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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Tiefseelotungen S. M.S; »Planet« 1909 unter dem Kommando von Korvettenkapitän v.'Trotha. 99 
verhältnisse auf beiden Seiten ermöglicht wurde. Über die Ausführung der 
Lotungen östlich der Hebriden berichtet das Kommando S. M. S. »Planet« folgendes: 
‚Da das Vorhandensein der kleinen vorgelagerten Insel Erronan es als 
ausgeschlossen erscheinen ließ, daß der gesuchte Graben noch zwischen ihr und 
den Hauptinseln entlang führte, auch die südlich der Insel Sandwich hindurch- 
führende englische Lotungslinie auf 18° Breite einen Anhalt für die ungefähren 
Tiefenverhältnisse bot, wurde die erste Lotung dicht außerhalb der Insel Erronan 
angesetzt und dann auf einem Kurse weitergelotet, der im spitzen Winkel zu der 
Hauptzugrichtung der Neu-Hebriden führte, Nachdem die oben erwähnte englische 
Lotungslinie durchkreuzt war, ohne daß sich Anzeichen für das Vorliegen eines 
Tiefseegrabens ergeben hatten, wurde noch ein 150 Sm von der Inselgruppe ent- 
fernter Punkt angesteuert, um, soweit angängig, in das Becken zwischen Neu- 
Hebriden und Fidji-Inseln vorzustoßen. Die auf dieser Strecke mit sechs Lotungen 
gefundenen Tiefen zeigen — abgesehen von der. ersten — keinerlei nennenswerte 
Unterschiede, anderseits eine gute Übereinstimmung mit den früheren englischen 
Lotungen (Tiefen von etwa 3000 m). Bei dem darauf vorgenommenen Zulaufen 
auf die Insel wurden dieselben Ergebnisse gezeitigt, so daß es als sicher gelten 
konnte, daß jedenfalls dem südlichen Teil der Inselgruppe kein Graben vor- 
gelagert ist. Da nahe bei den durchgängig vulkanischen Inseln in der Mitte der 
Gruppe (Tongoa, Epi, Lopevi, Ambrym, Aragh-Aragh) verhältnismäßig große 
Tiefen dicht unter Land verzeichnet waren, lag die Vermutung nahe, daß, wenn 
irgendwo :an dieser Seite der Inseln, hier eine Grabenbildung vorhanden sein 
könnte. Deshalb wurde hier mit kurzen Schlägen und dicht beisammenliegenden 
Lotungen abgesucht; die Tiefen gingen aber sehr bald auf den früher gefundenen 
Verlauf über. Es wurde dann nochmals möglichst weit nach außen vorgestoßen 
(bis 170° Länge) und dann, nachdem wieder eine Abnahme der Tiefen zu ver- 
zeichnen war, auf die südlichste der Banks-Inseln zu gehalten. Die Tiefen- 
verhältnisse zeigten immer denselben Charakter, und auch die in Höhe und 
nördlich der Banks-Inseln vorgenommenen Lotungen ergaben nur Tiefen von 
weniger als 3000 m, so daß aller Wahrscheinlichkeit nach das ganze Gebiet 
zwischen den Neu-Hebriden und Fidji-Inseln ein nur 3000—4000 m tiefes Becken 
darstellt. « 
Der von den Seismologen vermutete Graben ist also von S.M.S. »Planet« 
nicht gefunden worden, aber sowohl die früheren Lotungen an der Westseite 
der Neu-Hebriden wie auch die von »Planet«. ausgeführten beiden Lotungen süd- 
westlich der Santa-Cruz - Inseln mit über 5000.m Tiefe deuten darauf hin, daß 
sich von den südlichen Salomon-Inseln eine Rinne oder grabenförmige Einsenkung 
nach der Westseite der Neu-Hebriden erstreckt und längs dieser nach Süden 
sich fortsetzt.l) Es würde dies eine analoge Bildung sein wie der von der Süd- 
küste Neu-Pommerns nach der Westseite von Bougainville streichende Graben 
(vgl. Tafel 20), dessen Verlauf allerdings erst zum Teil durch Lotungen fest- 
gelegt ist. Die ersten Anzeichen für diese Einsenkung wurden 1908 von »Planet« 
gefunden, als westlich von Bougainville über 8000 m gelotet wurden?), durch 
systematische Lotarbeit ist sodann 1909 der Graben von »Planet« in seiner west- 
lichen Erstreckung großenteils festgelegt worden. Das nachstehende Profil südlich 
vom St. Georg-Kanal in 1521/,° O-Lg., das im Anschluß an die. Hebriden-Lotungen 
gewonnen wurde (Lotungen Nr. 53—61), zeigt einerseits die geringe Breite der 
Grabensohle (noch nicht 20 km), anderseits die verschiedenartige Böschung der 
beiden Flanken des Grabens. Die Lotungen (Tabelle Nr. 76—94), die von »Planet« 
September 1909 im Zickzackkurs längs der Südküste Neu-Pommerns gelegt wurden, 
bringen die erste Aufklärung über das bislang gänzlich unbekannte Relief des 
zwischen Neu-Guinea und Neu-Pommern gelegenen Gebiets. Der Graben, welcher, 
wie das Profil querab von Kap Lüdtke zeigt, im Osten in nur 25 Sm Entfernung 
von der Insel liegt und Tiefen über 7000 m aufweist, entfernt sich im Westen von 
1) Lotungen in diesem Gebiet werden von S.M. S. »Planet« wahrscheinlich im Laufe dieses 
Jahres ausgeführt werden, wieder auf der Reise von Sydney ins Vermessungsgebiet. 
2) Vel. Ann. d. Hydr. usw. 1909, Taf. 6.
	        
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