. Eine
Karte dieses Gebiets wird in einiger Zeit vom Reichs-Marine-Amt veröffentlicht
werden,
Profil bei Kap Lüdtke (Neu-Pommern).
Profil südlich vom St. Georgs-Kanal.,
m m
1000 P\, L000
2000 000
3000 3000
1000 1000
5000 DO
7000 6
3000 9000 u A
0220 2° 700 80 100 120 140 160km 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 km
Zehnfache Übertiefung.
„
Die Bodentemperaturen, welche für die Lotungen 14 bis 29 angegeben
sind, wurden mittels eines Kippthermometers von Negretti und Zambra be-
stimmt, das gut funktioniert zu haben scheint. Die niedrigste Temperatur,
welche östlich der Neu-Hebriden gemessen wurde, beträgt 2.2°, so daß von etwa
2600 m Tiefe an Homothermie in diesem Becken zu herrschen scheint. Die Boden-
temperaturen der Lotungen 51 bis 60 sind in Klammern gesetzt, da die anzu-
bringende Korrektion um !/,9° bis %,9° unsicher war; die Temperaturen sind
mittels Kippthermometer von Richter bestimmt — ebenso wie diejenigen der
Lotungen 76 bis 94. Beide Reihen gehören demselben Gebiet südlich und östlich
von Neu-Pommern an und weisen Temperaturen zwischen 1.7° und 2.5° auf.
Diese Unterschiede sind für die Richter-Thermometer so groß, daß entweder
auf nicht exaktes Arbeiten der Instrumente geschlossen werden muß oder tat-
sächliche Unterschiede in den betreffenden Tiefen vorhanden sein müssen, Es
ist auffallend, daß die höchsten Temperaturen in den größten Tiefen beobachtet
worden sind, vgl. Lotung 60 und 92 mit über 7000 m Tiefe. Man könnte hieraus
auf eine Erwärmung dieser tiefsten Schichten schließen, jedoch weist das vor-
liegende Material von »Planet« unter sich zu große Unterschiede auf, um einen
solchen Schluß als gesichert hinstellen zu können. Ferner kann eine solche
Zunahme der Temperatur vielleicht auf Einwirkung des in sehr großer Tiefe
herrschenden Druckes auf das Innere der Tiefsee-Thermometer zurückzuführen
sein (wenngleich eine Übertragung des Druckes durch das Hüllrohr ausge-
schlossen sein soll). Man wird im allgemeinen für die Tiefen dieses Gebiets von
mehr als 2000 m eine Temperatur annehmen können, die dicht bei 2.0°C. liegt.